Bad Mergentheim

Polizeistatistik Im Altkreis kracht es im Vergleich zum Vorjahr deutlich häufiger / Vor allem beim Abbiegen, Rückwärtsfahren und Wenden kommt es zu Vorfällen

Die fünf häufigsten Unfallursachen

Archivartikel

Im Altkreis Mergentheim krachte es bisher häufiger als 2018. Welche Ursachen dahinter stecken, nahmen wir unter die Lupe.

Main-Tauber-Kreis/Bad Mergentheim. Die Zahl der Unfälle steigt. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum kracht es vor allem in der Kurstadt deutlich öfter. Das Polizeipräsidium Heilbronn lieferte auf Anfrage eine Zwischenbilanz für 2019. Außerdem beleuchteten wir die fünf häufigsten Unfallursachen mit entsprechenden Beispielen aus der Region. Grundlage war die Unfallstatistik des Polizeipräsidiums 2018 (wir berichteten).

Der vermeintliche Klassiker, Alkohol am Steuer, nimmt einen relativ geringen Stellenwert in der Statistik ein. Die Fahruntüchtigkeit rangiert auf Platz fünf (7 Prozent) dicht hinter Abstands-Unfällen (8 Prozent).

Erst Anfang des Monats machte ein alkoholisierter Geisterfahrer von sich Reden. Verletzt wurde zwar niemand, doch erschreckte er einen 43-jährigen Traktorfahrer fast zu Tode. Der war gerade auf der Straße von Rengershausen in Richtung Hachtel unterwegs, als es fast zum Zusammenstoß kam.

Glücklicherweise erkannte er rechtzeitig, dass der alkoholisierte Nissanfahrer, der ihm nun entgegenkam, immer weiter auf seine Fahrspur abdriftete. Um das Schlimmste zu verhindern, fuhr er mit seinem Gespann auf den Grünstreifen und verlangsamte seine Geschwindigkeit.

Trotzdem touchierte der Nissan den hinteren Reifen des Anhängers und fuhr im Anschluss eine Böschung hinunter, wo er zum Stehen kam. Glücklicherweise zog sich keiner der Beteiligten Verletzungen zu.

Die Polizeistreife vor Ort stellte während der Unfallaufnahme Alkoholgeruch bei dem 57-Jährigen fest.

Ein durchgeführter Atemalkoholtest ergab einen Wert von knapp zwei Promille. Für den Mann endete die Fahrt an Ort und Stelle und er musste die Beamten zur Entnahme einer Blutprobe in ein Krankenhaus begleiten. Insgesamt verursachte der Mann Sachschaden in Höhe von knapp 6000 Euro.

Zu hohe Geschwindigkeit steht kurioserweise mit 15 Prozent erst auf Platz drei der häufigsten Unfallursachen. In diesem Zusammenhang sorgte ein 19-Jähriger Ende 2018 in Weikersheim für Schlagzeilen.

Während seiner Flucht vor der Polizei hat der Motorradfahrer mehrere Fußgänger gefährdet. Die Aufmerksamkeit der Beamten zog er auf sich, weil er ohne Nummernschild unterwegs war. Auf die Anhaltezeichen der Polizei reagierte der 19-Jährige nicht. Stattdessen flüchtete er mit hoher Geschwindigkeit. Die Polizeibeamten waren ihm dicht auf den Fersen und konnten dabei beobachten, wie der Motorradfahrer mit 90 Kilometer pro Stunde extrem rücksichtlos durch die geschlossene Ortschaft raste. Mehrere Fußgänger mussten sich hinter einem geparkten Fahrzeug in Sicherheit bringen, um nicht von dem Mann überfahren zu werden. Nach einem Sturz auf einer Wiese nach dem Fahrradweg zwischen Weikersheim und Elpersheim ging die Verfolgungsjagd sogar weiter. Dann gab der 19-Jährige auf. Als Grund für das Flüchten gab der 19-Jährige an, dass er Angst vor der Strafe für das „Fahren ohne Kennzeichen“ hatte.

Auf Platz zwei der Unfallursachen befindet sich die Vorfahrtsmissachtung mit 24 Prozent. Ein solcher geschah zum Beispiel vergangenen Monat in der Bad Mergentheimer Lothar-Daiker-Straße. Dort missachtete ein 58-jähriger Audi-Fahrer die Vorfahrt einer 57-Jährigen in ihrem Opel. Verletzt wurde dabei aber glücklicherweise niemand.

Tödlich verletzt

Laut Polizeistatistik passierten 2018 42 Prozent der Unfälle beim Abbiegen, Wenden oder Rückwärtsfahren. Erst vergangene Woche wird in Bad Mergentheim ein Rollerfahrer tödlich verletzt (siehe weiterer Artikel auf dieser Seite). Der 85-Jährige war mit seinem Moped auf der Wilhelm-Frank-Straße unterwegs, als ein Lkw-Fahrer rückwärts aus einer Seitenstraße kam und dabei offensichtlich den Rollerfahrer übersah. Zwei Tage später wird in Niederstetten eine Frau mittelschwer beim Abbiegen verletzt. Die 58-Jährige war mit ihrem Opel Meriva auf der K 2891 unterwegs und wollte links in Richtung Wildentierbach abbiegen. Dabei krachte sie in einen entgegenkommenden Skoda. 132 Unfälle hat es in diesem Jahr in Bad Mergentheim bis zum 16. August gegeben, teilt die Pressestelle des Polizeipräsidiums in Heilbronn mit. Das sind 32 mehr als im selben Zeitraum 2018. Dabei sind sieben Personen zu Schaden gekommen, exakt so viele wie im Jahr zuvor. Der Schadensbetrag summiert sich auf 872 000 Euro – 186 000 Euro mehr als letztes Jahr.

In Niederstetten krachte es neun- statt sechsmal. Auf der einen Seite ist das zwar nur eine Differenz von drei Unfällen. Auf der anderen Seite stechen jedoch die Zahlen ins Auge: Die Gesamtkosten belaufen sich 2019 auf satte 103 000 Euro (2018: 34 000 Euro).

Positiv fällt Weikersheim auf. Dort gab es bis zum 16. August nur halb so viele Unfälle wie 2018. Es wurden nur ein Viertel so viele Personen verletzt. Um genau zu sein: eine. In Creglingen (sieben Unfälle) und Igersheim (elf Unfälle) krachte es ähnlich oft wie im Jahr davor. In der Stadt gab es im Vergleichszeitraum 2018 einen Unfall mehr, in der Gemeinde einen weniger.

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