Bad Mergentheim

Leserbrief Zum Leserbrief von Thomas Tuschhoff (19. Juli) und zur „Energiewende“

Die am höchsten subventionierten Arbeitsplätze

Dass Herr Tuschoff auf meinen Leserbrief reagiert hat, ist sehr erfreulich. Vielleicht ergibt sich daraus eine breitere Diskussion in der Öffentlichkeit. Diese Diskussion ist notwendig, denn Deutschland befindet sich mit der derzeitigen Energiepolitik auf einer gefährlichen Geisterfahrt.

Leider sind die in Rede stehenden Themen sehr komplex und eignen sich kaum für eine öffentliche Diskussion. Die ehemals erfolgreiche Energiepolitik Deutschlands wurde aus ideologischen Gründen von einer desaströsen Energiewende abgelöst. Basis dieses Wechsels ist die global verbreitete Behauptung, die CO2-Emission von fossilen Verbrennungsvorgängen würde das Klima negativ beeinflussen. Diese Behauptung ist eindeutig falsch, da ist sich die internationale Klimawissenschaft einig. CO2 ist ein natürliches Spurengas unserer Atmosphäre und Basis allen Lebens. CO2 als „Klimakiller“ zu diskreditieren ist daher völlig unangebracht. „Erfunden“ wurde das Märchen von der (CO2- freien) Atomindustrie. Es zeigte sich, dass dieses Märchen eine Allzweck- und Vielzweckwaffe ist. Damit kann man viele Ziele verfolgen, die mit ehrlicher Diskussion nicht erreichbar wären. Doch das ist nicht das Thema. Es soll nur beleuchten, dass die Energiewende ohnehin auf Sand gebaut ist.

Tuschoff behauptet, die Energiewende bewirke Umweltschutz, schaffe neue Arbeitsplätze und verleihe Unabhängigkeit. So hätte die Energiewende 300 000 Arbeitsplätze geschaffen, wie viele es wirklich sind, ist umstritten.

Tatsache ist, dass dies die am höchsten subventionierten Arbeitsplätze sind und keinen volkswirtschaftlichen Nutzen haben. Die Subvention hat auch keine Anschubwirkung. Fiele sie weg, würden alle Arbeitsplätze wieder verschwinden. Wie viele Arbeitsplätze aufgrund der hohen Energiepreise verloren gegangen sind, steht in keiner Statistik.

Mit Wind- und Solarkraftwerken werden wir mit Sicherheit keine Unabhängigkeit von Russland oder Saudi-Arabien gewinnen. Im Gegenteil: Um angeblich CO2 zu sparen, will man Kohlekraftwerke schließen. Die sollen dann durch Öl- oder Gaskraftwerke ersetzt werden. Wir werden also von Putin und den Saudis abhängiger!

Und Umweltschutz? Zum Thema globale Umweltzerstörung durch die Energiewende wird im Herbst der bundesweit bekannte Naturschützer Dr. Friedrich Buer aus Neustadt/Aisch in Bad Mergentheim einen Vortrag halten. Die Planungen laufen noch.

Dass die Stromversorger angeblich die günstigen Einkaufspreise an die Haushalte nicht weiter geben, da sollten wir wohl ein ernstes Wort mit den Stadtwerken reden! Ich bin sicher, wir haben dort sehr günstige Tarife. Es hat wenig Sinn, irgendwelche Sündenböcke zu erfinden. Das ganze Dilemma hängt an der physikalischen, technischen, ökonomischen, ökologischen und sozialpolitischen Fehlkonzeption der deutschen Energiewende. Die Ideologie siegte über den Verstand.

Mit dem Bau eines jeden neuen Windrades wird – falls der Wind weht – immer mehr Strom an der Börse angeboten, den meist keiner braucht. Die Preise gehen gegen Null oder sogar darunter. Das ist den Windmühlenbetreibern reichlich egal, denn sie bekommen ja eine garantierte Vergütung. Es ist daher überhaupt kein Paradoxon, dass die EEG-Umlage steigt. Diese Steigerung ist systembedingt. Die Lieferanten von konventionellem Strom müssen sich demgegenüber mit dem niedrigen Börsenpreis abfinden.

RWE, EON, etc. genau wie VW, Siemens und alle auf dem Markt tätigen kleinen, mittleren und größeren Unternehmen müssen Gewinne erzielen. Sie irgendwie mit Wohltätigkeitsorganisationen in Verbindung zu bringen offenbart ein falsches Verständnis unserer Wirtschaftsordnung. Die alte linke Kapitalismus-Diskussion wieder aufzuwärmen, hat wenig Sinn.

Deutschland verdankt jedenfalls seine wirtschaftliche Position und seine gesellschaftliche Stabilität der „sozialverpflichteten Marktwirtschaft“.

Es gibt immer etwas zu kritisieren, aber dass unsere Wirtschaftsordnung eine Umverteilung von unten nach oben bewirkt habe, kann so nicht stehen bleiben.

Wer die Bücher von Herrmann Scheer† und Jürgen Trittin gelesen hat, weiß woher der Wind weht. Für Trittin ist die Energiewende ein Instrument für die „Transformation der Gesellschaft“ und Herrmann Scheer, der Autor des EEG, hatte nur das Ziel, mit der von ihm gegründeten Lobbyorganisation „Eurosolar“ mehr Geld zu verdienen. Umweltminister Trittin war es, der bei der ersten drohenden Pleite des Solarunternehmers, Trittin-Freundes und Mitbegründers der Grünen, Frank Asbeck (Solar World), die EEG-Umlage flugs auf sagenhafte 57,4 Cent je kWh erhöhte.