Bad Mergentheim

Im Kursaal Breakdance-Show „Breakin’ Mozart – Klassik meets Breakdance“

Die 400 Besucher waren restlos begeistert

Archivartikel

Von der Breakdance-Show „Breakin’ Mozart – Klassik meets Breakdance“ zeigten sich 400 Besucher im Bad Mergentheimer Kursaal restlos begeistert.

Bad Mergentheim. Die Schweinfurter Breakdancer DDC – Dancefloor Destruction Crew – sind seit 2013 mit dem Crossover-Projekt unterwegs, das beim Mozartfest 2013 aus der Taufe gehoben und seitdem in vielen europäischen Ländern gefeiert wurde.

Christoph Hagel ist der künstlerische Leiter der Truppe mit einem besonderen Gespür für die Verbindung von Hoch- und Jugendkultur. Bereits 2019 wurde er für die Produktion „Flying Bach“ mit dem Echo Klassik Sonderpreis ausgezeichnet.

So hat der Berliner Dirigent und Opernregisseur, der im Kursaal die Darbietungen am Klavier begleitete, maßgeblich dazu beigetragen, dass Breakdance zum Kulturgut wurde. In der Hip-Hop-Szene ist der ursprünglich als B-Boying bezeichnete Breakdance ein Grundelement.

In den Anfängen Ende der 1960er-Jahre waren es Straßentänze von Jugendlichen im New Yorker Stadtteil „Bronx“, die als Alternative zur Gewalt der Gangs als Wettkämpfe mit spektakulären Kopfdrehungen, Flic Flacs, Air Freezes oder variantenreichen Flares ausgetragen wurden. Inzwischen gibt es weltweite Wettbewerbe und die DDC war auch schon Europameister und zweifacher Weltmeister. Doch das ist Sport, während in Bad Mergentheim die sportlichen Leistungen nur den Weg zu einer überzeugenden Einheit von Klang und Bewegung ebneten. Die Aufführung öffnete so alle Sinne für Mozarts umwerfende Klangwelten.

Wird eigentlich beim Breakdance zu Pop, Funk oder Hip-Hop getanzt, katapultierte „Breakin´ Mozart“ den großen Wolfgang Amadé vom 18. ins 21. Jahrhundert, wo er beim Schreiben der A-Dur-Klaviersonate vom Klang und Rhythmus einer neuen Bearbeitung des Stücks so gepackt wurde, dass seine Glieder ihm nicht mehr gehorchten. Dann staunte der große Meister über die merkwürdig gekleidete Gruppe junger Männer und Frauen, die ihn mit seltsamen Schrittfolgen und Sprüngen umtanzten.

Mozart galt bekanntlich als Freigeist und war aufgeschlossen für unkonventionelle Einfälle; so überzeugte das Konzept der Show, nach Bearbeitungen – etwa der Ouvertüre zu „Figaros Hochzeit“, der Sinfonie g-Moll oder der Rondo alla turca – eine zeitgemäße Geschichte zu erzählen. Ein großer Spagat war dazu nicht nötig, denn der Bühnen-Mozart stellte schnell fest, dass die jungen Leute um ihn herum in Liebesdingen unterwegs waren; um nichts anderes geht es zumeist in seinen Opern. Als versöhnlicher Götterbote Amor verschoss er zum Finale mit goldenem Bogen seine Pfeile, um die Liebeswirren endgültig zu beenden.

Einen enthusiastisch gefeierten Auftritt hatte die US-Amerikanerin Darlene Ann Dobisch mit der sauber gesungenen Rache-Arie der Königin der Nacht. Umwerfend war die Komik der umgedeuteten Szene, in der die Königin dem treuherzigen, der Liebe unkundigen „Toyboy“ (Gregory Strischewsky) als Stalkerin nachstellte.

Auf den Prüfstand wurde der Zusammenhalt der Truppe immer dann gestellt, wenn es um Frauen ging. Mit „Einer zuviel“ hatten die Choreographen und Tänzer Marcel Geißler, Alexander Pollner und Gregory Strischewsky die dritte Szene des Abends überschrieben. Da musste erst mal der „Riss in der Clique“ mit Mozarts kleiner Nachtmusik oder auch mit einer „Paartherapie“ in der siebten Szene verarbeitet werden.

Dass die Kunstform Breakdance nicht nur eine reine Männerdomäne ist, demonstrierten zudem die beiden Tänzerinnen Tessa Achtermann und Felice Aguilar. Mit Powermoves wussten sie die Avancen ihrer Verehrer zu beantworten, wobei zu Mozarts Sinfonie g-Moll auch ein „Seitensprung“ in der zwölften Szene dazugehörte.

Schlüssig und immer passend zur Musik waren die Szenen bis zum auftrumpfenden Finale der „Jupiter“-Sinfonie aufgebaut.

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