Bad Mergentheim

Leserbrief Zum neuen Verkehrskonzept für die Bad Mergentheimer Innenstadt

Denkfehler, einige Anregungen, große Missstände und vergessene Senioren

Ein Jahrzehnte alter Fehler wurde endlich bereinigt, bravo: Bislang floss der Stadtverkehr aus allen Richtungen auf den wunden Punkt Bahnübergang zu. Sobald ein Zug kam, brach der Bad Mergentheimer Stadtverkehr stets zusammen, alles staute und verstopfte sich – werktags durchschnittlich zweimal pro Stunde. Im neuen Konzept wurde hier endlich ein Abfließen in die Härterichstraße ermöglicht. Doch dann stellt man sich gleich die Frage, warum eigentlich nicht gleich die gesamte Härterichstraße und die Bahnhofstraße in ihrer Fließrichtung umgedreht wurden. Nur auf diese Weise, nämlich durch Komplettierung einer nutzbaren Wendeschleife, wäre tatsächlich ein sinnvolleres Abfließen möglich, sobald die Schranken geschlossen sind.

Seltsam bizarr erscheinen die Planungen mit Münzgasse, Nonnengasse und Kapuzinerstraße. Wo sollte dieser Verkehr eigentlich hinfließen? Etwa auf den engen Sackgassen-Parkplatz hinter der Polizeiwache?

Mit Verlaub, diese Planung erscheint völlig unsinnig, das Chaos wäre vorprogrammiert. Sämtliche Fahrzeuge müssten dort wenden und erneut in Richtung Bahnübergang durch die für den Zweirichtungsverkehr freigegebene Münzgasse ausweichen. Einzig und allein ein Zweirichtungsverkehr in einer verkehrsberuhigten Nonnengasse kann hier die Lösung sein, wenn man keine „Abkürzung“ in Richtung Kapuzinerstraße schaffen möchte. Doch warum eigentlich nicht? Wieso möchte man Fahrzeuge zu gewaltigen Umwegen und damit zu einem Vielfachen des Schadstoffausstoßes respektive Energieverbrauchs zwingen?

Und was den Aspekt der Emissionen anbelangt, sollte man unbedingt auch nochmals die geplanten 30 km/h-Beschränkungen der Straßen Unterer Graben, Mittlerer Graben, Schillerstraße und Wachbacher Straße überdenken: 50 km/h sind hier zu schnell, das ist klar. Aber 30 km/h erscheinen hingegen zu langsam, da sich diese Geschwindigkeit eigentlich nur im zweiten Gang fahren lässt, denn der dritte wäre hier zu untertourig. . . Aber zweiter Gang bedeutet eben automatisch höhere Motordrehzahl und entsprechend mehr Abgase! Hat man daran überhaupt gedacht?

Die simple Lösung wären hier 40 km/h-Zonen, geräusch- und abgasarm zu fahren, im dritten Gang bei niedriger Motordrehzahl. Mit 40 km/h kommt man auch noch gut voran, der Verkehr fließt somit zügig ab und jeder Teilnehmer kann im Gefahrenfall deutlich rascher bremsen. Wer’s nicht glaubt, sollte dies einfach mal ausprobieren.

Grüner und autofreier Gänsmarkt, traumhaft schön – wunderbar! Aber ihr werten Herren unseres hochweisen Stadtrates, vergesst im Rausche dieser planerischen Herrlichkeit doch bitte nicht die peinlich prekäre Parkplatzsituation! Denn sehr oft, wenn ansonsten ohnehin alles zugeparkt ist, fungiert bis dato der Gänsmarkt als letzter Hoffnungsschimmer, doch noch eine winzige freie Ecke zu finden. . .

Und ich weise nicht als junger Bürger, der zu faul zum Laufen oder Radfahren wäre, auf diesen Missstand hin, sondern möchte indes vielmehr das Augenmerk auf ältere Mitbürger lenken, die gesundheitlich nicht mehr zu längeren Fußmärschen imstande sind. Schlimmer noch, wenn sie fernab jeder Bushaltestelle wohnen. Jenen Menschen ist das Parken in diesem Bereich schon heute kaum mehr möglich, zumal sich dort zu allem Übel auch noch Arztpraxen mit stundenlangen Wartezeiten befinden!

So sind sie bereits jetzt darauf angewiesen, von Angehörigen oder aber von Freunden zum Arzt gebracht und wieder abgeholt zu werden, weil einfach das eigene Auto nirgends in direkter Nähe unterzubringen ist.

Die Parkplätze Rathaus, Lagerhaus und Einkaufszentrum (auch so ein Irrsinn, dass dieses unsägliche Ding praktisch komplett falsch herum geplant und gebaut wurde – und somit dem eigentlichen städtischen Geschehen die Rückseite zuwendet) liegen für ältere Leute einfach viel zu weit ab vom Schuss!

Fazit sollte sein: Bevor man blenderische Luftschlösser entwirft, welche ja angeblich die städtische Lebensqualität aufwerten sollen, müsste einfach zunächst das immer katastrophalere Parkplatzproblem gelöst werden. Denn auch Elektrofahrzeuge lassen sich später ja schließlich nicht einfach wegbeamen.

Ein großes zentrales Parkhaus muss also irgendwann her, dies erscheint absolut unabdingbar! Obendrein würde aktuell eine (längst überfällige!) Sanierung jener peinlichen Holperpisten im Bereich der Würzburger und der westlichen Igersheimer Straße oder der Au-straße im Weberdorf einer Anhebung der Bad Mergentheimer Lebensqualität weitaus besser zu Gesicht stehen: Derart miserable Straßen sind mir zuletzt im alten Eisenach des Jahres 1988 begegnet.

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