Bad Mergentheim

Tierzählung Zweiter Teil der Frühjahres-Zählung im Referenzgebiet „Tauberland“

Dem seltenen Rebhuhn auf der Spur

Archivartikel

Wie steht es um den Rebhuhnbestand im „Tauberland“? Eine Tierzählung sollte diese Frage beantworten. Unser Reporter Hans-Peter Kuhnhäuser begleitete diese – über Stock und Stein.

Bad Mergentheim. „Volles Haus“ im Jägerhaus im Schüpfer Loch: Das Rebhuhn-Monitoring zieht reichlich Interesse an. Über die vielen bekannte – aber auch neue – Gesichter freute sich Iris Konrad von der Kreisjägervereinigung bei der Begrüßung. Wie schon beim ersten Zähltermin vor einer Woche sind viele Jäger, Vetreter der Naturschutzgruppe und des Landratsamtes sowie einige interessierte Bürger gekommen.

Dr. Johanna Maria Arnold und Corinna Oberhofer von der Wildforschungsstelle waren ebenso wieder mit dabei; sie erläuterten nochmals das Vorgehen und schlossen sich dann zwei Zähltrupps an. Ein weiterer Mitarbeiter der Wildforschungsstelle ist mit angereist. Er führt eine digitale Vollformat-Spiegelreflexkamera und hochlichtstarke Objektive mit sich – Profi-Ausrüstung eben.

In 15 Flächen aufgeteilt

Das Monitoring-Gebiet „Tauberland“ ist in 15 „Transekt“-Flächen aufgeteilt, die auf den Markungen Löffelstelzen (5 Flächen), Edelfingen (4) und Oberbalbach (6) liegen. Die Zähltrupps – Zweier- oder Dreierteams – bekommen die Mappen mit den Formblättern und natürlich auch wieder die mobilen Lautsprecher ausgehändigt. Mit deren Hilfe lassen sie alle 100 Meter den Ruf eines Rebhahnes erschallen. Orientierung liefert eine Karte, auf der die Transekt-Flächen eingezeichnet sind. Der Ruf soll den ansässigen Balzhahn reizen: Oftmals antworten die Hähne, manchmal zeigen sie sich auch. Und auch Hennen sind bisweilen zu sehen. Die Beobachtungen werden im Formblatt vermerkt.

Erich Stapf ist Pächter des Reviers Edelfingen Nord. „Wir machen die Transekt-Fläche Nummer 6“, sagt Stapf. Seine Tochter – sie ist ebenfalls Jägerin – begeht mit ihrem Partner die andere Transekt-Fläche in Stapfs Revier. Nur kurz dauert die Fahrt vom Jägerhaus ins Revier. Und schon kurz vor dem Haltepunkt ist, dicht an einer Hecke stehend, ein Reh zu sehen. Das äugt interessiert auf das Auto mit den zwei Rebhuhn-Zählern. Kurz darauf parkt Stapf den Wagen. Wir sind am Ausgangspunkt der Zähltour. Und schnell wird klar: Ein lockerer Spaziergang wird das nicht. „Wir müssen da rüber“, weist Stapf den Weg und zeigt auf einen Acker. Beladen mit Fernglas, Kamera und der Zählermappe folgt der Reporter. Lehmklumpen an den Stiefeln machen das Gehen beschwerlich. Dabei ist es noch ein gutes Stück, bis ein Feldweg das Laufen etwas erleichtert. Regelmäßig stellt Stapf den Lautsprecher an. Gebannt gehen die Blicke nach vorn. Aber kein Laut ist zu hören. Zeigen tut sich weder ein Rebhahn noch eine Henne. Eine Viertelstunde später entdeckt der Jäger gleich zwei Rehe, etwa 200 Meter voraus. Ein Blick durchs Fernglas macht deutlich, dass es ein ganzer „Sprung“, also eine Gruppe, ist. Am Ende des Ackers fällt das Gelände ab. Ein Reh nach dem anderen erscheint – am Ende sind es fünf Tiere. Kurz darauf bleiben sie stehen, schauen nach den Menschen und teilen sich dann auf: Drei Rehe laufen zurück und verschwinden aus dem Blickfeld der Rebhuhnzähler. Die beiden anderen setzen ihren Weg fort.

Sie geben nicht auf

Weiterhin schmeißt Stapf alle 100 Meter den Lautsprecher an. Doch vom Objekt der Begierde ist nichts zu hören oder zu sehen. „Wundert mich nicht“, sagt der Jäger. „Hier habe ich noch nie Rebhühner bemerkt.“ Allerdings liegt die Transekt-Fläche zum Teil gleich an der Markungsgrenze von Löffelstelzen. Dort ist die Flur nicht ganz so offen wie an dieser Stelle. Und so wäre es durchaus möglich, die Vögel anzutreffen. Aber, wie gesagt, zu hören und zu sehen sind sie nicht. Der Ruf des (Lautsprecher-)Hahnes wird nicht beantwortet.

Eine gute Dreiviertelstunde ist vergangen. Getan hat sich nichts. Immerhin zeigt sich ein Hase. Dicke Lehmklumpen an den Stiefeln, Regen von oben und im Formular nur Kreise – das Zeichen für „nichts beobachtet/gehört“. Ein Hauch von Enttäuschung macht sich breit beim Reporter. Dennoch gibt es Hoffnung. Ein paar Hundert Meter voraus stehen einige Hecken. „Da habe ich schon mal Rebhühner gesichtet“, sagt Jäger Stapf. Also frohgemut voran und hoch mit dem Lautsprecher. Doch wieder gibt es keine Reaktion. Auch dicht bei den Hecken nicht. „Irgendwie schade“, denkt sich der Reporter. Aber so ist das Monitoring – die einen haben „Erfolg“, die anderen eben nicht.

Schließlich ist das Rebhuhn im Bestand gefährdet – zu viel erwarten darf man also nicht. Auch wenn es im Referenzgebiet „Tauberland“ noch besser aussieht als in vielen anderen Landesteilen. Der Rest der Strecke ist schnell zurückgelegt. Insgesamt waren wir knapp 80 Minuten unterwegs. Ob der Jäger unzufrieden oder enttäuscht ist? „Nein, denn das habe ich erwartet“, sagt Stapf. Ob er denn überhaupt schon einmal Rebhühner gejagt hat, will der Reporter wissen. „Ich bin seit 40 Jahren Jäger und habe hier noch nie ein Rebhuhn geschossen. Die haben wir hier immer geschont.“

Zurück im Jägerhaus nimmt Corinna Oberhofer die Zählmappe entgegen. Zahlreiche Trupps sind schon wieder da. Für Gesprächsstoff ist gesorgt. Ja, wenn der Reporter bei ihm mitgegangen wäre, „da hätte er die tollsten Aufnahmen machen können“, berichtet Löffelstelzener Egon Brand. Er erzählt von einem Rebhahn, der „uns regelrecht verfolgt hat. Der kam fünfmal auf uns zugelaufen!“ Wobei man wissen muss, dass Balzhähne auf die Konkurrenz zulaufen – der Lautsprecher erklang ja als Ruf eines konkurrierenden Hahns. „Die Zeit zur vollständigen Auswertung hatten wir noch nicht“, sagt Dr. Johanna Maria Arnolf. Aber „eine erste Durchsicht zeigt, dass es wie erwartet gelaufen ist. Acht von 15 Zähltrupps haben Reaktionen vermerkt“, zeigt sich die Forscherin zufrieden. Und sie verteilt viel Lob für die Jäger und die anderen freiwilligen Zähler. Dass auch interessierte Bürger mitmachen, freut Dr. Arnold sehr. „Das Monitoring wird hier sehr positiv angenommen.“ Nun sei sie schon sehr gespannt auf die Spätsommerzählung. Die wird an mindestens drei Terminen auf den 15 Transekt-Flächen erfolgen.

Nach der Auswertung gibt es dann konkrete Zahlen. Und die sorgen – hoffentlich – für mehr Klarheit, wie es um sie steht, die Rebhühner im „Tauberland“.

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