Bad Mergentheim

Leserbrief Zum Thema "Wind-Konzentrationszone 2" bei Althausen / Bürgerinitiative "im juristischen Würgegriff"

"Das Pokerspiel beginnt von vorne - Ausgang vorhersehbar"

Ene mene muh und drin bist du!

Der Windradpoker im Main-Tauber-Kreis bleibt spannend.

Verdeckt und ohne Vorwarnung wurde beim letzten Stich der "Schwarze Peter" Althausen untergeschoben. Gefangen in einem undurchdringlichen Gestrüpp von Genehmigungsverfahren wird es für die Bürgerinitiative (BI) "Windwahn" Althausen sehr schwierig werden, sich aus diesem juristischen Würgegriff zu befreien. Lange Zeit vertrauten die Althäuser Bürger den klaren Signalen aus dem Rathaus, die besagten, dass dieser bittere Kelch an ihnen vorbeiziehen würde.

Zur Historie: Im Mai 2014 stellte der Biologe Stefan Kaminsky in Neunkirchen sein mit Spannung erwartetes Artenschutzgutachten der drei festgelegten Mergentheimer Konzentrationszonen vor. Die "Konzentrationszone 2" wurde damals für den Bau von Windrädern als ungeeignet erachtet. Auch die BI Althausen suchte zwei Jahre (2013 bis 2015) in der Konzentrationszone 2 nach Greifvogelhorsten und beobachtete die Fluggewohnheiten der Greifvögel. Insgesamt wurden zirka 1500 Stunden investiert.

Die Beobachtungsergebnisse wurden in tausenden von Bildern festgehalten und anschließend mit Hilfe eines beratenden Gutachters ausgewertet. Dokumentiert wurden 50 Greifvogelhorste, darunter neun Rotmilanhorste mit teilweise frischem Nistmaterial und ein Wespenbussardhorst.

Die Flugbewegungen der einzelnen Vogelarten wie Schwarzmilan, Mäuse-, Wespenbussard, Habicht, Mauersegler, Kolkrabe und Lerche wurden akribisch aufgezeichnet und dabei eindeutig festgestellt, dass die Vögel in ihrem Jagdverhalten keineswegs auf bestimmte Höhen festgelegt sind oder gar den Flug über Wälder meiden, wie häufig behauptet wird. Nach Fertigstellung der Dokumentation zögerten die Beteiligten zunächst, dieses sensible Informationsmaterial an die Behörden weiterzugeben, da sie befürchteten, es könnte über Umwege in falsche Hände geraten und damit die Greifvogelhorste gefährden. Man war sehr misstrauisch. Schließlich wurde die Dokumentation doch der Stadt und dem Landratsamt ausgehändigt. Sie umfasste den Zeitraum vom 2. Mai 2013 bis 14. Juli 2014.

Merkwürdig ist, dass erst jetzt, nach einer endlos langen Bearbeitungszeit von fast drei Jahren, das Landratsamt eine Neubewertung des Kaminsky-Gutachtens und der BI-Dokumentation einforderte. Es klingt seltsam: "Ein Landratsamt verlangt ein Gegengutachten über ein Gutachten".

Die Gutachterin kam zu dem vorläufigen Ergebnis, dass in Zone 2 (Althausen) die damals angeführten Konflikte von den aktuellen neuen Erkenntnissen nicht bestätigt werden konnten, da diese teilweise aus den Jahren 2012 bis 2013 stammten, also unbrauchbar sind. Nun muss ein neues Gutachten in Auftrag gegeben werden. Das Ergebnis ist vorhersagbar. Die BI-Dokumentation war "für die Katz"! Eine nicht zu rechtfertigende Ignoranz und Arroganz den besorgten Althäuser Bürgern gegenüber. Das Pokerspiel beginnt nun von vorne - Ausgang auch vorhersagbar. Allerdings hielt die ebenfalls aufwändige Dokumentation der BI Apfelbach über die Zone 3 den geforderten Ausschlusskriterien stand. Die Begründung der Gutachterin lautete: ". . .dass aufgrund des nachgewiesenen Brutvorkommens von Rotmilanen, Wespenbussard und Uhu lediglich eine kleine Restfläche im Süden verbleibt, mit der die Voraussetzungen für die Festsetzung einer Konzentrationszone nicht erfüllt werden. . .".

Exakt dieselben Nachweise lieferte auch die BI Althausen und zog trotzdem den "schwarzen Peter" - eigentlich klar - das Ass war schon vergeben. Wenn man bedenkt, dass auf der Konzentrationszone 2 insgesamt acht Windräder möglich sind und bei Bobstadt vier weitere geplant werden, ist es nicht auszuschließen, dass sich in absehbarer Zeit zwölf Windradmonster zwischen Althausen und Bobstadt zwängen, die mit ihren über 230 Metern Gesamthöhe nicht nur optisch die Dorfidylle in eine Industriebrache verwandeln, sondern auch weiträumig das Landschaftsbild grundlegend verändern. Eine gewaltige Natur- und Landschaftszerstörung!

Die Protagonisten dieses hinterlistigen Windradpokers halten sich weiterhin bedeckt. Das ungleiche Hase-und-Igel-Spiel geht weiter oder nach Shakespeare: "Es ist etwas faul im Staate Dänemark!"