Bad Mergentheim

Stadtarchiv seit 30 Jahren im Kulturforum Tag der offenen Tür am Sonntag, 8. September / Hilfe beim Lesen alter Schriften / Mit Gänsefeder auf Pergament schreiben

Das historische Gedächtnis der Stadt

Archivartikel

Seit drei Jahrzehnten befindet sich das Stadtarchiv im Kulturforum. Anlässlich dieses Jubiläums bietet die Archivarin einen Tag der offenen Tür am 8. September an.

Bad Mergentheim. Das Stadtarchiv ist nicht nur das zentrale Gedächtnis der städtischen Verwaltung, deren wichtigste Unterlagen, Akten und Urkunden hier aufbewahrt werden. Es ist für Stadtarchivarin Christine Schmidt auch eine wertvolle Quelle für die Geschichtsforschung vor allem auf lokaler und kommunaler Ebene, die von Wissenschaftlern, aber auch von historisch interessierten Bürgern und Gästen der Stadt gerne genutzt wird.

Dieses Gedächtnis, das unermüdlich angereichert, gepflegt und geordnet werden muss, befindet sich seit 30 Jahren im zweiten Obergeschoss des Kulturforums am Hans-Heinrich-Ehrler-Platz. Davor war es an verschiedenen Orten untergebracht und über die Jahrhunderte hinweg Umzügen und damit leider auch Verlusten ausgesetzt, wie Christine Schmidt bedauert, die das Archiv seit September 2001 hauptamtlich betreut.

Anlässlich des Jubiläums „30 Jahre Stadtarchiv im Kulturforum“ findet ein Tag der offenen Tür am Sonntag, 8. September, von 13 bis 17 Uhr statt, bei dem die Besucher sich über das Archiv, seine Bestände und die Arbeit der Archivarin aus erster Hand informieren können.

Eine Ausstellung gibt einen kleinen Einblick in das Innenleben des Archivs, in dem sich 854 Urkunden, Urkundenkopien und Urkundenabschriften, die bis ins Jahr 1219 zurückreichen, befinden. Die älteste Originalurkunde ist von 1280. Dazu kommen 90 Bände Ratsprotokolle, 598 Bände Bürgermeisteramtsrechnungen und 162 Bände Steuerbücher. Die gerichtlichen, familiengeschichtlichen und über Feuerschutz, Jagd, Handwerk, Gewerbe und vieles andere mehr informierenden Schriftstücke sind eine ergiebige Quelle auch für an Sozialgeschichte Interessierte. Neben Akten und Urkunden sind in der Ausstellung auch Fotografien zu sehen, die meist aus privaten Sammlungen stammen und einen Blick auf Mergentheim und die Umgebung in früheren Zeiten werfen.

Neben der Ausstellung, die über mehrere Wochen zu sehen sein wird, bietet die Stadtarchivarin am Tag der offenen Tür ihre Hilfe beim Lesen alter Schriften an. Wer möchte, kann sich um 14 Uhr in der mittelalterlichen Art des Schreibens versuchen, als noch der Federkiel auf Pergament schön geschwungene Buchstaben zauberte.

1927 Umzug ins Schloss

Entstanden ist das Archiv aus der Registratur der Stadtverwaltung. Im 15. Jahrhundert wurde das anfallende Schriftgut der Ämter im Rathaus aufbewahrt. Als die Räumlichkeiten nicht mehr ausreichten, zog das Stadtarchiv 1927 ins Schloss. Allerdings entsprachen die dortigen Räume nicht den Anforderungen an eine angemessene Aufbewahrung kulturhistorisch wertvoller Dokumente. Mit dem Umzug ins Kulturforum sei die Aufbewahrungssituation zwar verbessert worden, eine optimale Unterbringung sei aber aufgrund der zum Teil zu hohen Temperaturen nicht gewährleistet, gibt Schmidt zu denken.

Dass das Archiv fast täglich weiter wächst, dafür sorgt auch die lokale Zeitung. Auf der einen Seite ist die komplette Tauber-Zeitung von 1791 bis 2015 archiviert. Darüber hinaus können Besucher auch in den Ausgaben der Fränkischen Nachrichten seit 1949 blättern, in denen das weltweite und lokale Zeitgeschehen präsentiert wird. Auch damit sorgt das Archiv dafür, dass „die Vergangenheit für die Gegenwart und die Gegenwart für die Zukunft dokumentiert“ wird, wie Christine Schmidt die Aufgabe des Archivs definiert. Wer mehr darüber wissen möchte, sollte den Tag der offenen Tür nicht versäumen.

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