Bad Mergentheim

Straßenverkehr Rehe befinden sich in der Brunft / Autofahrer müssen besonders vorsichtig sein / Streckenrand im Auge behalten

Bremsbereit, da Paarungszeit

Archivartikel

Anders als andere Wildtiere hat das Reh seine Brunftzeit im Hochsommer. Das bringt Gefahren mit sich – für Mensch und Tier.

Bad Mergentheim/Main-Tauber-Kreis. In den nächsten Wochen bis etwa Mitte August geht es wild zu in Feld und Wald. Das Reh befindet sich in der Paarungszeit, die Brunft, und die läuft alles andere als still und heimlich ab.

Anders als die meisten anderen Wildtiere hat das Rehwild seine Brunft im Hochsommer. Das heißt: In den nächsten Wochen sind die Rehe besonders aktiv unterwegs und oft auch tagsüber zu sehen und zu beobachten.

In der Paarungszeit treibt der Bock die brunftige Geiß durch Wald und Feld, und liefert sich mit Rivalen Kämpfe und spektakuläre Verfolgungsjagden. Das weibliche Reh sondert Duftstoffe ab und signalisiert so ihre Paarungsbereitschaft. Ist es noch nicht ganz so weit und der Bock bedrängt sie stark, reagiert sie mit einem schrillen Fiebton.

Da Liebe bekanntlich blind macht – oder besser gesagt, weil die Tiere völlig hormongesteuert sind – jagen brunftige Rehe oft auch unvermittelt über die Straße. Da kann es schnell zu Wildunfällen kommen. Kreisjägermeister Hariolf Scherer appelliert daher an alle Verkehrsteilnehmer: „Fahren Sie auch in Ihrem eigenen Interesse besonders vorsichtig. Speziell bei Fahrten durch Waldstücke, entlang von Hecken oder zwischen hohen Ackerkulturen wie Mais- oder Getreidefeldern kann unvermittelt Rehwild auf der Straße auftauchen. Behalten Sie daher auch immer den Fahrbahnrand im Auge und seien Sie stets bremsbereit.“

Sofort abblenden und bremsen

Ein Reh kommt zur Paarungszeit selten allein. Meist folgt der Geiß ein Bock. Taucht auf der Fahrbahn ein Reh auf, sollte gegebenenfalls sofort abgeblendet und kontrolliert gebremst werden. Ist ein Zusammenstoß nicht mehr zu verhindern, muss das Lenkrad unbedingt gerade gehalten werden – keinesfalls sollten unkontrollierte Ausweichmanöver versucht werden. „Die goldene Regel zum korrekten Verhalten lautet jedoch: Ruhe bewahren“, betont Hariolf Scherer: „Schalten Sie Ihre Warnblinkanlage ein, legen Sie Ihre Warnweste an und sichern Sie die Unfallstelle mit einem Warndreieck. Personenschutz geht vor!“

Wurde das Wild durch den Zusammenstoß getötet, sollte man es nach Möglichkeit mit Schutzhandschuhen an den Straßenrand ziehen, um Folgeunfälle zu vermeiden. Das getötete Wild darf keinesfalls mitgenommen werden, denn das ist Wilderei. Verletzte Tiere sollten nicht angefasst werden.

Auch wenn das Wild nach der Kollision scheinbar unversehrt weiter läuft, ist es meist schwer verletzt und geht jämmerlich zugrunde. Deshalb muss ein Wildunfall unverzüglich der Polizei gemeldet werden. Die Polizei informiert den zuständigen Jagdpächter, der sich mit seinem Jagdhund auf die Suche nach dem verletzten Tier macht. Nur so kann das leidende Tier schnell von seinen Schmerzen erlöst werden.

Eine biologische Besonderheit ist die so genannte Keimruhe. Wird in der Brunft eine Eizelle befruchtet, nistet sie sich über einige Monate in der Gebärmutterschleimhaut ein, ohne sich weiter zu entwickeln. Erst mit zunehmender Tageslichtlänge im Spätwinter setzt die Zellteilung ein und der entstehende Embryo wächst.

Durch eine solche „verlängerte“ Tragzeit beim Reh wird sichergestellt, dass die Jungtiere in der für sie optimalen Jahreszeit im Frühjahr geboren werden. kjv

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