Bad Mergentheim

Siegelkunde Auf Spurensuche in Livland / Gleiches Motiv im 14. Jahrhundert

Bezug zu Tallinn besiegelt

Bad Mergentheim/Tallinn.Livland wurde in Bezug auf die Geschichte des Deutschen Ordens bisher nur am Rande betrachtet. Das 1201 gegründete deutsche Reval änderte erst bei seiner Unabhängigkeit von Russland im Jahre 1918 seinen Namen in Tallinn. Die Geschichte Estlands ist von Fremdbestimmung geprägt. Von 1238 bis 1346 gehörte Reval zu Dänemark. Danach hatte bis 1561 der livländische (Deutsche) Orden das Sagen.

Auf dem Generalkapitel des Deutsche Ordens im Juni 1237 in Marburg wurde die Übernahme des 1202 gegründeten livländischen Schwertbrüderordens beschlossen. Der erste Landmeister des "Livländischen Ordens der Schwertbrüder" war ab 1233 Hermann I. Balk, der letzte war ab 1535 Walter II. von Plettenberg. Dazwischen regierten zirka 60 Personen unter anderem als Landmeister, Oberster Marschall und Komtur. Aus dieser Zeit des Ordens in Livland sind die meisten historischen Zeugnisse im ehemaligen Staatsarchiv Königsberg aufbewahrt. Dazu gehörte auch ein Teil des Staatsarchivs Reval. Heute ist es im Preußischen Kulturbesitz in Berlin zu finden.

Bei der Suche nach Siegeln für die Bad Mergentheimer Sammlung gab es viele Enttäuschungen wegen des schlechten Erhaltungszustandes, aber auch Überraschungen. Dazu gehört der Fund des Siegels Komturs von Reval/Tallinn, von 1399.

Die Umschriften auf diesem Siegel und einem anderen mit dem gleichen Motiv, nämlich dem des auferstehenden Christus, beweisen einen Bezug zu Bad Mergentheim. "S. Commenda Revali" steht auf dem Siegel an einer Urkunde vom 24. Juni 1399, die dem Komtur von Reval, Dietrich von Wilburg, gehörte. "S. Chomendatoris De Mergentheim" steht auf einem Mergentheimer Siegel von 1349.

Das auf beiden Siegeln zu sehende Bild der Auferstehung Christi ist für das 13. Jahrhundert ungewöhnlich. Es weist auf das 1129 gegründete Chorherrenstift, zum Heiligen Grab in Denkendorf südlich von Stuttgart hin, das im 13. Jahrhundert dem Patriarchen von Jerusalem unterstellt war. Hohenloher Brüder dieser Gemeinschaft wirkten als Kommendengründer in Mergentheim.

Nun stellt sich die Frage, wie der Komtur von Reval zu seinem Siegel mit dem Auferstehungs-Motiv kommt. Kam er aus der Ballei Franken? Kannte er das Siegel des Mergentheimer Komturs?

Die einmalige Siegelreplik könnte eine sinnvolle Ergänzung und Bereicherung für das Estnische Historische Museum in Talinn sein. Sie würde dort eine geschichtliche Verbindung zwischen Reval und der ehemaligen Residenzstadt des Ordens deutlich machen. hgb