Bad Mergentheim

Leserbrief Zu „Ein falscher Krankheitsbegriff“ (FN, 30. November)

Behauptungen unbelegt

Nach wie vor werden Impfskeptiker nicht müde, das Argument einer „Stärkung durch die Krankheit“ in Zusammenhang mit schwerwiegenden Erkrankungen wie Masern zu bringen.

Die Behauptungen sind unbelegt und von Weltanschauung und Glauben geprägt. Die Autorin überträgt eine Beobachtung an Einzelfällen (eigene Kinder) auf eine Grundgesamtheit (alle Kinder). Forschung zum Nutzen von Impfungen und wissenschaftlich fundierte Daten gibt aber es en masse (eine gute Quelle auch für Laien stellt z. B. das unabhängige Robert-Koch-Institut dar: www.rki.de).

Schwere Verläufe der Masern sind uns nicht so bewusst, weil seit Jahrzehnten konsequent geimpft wird. So ist es heute selten, dass die eine auf 3300 Masernfälle bei Kleinkindern auftretende Komplikation einer subakut sklerosierenden Enzephalitis von der Bevölkerung wahrgenommen wird – nahezu alle betroffenen Kinder sterben daran! Hätten wir schlechtere Impfquoten, würden die Fallzahlen anders aussehen: da Masern höchst ansteckend sind, infizieren sich Nichtgeimpfte flächendeckend epidemisch. Bei rechnerisch ca. 11,3 Millionen Kindern bis 14 Jahren (2018) könnten dann rechnerisch über 3000 von diesem schrecklichen Verlauf betroffen sein.

Darüber, wie glaubwürdig der zitierte Dr. ing. (!) Joachim F. Grätz, Programmierer, Heilpraktiker und Anhänger der Germanischen Neuen Medizin, die als pseudomedizinsches Lehrbild auf einen verurteilten Betrüger zurückgeht, ist und ob dessen Argumente es mit den weltweit durch wissenschaftliche Forschung belegten Daten aufnehmen können, seien jedem halbwegs gebildeten Menschen selbst überlassen!

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