Bad Mergentheim

150 Jahre Kur- und Tourismusverein Bad Mergentheim Einst auf Wunsch des Königs als Verschönerungsverein gegründet / Festakt im Kursaal

Auf die richtige Mischung kommt es an

Dank erntete der Bad Mergentheimer Kur- und Tourismusverein von vielen Seiten, als er jetzt im Kursaal sein 150-jähriges Bestehen feierte.

Bad Mergentheim. Mit einem musikalischen Auftakt zum Stehempfang im Foyer machte der Deutschmeister-Spielmannszug schon ein wenig Werbung für die Balkonmusik, eine neue Veranstaltung des Kur- und Tourismusvereins. Von Mai bis Oktober jeweils am dritten Freitag um 20.30 Uhr wird ein Quartett des Ensembles von der Altane des alten Rathauses ausgewählte Stücke spielen.

Die Feierstunde mit zahlreichen Ehrengästen wurde von einem Quartett der Jugendmusikschule mit deren Leiter Hubert Holzner musikalisch umrahmt.

Vorsitzender André Kurtze las aus dem Protokoll des Gründungstages, dem 10. April 1869: „Auf Wunsch seiner Majestät des Königs Karl Friedrich Alexander von Württemberg hat sich neuerdings in Mergentheim ein Verschönerungsverein gebildet.“ Es war der Vorgänger des heutigen Vereins, der in seinen 150 Jahren einige Namenswechsel erfuhr: 1907 Kur- und Verschönerungsverein, 1948 Fremdenverkehrs- und Verschönerungsverein, 1949 Verkehrsverein, 1950 Kur- und Verkehrsverein und 2001 schließlich Kur- und Tourismusverein (KTV). Zwischen 1934 und 1948 ruhte der Verein, wie viele in dieser dunklen Zeit.

„Wir haben Lust auf Zukunft und wollen auch andere begeistern – diese Einstellung prägt den KTV bis zum heutigen Tag“, betonte André Kurtze. 150 Jahre seien Anlass zur Rückschau aber auch zu einem ehrgeizigen Blick in die Zukunft. Der KTV gehöre zu jenen tragenden Säulen, die Vereine durch ihre Aktivitäten in der Stadt bilden.

Dank zollte Kurtze Hartwig Behr sowie Robert Weiland und Stadtarchivarin Christiane Schmitt, die dem Verein bei den Recherchen zu seiner Historie wertvolle Unterstützung leisteten. In Stichworten ging er auf geschaffene Einrichtungen ein, die dem Verein zugeschrieben werden können. Manche von ihnen existieren allerdings schon seit Jahrzehnten nicht mehr.

Er nannte die Pflanzung von acht Kastanien um den Marienbrunnen am Hans-Heinrich-Ehrler-Platz (1869), den Bau einer Aussichtsplattform auf dem Trillberg (1870), die Einweihung der Karlshütte 1890, die Errichtung des Schillersteins 1905 und die Anlegung des Erlenbachwegs 1912. Im Jahr 1926 wurden der Prinzweg angelegt und die Ketterberghütte errichtet, Bäume in der Beethoven- und Marienstraße gepflanzt und Stadtverschönerungen durchgeführt. 1931 wurde die Mörikehütte gebaut. Merian-, Hochrain- und Ketterburgweg sowie die Trillberghalde wurden 1931 angelegt. 1935 wurde eine neue Schutzhütte auf dem Trillberg errichtet, 1958 die Schutzhütte auf dem Galgenberg. „Kleine Taten, die man ausführt, sind besser als große, die man plant“ fasst Kurtze mit einem Zitat des amerikanischen Nachkriegs-Außenministers Marshall zusammen.

Erhalten und neu schaffen

Die Verschönerungsvereine des 19. Jahrhunderts seien Vorläufer der heutigen Tourismusbewegung gewesen. Ungeachtet der 150 Jahre, die seit Gründung des Vereins vergangen sind, hätten sich die Themen nur unwesentlich verändert. „Auch heute legen wir besonderes Augenmerk auf die Förderung des Kurwesens und Tourismus’ dieser Stadt. Mit bescheidenen Mitteln tragen wir jedes Jahr dazu bei, dass touristische Einrichtungen erhalten bleiben und neue geschaffen werden“, sagte Kurtze.

Nach wie vor stifte der KTV Ruhebänke, unterstütze Ausstellungen und den traditionellen Blumenschmuckwettbewerb der Stadt, stelle Informationstafeln auf, führe monatliche Themenweinwanderungen durch und betreue 25 Gästeführer der Stadt. Seit 2018 hat sich der KTV zudem des Osterschmucks am Kiliansbrunnen angenommen. Auch Milchlings- und Marienbrunnen werden zu Ostern festlich geschmückt.

Der Verein sei nie ein Heimatverein gewesen, betonte der Vorsitzende. Stets habe man das Morgen vor Augen, postuliere seine Vorstellungen und packe auch selbst mit an. Dies in dem Bewusstsein, „dass Tradition und Heimat nur mit Leben erfüllt werden können, wenn man gestaltet und über den Tag hinaus blickt.“

Jeder willkommen

Jeder Besucher der Stadt sei herzlich willkommen, stärke er doch nicht zuletzt die Wirtschaftskraft. Gleichwohl sei Bad Mergentheim aber auch Wohnort. Der KTV wache darüber, dass die richtige Mischung zwischen touristischer Nutzung, Lebens- und Wohnqualität sowie Bewahrung der Geschichte gefunden wird.

Teil des Erfolges

Kurtze richtete Dankesworte an alle, mit denen der KTV vertrauensvoll zusammenarbeitet, von den Verantwortlichen im Kur- und Fremdenverkehrsbetrieb bis zur Kommunalpolitik. Ganz besonders aber würdigte er die seit 35 Jahren wirkende Geschäftsführerin des KTV, Maria Günter. „Sie ist die Seele des Vereins, sie lebt für ihn, er ist ihre Leidenschaft.“ Seit 1869 präge der Verein die Stadt mit, so Kurtze abschließend. „Ich bin mir sicher, dass er das auch in Zukunft tun wird, vorausgesetzt er wird weiterhin von der Stadt finanziell unterstützt.“ Mit seiner 150-jährigen Geschichte gehöre der KTV mit Fug und Recht zum Bild der Stadt.

Kurdirektorin Katrin Löbbecke blickte noch ein Stück weiter zurück in der Geschichte. 40 Jahre vor Gründung des KTV-Vorläufers habe die erste Kursaison stattgefunden. Als kleine Archivalie präsentierte sie den originalen Mitgliedsausweis des früheren OB Dr. Mauch, der vom damaligen Kur- und Verkehrsverein am 11. November 1963 ausgestellt wurde. Sie dankte allen Mitgliedern des KTV für Unterstützung und gute Zusammenarbeit. Auch sie erwähnte Geschäftsführerin Maria Günter ganz besonders. Oberbürgermeister Udo Glatthaar schloss sich dem Dank für jahrzehntelange Arbeit an, die alle Mitglieder für die Stadt leisteten. Der Verein sei wichtig und wert weitergeführt zu werden. Tourismus, Kur und Gesundheit seien wichtige Eckpfeiler Bad Mergentheims. Dass die Stadt zu den zehn Top-Destinationen in Baden-Württemberg gehört, sei auch ein Erfolg des KTV. Wenn sich unter anderem durch seine Arbeit die Gäste hier wohlfühlen, sei die Stadt auch attraktiv für ihre Einwohner.

Als weit vorausschauend bezeichnete Jochen Müssig, Geschäftsführer des Tourismusverbands „Liebliches Taubertal“, die Vereinsgründung. Er gratulierte auch im Namen von Landrat Reinhard Frank zum Jubiläum und dankte für die Leistungen, die der KTV für die Gemeinschaft erbringe und für die Gastfreundschaft, die er nach außen dokumentiere.

Müssig hob besonders das ehrenamtliche Tun hervor. Stadt und Kurverwaltung hätten im KTV einen verlässlichen Partner, „die Anerkennung Ihrer Arbeit finden Sie bei zufriedenen Gästen.“ tom