Bad Mergentheim

Aktionstag Sonderführung findet nun zweimal statt / Ausstellung erinnert an Schicksale von Felix und Hermann Fechenbach

Auf den Spuren jüdischen Lebens

Archivartikel

Bad Mergentheim.In rund dreißig Ländern findet am Sonntag, 6. September, der Europäische Tag der Jüdischen Kultur statt. Der Aktionstag erinnert an die Beiträge des Judentums in Vergangenheit und Gegenwart.

Auch die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg begehen diesen Tag: Wegen großer Nachfrage findet die Sonderführung „Spuren jüdischen Lebens in Mergentheim“ (siehe weiteren Artikel) dabei zweimal statt. Mit der Führung tauchen die Besucher in die bedeutende jüdische Vergangenheit Bad Mergentheims ein.

Erste Zeugnisse von 1293

Die eindrückliche Dauerausstellung „Jüdisches Leben in Mergentheim“ im Residenzschloss ergänzt die gesammelten Eindrücke. Sie erzählt von der Geschichte der jüdischen Gemeinde Mergentheims. Bereits seit 1293 lebten jüdische Einwohner in der Stadt und unter dem Deutschen Orden. Die israelitische Gemeinde zählte im Jahr 1700 40 Mitglieder und erreichte 1895 mit 280 Personen ihren höchsten Stand. Die nationalsozialistische Gewaltherrschaft führte auch in Mergentheim zu Flucht und Deportation. Mindestens 61 jüdische Mergentheimer kamen von 1939 bis 1945 ums Leben.

Der Schwerpunkt in der Ausstellung im Residenzschloss liegt auf den Schicksalen der Mergentheimer Felix und Hermann Fechenbach. Felix Fechenbach, 1894 in Mergentheim geboren, war Journalist und Schriftsteller und politisch in der SPD engagiert. Wegen angeblichen Landesverrats wurde er zu elf Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust verurteilt. Aufgrund des öffentlichen Drucks gegen das Urteil kam er aus dem Zuchthaus frei und schloss sich dem Widerstand gegen die Nazis aktiv an. Er wurde 1933 beim Transport in ein KZ ermordet. Hermann Fechenbach, Vetter von Felix Fechenbach, wurde 1897 in Mergentheim geboren. Er erlitt als Soldat im Ersten Weltkrieg eine schwere Verwundung, in deren Folge er ein Bein verlor. Von 1919 bis 1926 studierte Fechenbach an den Kunstakademien in Stuttgart, München, Florenz und Wien.

Meister des Holzschnitts

Besonders im Holzschnitt fand er sein künstlerisches Medium, das ihm internationale Anerkennung einbrachte. 1939 emigrierte er aus Deutschland nach England. Dort erschienen 1969 seine 137 Holzschnittillustrationen zur Genesis zusammen mit einer modernen englischen Übersetzung der Jerusalem-Bibel. Das Deutschordensmuseum im Residenzschloss bewahrt den Nachlass von Hermann Fechenbach.

Wegen großer Nachfrage wird die Sonderführung „Spuren jüdischen Lebens in Mergentheim“ am Sonntag, den 6. September, erneut angeboten. Neben dem bereits angekündigten Termin um 14.00 Uhr wird Klaus Huth, Vorsitzender des Vereins Stolpersteine Bad Mergentheim, auch um 15.30 Uhr in rund eineinhalb Stunden durch die Altstadt führen. Mit der Sonderführung tauchen Teilnehmer in authentische und bedeutende Orte der jüdische Vergangenheit Bad Mergentheims ein. Mit dem Ticket der Führung können Interessierte zudem die eindrückliche Dauerausstellung „Jüdisches Leben in Mergentheim“ besuchen: Geöffnet ist das Schloss am Sonntag bis 17 Uhr. ssg

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