Bad Mergentheim

Bürgerforum "Stadtbild" Serie "Mergentheim und das Wasser" (Folge 24) / Kaum einer trinkt noch vom Pilgerbrünnle des Ordensritters

Auch zwei Klosterbrunnen erzählen die Geschichte der Stadt

Das Bürgerforum "Stadtbild" präsentiert heute die Folge 24 seiner Serie "Mergentheim und das Wasser".

Bad Mergentheim. Schwalbennestern gleich schmiegen sich Chörlein, Erker und Anbauten der Kapuzinerkirche an. Wenn der volle Mond das verschneite, früher ummauerte Kirchlein kreidehell bemalte, erschien die Idylle vollkommen. 2015 zogen die letzten Mönche aus dem Kloster aus.

Tosender Verkehr

Wer die paar Stufen zur Kapuzinerkirche hinabgeht, fand sich bis in die Jahre des tosenden Verkehrs in mauerumfriedeter Stille wieder.

Steinplatten decken den schmalen Vorhof. Unter einer Esche plätschert ein Wandbrunnen mit geschweiftem Muscheldekor im gewölbten Bogen. Wohl in den späten Sechzigern hat man der sandsteinroten Brunnennische eine graue Bildnistafel aufgezwungen, die gar nicht zu dem Wasser-Stilleben passt und den neuen Namen Konrad-Brunnen kreiert hat.

Gemeint war vermutlich der im Jahr 1712 verstorbene Kapuziner-Provinzial Konrad Meyerle, angeblich "ein Mirakel" theologischer Gelehrsamkeit.

Pilgerbrünnle

Bei den alten Mergentheimer hat sich die Bezeichnung Pilgerbrünnle gehalten.

Der Ordensritter von Knörring hat die vom Stadtbrunnen mit Trinkwasser gespeiste Stätte für die Wallfahrer gestiftet, die zum Gnadenbild der Maria Hilf-Kapelle pilgerten, die der Hochmeister Caspar von Stadion dem 1629 von ihm außerhalb der Stadtmauern erbauten Kloster angehängt hatte.

Von ihm stammt auch das dort verehrte Gnadenbild, eine Kopie der von Lukas Cranach dem Älteren gemalten Muttergottes.

Strenge Regel

Die strenge Regel des Kapuzinerordens verbot es, die von den Gönnern und Wallfahrern gestifteten kostbaren Paramente und Ornate beim Gottesdienst zu gebrauchen. Deshalb wurde die Gnadenkapelle durch eine halbhohe Mauer und ein Gitter von der Klosterkirche abgetrennt und erhielt einen separaten Eingang durch die Sakristei; und keine Patres, sondern Geistliche des Priesterseminars im Schloss hielten hier Gottesdienst.

2288 Messen

Welche Massen von Wallfahrern aus dem Ordensländle und darüber hinaus da zusammenströmten, wird anschaulich, wenn wir erfahren, dass anno 1705 in der Gnadenkapelle 2288 Messen gelesen wurden.

Hans Heinrich Ehrler, der sich allemal die Hände wusch, ehe er sich zum Schreiben niedersetzte, erzählt in seinem Buch "Die Reise in die Heimat" von einem Trunk an dem Wandbrunnen: "Da ist es einmal gewesen, daß ich plötzlich spürte, das getrunkene Wasser sei in mir zu etwas Hellem geworden, breite sich in Leib und Gliedern aus und erfülle mich mit einem kühlen wohltätigen Glanz. Die seltsam schöne Empfindung ist mit seitdem bei jedem Trunk geblieben... Es wird immer etwas wie eine Zeremonie daraus."

Keine Wallfahrer mehr

Hier gibt es keine Wallfahrer mehr und kaum noch Reisende in die Heimat seines Schlags. Kaum einer trinkt noch von dem Pilgerbrünnle des Ordensritters. Vielleicht in der Frühe die Amsel, die im Eschenbaum schwatzt.

Seit 1985 sprudelt der monumentale Brunnen auf der Schütt, dem heutigen Deutschordenplatz, als die Burgstraße zur Fußgängerzone bestimmt wurde. Die große untere bleichrote Sandsteinschale stammt vom Brunnen der Dominikaner im Hofgeviert des Klosters.

Es war der Deutsche Orden

Nicht der württembergische Souverän hat das Kloster aufgehoben, sondern 1805 der Deutsche Orden mit der josephinisch kühlen Begründung, dass sich die Dominikaner "hinsichtlich der wissenschaftlichen Kultur, der religiösen Aufklärung und der feinen Sitten" allenfalls mit den Karmelitern um den letzten Platz streiten könnten. C. Gräter