Bad Mergentheim

Straßennamen (Teil 22) Dr. Josef Schindler war mehr als nur Arzt / Große Hilfsbereitschaft / Rang und Namen spielten für ihn keine Rolle

Auch in der Not war auf ihn Verlass

Archivartikel

Markelsheim.Es war eine schier unübersehbare Trauergemeinde, die sich am Sarg des am 24. Februar 1964 im Alter von 73 Jahren verstorbenen Ehrenbürgers von Markelsheim versammelt hatte, dicht gedrängt, Kopf an Kopf, und tief bewegt über den Tod von Dr. Josef Schindler. Dessen sterbliche Hülle war vor dem Rathaus seiner Heimatgemeinde in einem mit Blumen bedeckten Eichensarg aufgebahrt worden. Während Männer der Freiwilligen Feuerwehr Ehrenwache am Sarg hielten, sperrte die Polizei die Straße und wies zahlreiche Autos in die Parkplätze ein.

Raue Schale, weiches Herz

Dann wurde der Sarg von den Markelsheimer Gemeinderäten zum Friedhof geleitet, begleitet von den Angehörigen des Toten zusammen mit Bürgermeister Erich Riehle, der Schuljugend, vielen Vereinsvertretern, zahlreichen Kollegen, ehemaligen Patienten, Freunden und Bekannten des Verstorbenen.

Der Bürgermeister dankte Dr. Schindler für die Hilfe, die er als Arzt und als Mensch vielen Familien zuteil hat kommen lassen. Wenn er auch manchmal eine raue Schale gezeigt habe, so habe er doch ein weiches und warmes Herz besessen. Seine Heimatliebe sei in den letzten Jahren besonders groß gewesen, und so komme er nun wieder in die Heimat zurück, in die er hineingeboren wurde.

Schindler sei für seine Patienten mehr gewesen als nur Arzt, denn er habe sich auch als väterlicher Berater um deren Sorgen und Probleme gekümmert, betonte der Vorsitzende des Kreisärztevereins, Hanns Weiß.

Nach weiteren Ansprachen und Kranzniederlegungen wurden die Fahnen des TSV, des Gesangvereins und der Kyffhäuserkameradschaft über dem Grab geschwungen und in das Grab gesenkt.

Ehrenbürger Markelsheims

Als Dr. Schindler 1960 kurz vor seinem 70. Geburtstag die Ehrenbürgerurkunde der Gemeinde Markelsheim verliehen wurde, zählte Bürgermeister Riehle viele Beispiele auf, die deutlich machten, dass der Arzt vor allem auch in den Jahren der Not und der Armut der heimischen Bevölkerung mit Rat und Tat zur Seite gestanden habe, ohne auf Rang und Namen der Ratsuchenden geachtet zu haben. Schindler habe „sich ein Menschenalter lang in der Gemeinde verdient gemacht. Seine menschliche Art, sein Können als Arzt, verbunden mit echter Liebe zur Heimatgemeinde und seine stetige Hilfsbereitschaft, besonders in vielen Notlagen, dürfen als besondere Verdienste anerkannt werden“, hieß es in der offiziellen Begründung der Gemeinde.

Dr. Schindler wurde am 7. Mai 1890 in Markelsheim geboren und arbeitete nach seinem Medizin-Studium an der Universitätsklinik in Würzburg in verschiedenen Bereichen, unter anderem in der Inneren Abteilung, der Frauen- und Ohrenklinik sowie in der Chirurgie und ließ sich dann in Bad Mergentheim nieder, wo er Chefarzt des Kreiskrankenhauses wurde.

1932 übernahm er die ärztliche Leitung des Kurhotels Victoria, die er neben seiner umfangreichen Landarztpraxis im Badweg inne hatte. Im Zweiten Weltkrieg leitete er als Oberstabsarzt bis Kriegsende mehrere Lazarette.

Neben seiner umfangreichen Tätigkeit als Mediziner war die Jagd ein willkommener Ausgleich zu seinem beruflichen Alltag. Als Gründungsmitglied der Kreisjägervereinigung wurde er auch weit über die Kreisgrenze hinaus als Jäger und Heger bekannt, der als Sohn einer Weinbaugemeinde auch den edlen Tropfen nicht abgeneigt war, ganz nach dem Motto: „Die beste Kur von Mergentheim, das ist der Wein von Markelsheim.“

In der Todesanzeige, die von der Gemeinde veröffentlicht worden war, wurde Dr. Schindler als Wohltäter und Förderer seiner Heimatgemeinde bezeichnet, „die ihm dies auch über den Tod hinaus nicht vergessen wird“. Heute erinnert noch eine Straße im Wohngebiet „Klausenäcker“, die am 5. Dezember 1974 vom Ortschaftsrat nach ihm benannt wurde, und eine Gedenktafel an der Aussegnungshalle des Friedhofs an ihn.

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