Bad Mergentheim

Popup Labor Wirtschaftsjunioren der Regionalgruppe Main-Tauber präsentierten „Basic Digital Day“ / Datenschutz und Social Media im Blickpunkt

„Auch dafür verantwortlich, was wir nicht tun“

Archivartikel

Bad Mergentheim.Datenschutz und Social Media sind brandaktuelle Themen, mit denen fast jeder täglich zu tun hat, bei denen es aber oft zu Missverständnissen kommt. Licht ins Dunkel brachten im Rahmen des Popup Labors zwei Expertinnen.

Nach der Begrüßung durch Norbert Fröschle, der beim Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation die Projektleitung Popup Labor Baden-Württemberg inne hat, präsentierten die Wirtschaftsjunioren Heilbronn-Franken, Regionalgruppe Main-Tauber, mit dem Basic Digital Day zwei Themen, bei denen es eine Menge Klärungsbedarf gab.

Datenschutz to-go

Maka Abshilava, Geschäftsführerin der Syntargo GmbH aus Bad Mergentheim, beschäftigt sich schon ihr ganzes Berufsleben mit dem Thema Datenschutz. Zu Beginn ihres Vortrags stand die Frage, warum diese ominöse Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) denn eigentlich geschaffen wurde, wem sie denn nütze. „Der Gedanke dahinter war der Schutz von natürlichen Personen, der Schutz unserer Persönlichkeitsrechte und das in ganz Europa“, erklärte sie und fügte an: „Wie das Ganze dann umgesetzt wurde, war teilweise aber eine echte Katastrophe.“

Als das Gesetz eingeführt wurde, habe man versäumt, eine gute Informationspolitik zu betreiben. Halbwahrheiten wechselten sich mit Gerüchten ab, und schon sei das „Datenschutzmonster“ geboren gewesen. Ganz so schlimm wie befürchtet kam es dann doch nicht, aber gerade für Firmen gibt es viel zu beachten, denn: „Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun“, betonte Maka Abshilava.

Vor allem bei den Internetauftritten sollte sehr genau überlegt werden, was man macht. Nicht zuletzt entstand die DSGVO auch, weil Google, Facebook usw. munter unkontrolliert Daten abschöpften. Es gelte also zu prüfen, welche Daten man beispielsweise auf seiner Website abfragt, was damit geschieht und ob man eine Einwilligungserklärung braucht. Wie groß die Unsicherheit noch ist, bewies die Bayerische Datenschutzbehörde. Die überprüfte 2019 die Websites von 40 großen Firmen. Erschreckendes Ergebnis: keine einzige entsprach zu 100 Prozent der DSGVO.

Dienste wie Whatsapp bergen Gefahren, die vielen nicht bewusst sind. „Lade ich den Dienst auf mein Smartphone, muss ich zustimmen, dass auf meine Telefondaten zugegriffen werden kann“, so die Referentin. Dabei werden alle Kontaktdaten abgegriffen und an Facebook weitergeleitet und eventuell weiter verkauft. Abhilfe schaffen kann das Ausweichen auf Dienste wie Threema, Signal oder Telegram, die nach heutigem Stand noch als sicher gelten.

Auch bei den Cloud-Diensten muss genau geprüft werden, welche DSGVO-konform sind. Auch hier gibt es beliebte Dienste wie Dropbox oder One Drive, die besser in Firmen nicht zur Anwendung kommen sollten. Nextcloud oder Dracoon sind laut Referentin die sicheren Varianten.

Jeder Verantwortliche muss DV-Anlagen und Software einsetzen, die nach Stand der Technik geprüft ist. Was bedeutet das genau, was bedeutet der Ausdruck: „Stand der Technik“. Kurz gesagt heißt das, dass alles, was von dem Hersteller nicht mehr supportet und upgedatet wird, nicht mehr dem Stand der Technik entspricht und somit nicht DSGVO-konform ist. Ein aktuelles Beispiel ist hier Windows 7.

Sandra Kegelmann, Geschäftsführerin der Firma aussicht:n GmbH aus Wertheim widmete sich dem Thema Social Media. Nachdem sie kurz die Arbeit der Wirtschaftsjunioren vorgestellt hatte, machte sie klar, was zu effizientem Social Media für Unternehmen gehört.

Sandra Kegelmann: „Die ersten Fragen sollten stets sein: Wen will ich erreichen und welche Medien benutze ich dafür?“ Um hier Hilfestellung zu geben, verglich sie Facebook, Instagram, LinkedIn und Xing und ging auf die spezifischen Gegebenheiten ein. Facebook ist immer noch das größte Netzwerk in Deutschland mit 32 Millionen aktiven Mitgliedern und täglich 23 Millionen aktive Nutzern. Bei Instagram mit 17 Millionen Nutzern in Deutschland und täglich neun Millionen aktiven Nutzern hat man es mit einer deutlich jüngeren Zielgruppe zu tun.

Bei Xing (17 Millionen Nutzer) und LinkedIn (14 Millionen Nutzer) handelt es sich um Netzwerke , bei denen die Mitglieder vorrangig ihre beruflichen Kontakte verwalten. Xing bietet vor allem eine Plattform für Geschäftsnetzwerke im deutschsprachigen Raum, im Gegensatz zum global ausgerichteten Netzwerk LinkedIn.

Spezielle Zielgruppen ansprechen

So unterschiedlich diese Netzwerke alle sind, so unterschiedlich müssen diese auch gepflegt werden. Will man eine spezielle Zielgruppe ansprechen, muss man sich genau den Kanal überlegen, den man nutzen will. So gilt zwar die Faustregel, dass Inhalte mit Bild wesentlich häufiger angeschaut werden als ohne Bild und wenn ein Video gepostet wird (das aber nicht zu lang sein darf), bekommt man noch mehr Aufmerksamkeit, aber man muss sich beispielsweise bei Instagram vor Augen halten, dass 70 Prozent der Feeds verpasst werden.

Es gelte, viele Details zu beachten. Sie hatte aber gleich einen Lösungsvorschlag parat. Mit den Planungstools Hootsuite oder buffer kann man genau steuern, wann und über welchen Kanal die Postings veröffentlich werden und maximiere damit den Erfolg. Es gebe kein Wachstum ohne Werbebudget. Wer glaubt, dass man ohne Geld ein effizientes Social Media aufziehen kann, der irrt laut Referentin gewaltig. Man müsse schon genau wissen, an welchen Strippen man ziehen müsse, damit sich der Erfolg einstelle.

Services und Entertainment müssen vor werblichen Inhalten stehen. 80 Prozent der Beiträge sollten einen Mehrwert bieten und/oder unterhaltsam sein, nur 20 Prozent Werbung. Bei den Inhalten sollte man auf Abwechslung achten. Grundsätzlich unterscheidet man die Inhalte in emotional (Fotos bei Erfolgen, gemeinsame Wettkämpfe der Mitarbeiter, neue Mitarbeiter) oder funktional (Tipps, Tricks).

Wichtig ist ein Mix aus verschiedenen Dimensionen (emotional, funktional, vordergründig, hintergründig). Während emotionale Inhalte eine höhere Reaktionsquote erhalten, stützen funktionale Inhalte die Kompetenzwahrnehmung. Social Media funktioniere nur konsequent und kontinuierlich, so die Referentin! Wen man sich für einen Kanal entscheidet, dann konsequent. Lieber am Anfang weniger Kanäle aber dafür regelmäßig posten. Für kleine Firmen reichte es beispielsweise, wenn man auf Facebook ein bis fünfmal im Monat postet. Mehrmals die Woche würde sich bei einer kleinen Followeranzahl laut Studien sogar negativ auswirken.

Einmal pro Monat sollte man seine Beiträge und Werbungsmaßnahmen überprüfen, testen, was am besten funktioniert hat und dann eine Anpassung vornehmen.

Natürlich ist es schön eine hohe Followerzahl zu haben. Aber die Beiträge erreichen meist nicht alle Follower. Die wichtigste Bedeutung, die Follower haben, ist die Reputationsausstrahlung, nach dem Motto: „Diese Firma hat viele Follower, also hat sie Ahnung von dem was sie tut.“ Darüber hinaus gibt es aber andere wichtige Zielgrößen, auf die man seine Aktivitäten ausrichten sollte. rm

Zum Thema