Bad Mergentheim

Helden der Corona-Krise Oberarzt Lukas Balzer (38) hat als Infektiologe Erfahrung mit hochansteckenden Krankheiten

„Arbeitsbelastung ist anhaltend hoch“

Archivartikel

In Zeiten von Corona ist Lukas Balzers Expertise Gold wert. Der 38-Jährige kämpfte zusammen mit „Ärzte ohne Grenzen“ in Liberia bereits gegen eine andere hochinfektiöse Krankheit: Ebola.

Bad Mergentheim. „Das R in Corona steht für Routine.“ Das ist kein Zitat von Lukas Balzer. Könnte es aber sein. Zumindest, wenn man den Infektiologen reden hört. Bei dem 38-jährigen Oberarzt der Notaufnahme des Caritas-Krankenhauses ist keine Verunsicherung oder gar Angst erkennbar – dafür jede Menge Expertise.

„Wenn wir bei der Arbeit alle Hygienevorschriften einhalten, ist eine Ansteckung sehr unwahrscheinlich. Ein ,Ebola-Vollschutz’ ist nicht nötig“, sagt der Oberarzt. Und zwar aus Erfahrung: Den Kampf gegen eine andere hochinfektiöse Krankheit hat er schon vor Jahren aufgenommen. Damals hieß der Gegner „Ebola“. In Liberia engagierte sich Balzer bei „Ärzte ohne Grenzen“ mehrere Monate in einem Ebola-Krankenhaus. „Schon als junger Erwachsener fand ich das Thema Infektiologie spannend und habe auch Filme und Reportagen dazu gesehen. Ich hatte mir immer vorgestellt, eines Tages selbst nach Afrika zu gehen und dort zu arbeiten.“ Nach seiner Rückkehr aus Afrika arbeitete er drei Jahre in der Infektiologie im Krankenhaus München Schwabing – außerdem in der Abteilung für Tropenmedizin der Uniklinik München. So weiß der Experte auch, dass Epidemien kommen und gehen. Schweinegrippe, Sars und Mers: Was den epidemiologischen Verlauf dieser Krankheiten von Sars-Cov-2 unterscheide, sei, dass sie zu ihrer jeweiligen Zeit schon weitgehend lokal im Ursprungsland eingedämmt werden konnten.

Krankheit kennt keine Grenzen

Nun handelt es sich bei Covid-19 um keine Epi- sondern Pandemie, also eine Krankheit, die keine kontinentalen oder Ländergrenzen kennt. Mit ihren Auswirkungen haben Notaufnahmen auf der ganzen Welt zu kämpfen – auch die im Caritas. Die Arbeitsbelastung sei „anhaltend hoch“. Es habe eine Verschiebung der Krankheitsbilder gegeben: „Zurzeit behandeln wir weniger Patienten mit nicht so dringlichen Allgemeinerkrankungen. Wir haben dagegen eine hohe Belastung durch ‚echte’ Notfälle und Corona-Verdachtsfälle, die wir unter hohen hygienischen Schutzvorkehrungen versorgen müssen.“ Im Zentrum für Notaufnahme (ZNA) angekommen, werde jeder Patient nach dem sogenannten Manchester-Triage-System (standardisiertes Verfahren zur Ersteinschätzung in der Notaufnahme) eingeschätzt. Entscheidend sei dabei die medizinische Behandlungsdringlichkeit. Speziell geschulte Pflegefachkräfte befragen die Patienten zu ihren Beschwerden und Symptomen.

Es folgt eine Einschätzung. Je nach Dringlichkeit werden die Patienten von einem Arzt im Behandlungsraum gesehen oder zunächst in den Wartebereich weitergeleitet. Aktuell würden zusätzlich immer verschiedene Symptome wie Fieber, Husten, Erkältungszeichen abgefragt und bei einer stationären Aufnahme ein Test auf das Sars-CoV-2-Virus durchgeführt. Dieser erfolgt in Form eines tiefen Rachen- und Nasen-Rachen-Abstrichs mit anschließender PCR-Testung im Labor (siehe Infobox).

Trotz guter Kapazitäten müsse man mit den Betten haushalten: „Wir halten nach wie vor Isolierstationen für Covid-19-Patienten frei und trennen bei der Belegung strikt zwischen ihnen und nicht infizierten Patienten. Das ist wichtig, um eine Weiterverbreitung des Corona-Virus im Haus zu verhindern.“

Mehr als 20 Covid-19-Patienten werden aktuell stationär behandelt, neun davon beatmet auf der Intensivstation. Außerdem gibt es weitere Verdachtsfälle. Unterstützung erfuhren die Mitarbeiter des ZNA zeitweise durch einige Ärztinnen aus der Diabetes-Klinik, die das Team in der Inneren Medizin entlasten haben. Patienten, denen es besser geht, die aber noch nicht nach Hause entlassen werden können, könnten bei Bedarf an das Krankenhaus Tauberbischofsheim zur Weiterbehandlung verlegt werden. „So können wir im Caritas-Krankenhaus immer ausreichend freie Kapazitäten vorhalten“, so Lukas Balzer.

„Klar und stringent“

Moralische Unterstützung erfahre er im Kollegium, vor allem innerhalb des Rettungsdienstes. Zur Arbeit gehe er trotz Corona sehr gerne. Obwohl er in seinem Alltag zu Beginn der Pandemie immer wieder mal mit Ressentiments zu tun hatte – schließlich behandelt er Infizierte: „Bei einigen spürte man die Angst beziehungsweise Zurückhaltung deutlich“, sagt der 38-jährige Oberarzt.

Heute beziehungsweise zurzeit sei das viel besser, die Bevölkerung deutlich aufgeklärter. „Wichtig ist es, sich bei offiziellen Stellen und Seiten im Internet zu informieren. Die Bundesregierung kommuniziert aus meiner Sicht klar und stringent“, so Balzer.

„Wenn es sich ergibt, versuche ich mein Umfeld durch mein Fachwissen aufzuklären und Zusammenhänge zu erläutern. Sonst halte ich mich wie alle anderen Bürger auch an die Vorgaben der Bundesregierung.“

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