Bad Mergentheim

Leserbrief Zu „Einzelhandel funktioniert noch gut“ / Sanierung Holzapfelgasse

Anwohner schauen weiter in die Röhre

Archivartikel

Im Interview „Einzelhandel funktioniert noch gut“ (FN vom 23. August) bedauert der Vorsitzende der Bad Mergentheimer Citygemeinschaft, dass Bad Mergentheimer „Nebengassen“ wie die sich gerade in der Sanierung befindliche Holzapfelgasse schöner seien als die Fußgängerzone.

Ich glaube nicht, dass Vorsitzender Hans-Joachim Kuhn oder einer der Innenstadt-Händler sich eine Sanierung wie die der Holzapfelgasse wünscht. Seit mehr als einem Jahr ertragen die Anwohner mit viel Geduld diese Baumaßnahme mit monatelangen Erschwernissen beim Zugang zu den eigenen Häusern, viel Dreck, Slalomläufen zwischen Warnbaken, einem für Laien mitunter zähen Fortgang beim Bau und einer bescheidenen Kommunikationspolitik seitens der Versorgungsträger oder der Stadt. Es macht auch keinen Spaß seine Mülltonne oder seinen Bioabfallbehälter abends ungeleert vorzufinden, weil die Müllabfuhr ohne Vorwarnung nur noch bis zum Unteren Graben oder dem Gänsmarkt fährt. Dass sich am Gänsmarkt Einzelhändler an den von der gesammelten Anwohnerschaft zur Abfuhr bereitgestellten Tonnen gestört haben, ist verständlich, hat aber nichts mit mangelnder Müllmoral zu tun, wie die Stadt vor einiger Zeit in einem Artikel in den Fränkischen Nachrichten Glauben machte.

Die Mitglieder der Citygemeinschaft hingegen können sich freuen, dass in der Holzapfelgasse weiterhin ein Teil ihrer Kunden parken kann. Die formschönen mit Designerrost verzierten Blumen- und Baumpflanzkübel reduzieren zwar die Anzahl der Parkplätze, aber die Anwohner schauen weiterhin in die Röhre, da die Stadt Bad Mergentheim die Einrichtung von Anwohnerparkzonen in der Altstadt vehement verweigert.

Dies geschieht mutmaßlich zur Förderung des Einzelhandels auf Kosten der Nebengassen-Bewohner, die sich irgendwo einen Stellplatz mieten müssen, während in der Mörikestraße und anderen Straßen des Dichterviertels die Anwohner eben dieses Privileg genießen können. Dass die Stadt Bad Mergentheim damit Paragraf 45 der Straßenverkehrsordnung (u.a. Bewohnerparken) ad absurdum führt, muss die Citygemeinschaft nicht jucken. Viele Grüße aus der „Nebengasse“.

Zum Thema