Bad Mergentheim

Stadtarchiv 30 Jahre im Kulturforum Tag der offenen Tür lockt viele Besucher die Stufen hinauf zum historischen Gedächtnis der Stadt / Mit Gänsefeder schreiben

Am Anfang stand meistens nur ein Klecks

Bad Mergentheim.30 Jahre lang ist das Stadtarchiv schon im Kulturforum „Untermieter“. Aus diesem Anlass gab es einen Tag der offenen Tür mit besonderen Einblicken.

Es beginnt meistens mit einem kleinen, schwarzen Klecks. Dann heißt es, nochmals die Spitze des Gänsefederkiels vorsichtig in das schmale Tintenfass tunken und mit Geduld und Spucke und viel Fingerspitzengefühl Buchstaben zu formen. Und siehe da, es geht. Auf dem Pergament entsteht ein Wort nach dem anderen, und es ist, als würde man einem Schreiber im 17. Jahrhundert bei der Arbeit zusehen.

Szenen wie diese spielten sich mehrmals beim Tag der offenen Tür ab, zu dem das Stadtarchiv am Sonntag anlässlich seines Jubiläums „30 Jahre im Kulturforum“ eingeladen hatte. Nicht nur Schreiben mit dem Federkiel auf Pergament war an diesem Tag angesagt. Vor allem stand natürlich das Stadtarchiv selbst im Mittelpunkt des Interesses. Stadtarchivarin Christine Schmidt gab in vielen Gesprächen Auskunft über ihre Arbeit und die umfangreichen Akten- und Urkunden-Bestände im zweiten Obergeschoss des ehemaligen Progymnasiums am Hans-Heinrich-Ehrler-Platz.

Eine Ausstellung mit historischen Fotografien und Postkarten neben Jahrhunderte alten Schriftstücken wurde vom zahlreichen Publikum mit Interesse betrachtet. Eine Besucherin hatte sich vor allem in Nachforschungen über ihre eigene Familiengeschichte vertieft. Gut angenommen wurde auch der Bücherflohmarkt, dessen Erlös dem Verein Geschichtswerkstatt zugutekommt.

Ausnahmsweise konnten Besucher jenen Bereich des Archivs betreten, der sonst für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist. Dabei handelt es sich um ein riesiges Metallgehäuse. 16 Meter lang, fünf Meter breit und zwei Meter hoch. Über verschiebbare Türen gelangt man in das Innere dieser einbruchsicheren, vor Feuer und Wasser schützenden Kompaktanlage, die immer kurz vor Dienstschluss von der Stadtarchivarin verschlossen wird.

Auf den Metallregalen sind Teile vom historischen Gedächtnis der Stadt aufgereiht: Dicke Bände mit uralten Stadtratsprotokollen, behördliche Bescheide, Urkunden, Dokumente, Pläne, Karten, Zeichnungen, Fotografien, historische Postkarten, Nachlässe und Briefe.

Alle Urkunden des Stadtarchivs konnten, so Christine Schmidt, dank der großzügigen Unterstützung des Gemeinderats und zusätzlicher Fördermittel des Bundes digitalisiert werden. Ein Teil der am meisten geschädigten Urkunden wurde restauriert, wobei dafür jeweils 400 bis 1500 Euro aufgewendet werden müssen.

Die Ausstellung ist noch einige Wochen lang zu sehen und kann während der üblichen Öffnungszeiten besucht werden (Dienstag, 10 bis 12.30 Uhr; Mittwoch, 11 bis 12.30 Uhr und 13.30 bis 17 Uhr).

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