Bad Mergentheim

Neujahrsschießen Historische Deutschorden-Compagnie zu Mergentheim und Historisches Schützen-Corps begrüßten 2020

Altes abstreifen, Neues wagen

Archivartikel

Pulverdampf und Donnerhall waren hör- und sichtbare Zeichen für das traditionelle Neujahresschießen der beiden historischen Vereinigungen.

Bad Mergentheim. Schon zur Mittagszeit war es unüberhörbar: Die Historische Deutschorden-Compagnie begrüßte vom Ketterberg aus mit zwölf Kanonenschüssen lautstark das neue Jahr. Am späten Nachmittag dann folgte auf dem Marktplatz vor stattlicher Zuschauerkulisse das Neujahrsschießen der „Weiß-Blauen“ und des Historischen Schützen-Corps.

Die historischen Bürgervereinigungen marschierten aus verschiedenen Richtungen unter dem Trommel-, Fanfaren- und Hörnerklang ihrer Musikzüge zum Marktplatz und salutierten dort vor Oberbürgermeister Udo Glatthaar und den beiden Stadthauptmännern Andreas Schweizer und Andreas Lehr.

Das Stadtoberhaupt blickte kurz auf 2019 zurück und verwies auf das 800-Jahr-Jubiläum des Deutschen Ordens. „Wir haben uns intensiv mit unserer Geschichte auseinander gesetzt“, sagte der OB. In 2019 sei es der Stadt und ihren Bürgern gut ergangen. Den guten Besuch des Neujahrsschießens wertete Glatthaar als Wertschätzung für die Arbeit der historischen Wehren. „Das ist eine wunderbare Tradition“, so Udo Glatthaar.

„Offen und friedvoll“

Bad Mergentheim sei eine offene und friedvolle Stadt, in der man gut leben könne. Nicht umsonst wachse das Heilbad weiter und befinde sich auf einem guten Weg. „Wir haben viel vor uns,“ bekräftigte der OB. Die Position als „starken Bildungsstandort“ wolle Bad Mergentheim weiter festigen.

Bei der Integration habe die Stadt einen guten Weg gefunden. Glatthaar appellierte an die Bürger, „miteinander statt übereinander“ zu reden und forderte sie auf, „gemeinsam Spaß zu haben“. Allen Einwohnern und Gästen rief der OB abschließend ein „Herzliches Willkommen in 2020“ zu und erinnerte an den großen Neujahrsempfang am 12. Januar im Kursaal. Stadthauptmann Andreas Schweizer vom Historischen Schützen-Corps erinnerte an die „erbärmlichen Verhältnisse“, unter denen in Griechenland Flüchtlinge leben müssten. Bei der Lösung des Problems sei ganz Europa gefragt.

Ein näher liegendes Problem streifte der Stadthauptmann ebenfalls: Er appellierte an die Einwohner, die beiden historischen Vereinigungen zu unterstützen, etwa durch eine Mitgliedschaft. „Zeigen Sie Traditionsbewusstsein in einer Zeit des Desinteresses“, ermunterte Schweizer die Menschen zu mehr ehrenamtlichem Engagement.

Achtsamkeit gefordert

Stadthauptmann Andreas Lehr von der Historischen Deutschorden-Compagnie rief dazu auf, das an Neujahr vorherrschende Gefühl, etwas Altes abstreifen und etwas Neues beginnen zu können, „einfach mal gewähren zu lassen“. Aufbruch und Begeisterung ohne Inhalte und Ideen währten jedoch meist nicht lange, so Lehr. Deshalb solle man den Blick schärfen für die wichtigen Themen und eine neue Achtsamkeit im Umgang mit den Mitmenschen walten lassen. Außerdem plädierte er dafür, sich für die freiheitlichen und demokratischen Werte einzusetzen. Im Rahmen des Neujahrsschießen ehrte das Historische Schützen-Cops zwei verdiente Mitglieder. Hornist Hubert Herschlein erhielt für 40-jährige aktive Mitgliedschaft das silberne Verdienstkreuz, Stabshornist Peter Old wurde mit der goldenen Ehrennadel ausgezeichnet – der ersten im Schützen-Corps überhaupt. Zweimal habe Peter Old den Hornistenzug übernommen, würdigte Andreas Schweizer Peter Olds besondere Verdienste.

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