Bad Mergentheim

Freiwillige Feuerwehr Ehemaliger Kreisbrandmeister Alfred Wirsching blickt auf seine Anfänge bei der Mergentheimer Wehr im Jahr 1975 zurück / Einige Irritationen

Als die Württemberger nach Baden zur Hilfe eilten

Archivartikel

Bad Mergentheim.Mit 18 Jahren kam Alfred Wirsching 1974 zur Feuerwehr Bad Mergentheim. Sein Kumpel Peter Achatz, der später auch Stadtkommandant wurde, nahm ihn dorthin mit und Wirsching gefiel es, trotz des damals noch herrschenden rauen Befehlstons.

Altgediente Kräfte, vielfach Geschäftsleute und teilweise noch ehemalige Kriegsveteranen, schauten sich den Neuling genau an, ließen ihn vor einer Kommission Rede und Antwort stehen, denn das war damals so üblich, ehe ihm schließlich die große Ehre zu Teil wurde, feierlich aufgenommen zu werden.

Schlüsselerlebnisse seiner noch jungen Laufbahn waren 1975 ein „Brand im Badischen“ – dazu gleich mehr – und ein schwerer Verkehrsunfall nahe Herbsthausen. Ein Auto war gegen einen Baum geknallt. Mit dem hydraulischen Spreitzer (damals noch) im Handbetrieb wurde gearbeitet und Wirsching pumpte wie ein Verrückter, erzählt er.

„Wir haben den Mann aus dem völlig zerstörten Wagen herausgeholt, aber er war tot. Auf der Rückfahrt mussten sie anhalten und ich kurz das Feuerwehrfahrzeug verlassen, weil mir übel wurde. Der damalige Abteilungskommandant und erfahrene Feuerwehrkamerad Klaus Riegel sagte mir nur: Das sei schon in Ordnung und ihm selbst beim ersten Mal auch so gegangen.“

Nun zum „Brand im Badischen“: Der Zusammenschluss der beiden Alt-Landkreise Tauberbischofsheim und Bad Mergentheim war damals noch frisch und noch bis 1985 gab es aufgrund der alten Strukturen zwei Kreisbrandmeister im neuen Main-Tauber-Kreis, einen für den Altkreis Tauberbischofsheim und einen für den Altkreis Mergentheim.

1975 brannte es also im nahen Unterbalbach und die von der Polizei alarmierte Mergentheimer Wehr reagierte zunächst ungläubig. „Wir sind da nicht zuständig, meinten die Württemberger und erinnerten sich dunkel an den vermutlich letzten Einsatz in Baden, 1944 nach einem Fliegerangriff“, schüttelt Wirsching noch heute amüsiert den Kopf. „Doch, doch, ihr seid angefordert, hieß es, eure Drehleiter und mehr werden gebraucht.“ Also sprang man in die Fahrzeuge und rauschte los.

Wirsching: „Ich als jüngster Feuerwehrmann bekam vor Ort den Auftrag die Wasserversorgung vom örtlichen Hydranten zu unserem Tanklöschfahrzeug herzustellen, doch fand ich zunächst den Hydranten-Deckel in der Straße nicht. Ich suchte verzweifelt einen württembergischen Schachthydranten (runder Schachtdeckel) aber den gab’s in Baden eben nicht, sondern nur den bundeseinheitlichen Norm-Hydranten (ovaler Schachtdeckel) der allgemein üblich ist. Aber Württemberg hatte damals eigene und nur die kannten wir. Dann war der Hydrant ausgemacht, aber das Standrohr zu setzen auch nicht einfach und ich dachte, verflucht nochmal, hier stimmt wieder etwas nicht, denn das württembergische Standrohr war länger, weil es tiefer in den Boden reichen musste, in Baden lag der Hydrant direkt unter der Straße und unser Rohr ragte nun entsprechend weit in die Höhe. Erst später wurde uns klar, dass wir im Fahrzeug auch ein kurzes, badisches (Norm) Stand-rohr seit Jahren mittransportierten, aber nie benutzt hatten. Das alles sorgte für einige Irritationen und später für handfeste Diskussionen und führte in der Folge zu wochenlangen Übungen der Mergentheimer Wehr im Stadtteil Dainbach, weil es dort auch die badischen Hydranten gab“, lacht Wirsching herzlich im Gespräch mit unserer Zeitung über diese rückblickend amüsante Anekdote.

Diese und viele weitere interessante Ereignisse aus seiner langjährigen Feuerwehrtätigkeit kann Alfred Wirsching heute berichten.

Zum 1. Mai gab er nach 25 Jahren seinen Posten als Kreisbrandmeister im Main-Tauber-Kreis ab und legt den Feuerwehrhelm nach 46 Jahren endgültig ab. Mehr darüber lesen Sie auf Seite 9 dieser Ausgabe. . .

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