Bad Mergentheim

Ein Umzug der besonderen Art in Markelsheim Tierfamilie findet neues Zuhause / Einzigartiges Video

Als der alte Igelbau zu klein wurde

Archivartikel

Es sind einzigartige Aufnahmen, die Elmar Patermann in seinem Garten machte. Trotz aufwendiger Recherche fand er bislang keine ähnlichen Videoclips. Thema: der Umzug einer Igelfamilie.

Markelsheim. „Igel bewohnen eine so genannte Igel-Burg, manchmal auch Bau genannt“, weiß der engagierte Naturschützer Elmar Patermann. Geeignete Quartiere für die stacheligen Säugetiere finden sich beispielsweise in Natursteinmauern, unter Geröll- oder auch Reisighalden sowie in Laubhaufen. Und natürlich gibt es auch künstliche „Igelburgen“, die Tierfreunde in ihren Gärten aufstellen können.

In Patermanns Garten lebt eine Igelfamilie, die kürzlich einen Umzug organisierte – „völlig überraschend“, wie der Naturfreund im Gespräch mit unserer Zeitung sagte. Und so war es auch ein Zufall, dass er seine Kamera zur Hand hatte, um diesen einmaligen Umzug festhalten zu können. „Das hat etwa zwei Stunden gedauert“, erinnert sich Patermann. Die Igelin ließ sich von der Gegenwart des Menschen nicht stören. „Ich hatte sie in den vergangenen Wochen mehrfach gesehen, aber immer nur kurz.“

„Ganz offensichtlich war der Igelin die Wohnhöhle zu klein geworden, also suchte und fand sie ein neues Zuhause, sozusagen direkt vor der Haustür“, schildert Patermann das Geschehen. Es war ein Umzug der kurzen Wege, „vielleicht vier Meter“. Aufgefallen ist ihm das, weil er das Stacheltier „am helllichten Tag“ beobachten konnte – Igel sind ansonsten ja nachtaktive Tiere.

Der Igel lief an der Terrassentreppe herum, und schnell stellte sich heraus, dass es nicht irgendein Tier war, sondern das Haupt einer Familie, die in einem Spalt unter einem Trittstein verschwand. „Es sind ja die weiblichen Tiere, die die Jungen aufziehen“, erläutert Patermann. Und die Igelin war eifrig beschäftigt, denn sie „sammelte Polstermaterial wie Blätter, Moos, Pflanzenteile und Gräser ein. Das erschien mir zunächst seltsam, doch dann wurde mir klar, dass ja im August und September die Jungen zur Welt kommen.“ Seine Vermutung war eindeutig: „Da wird ein Bau hergerichtet.“

Ein geeignetes Quartier fand die Igelin im Bereich der Treppe, und dorthin brachte sie auch das Polstermaterial. Staunend und am Ende geradezu begeistert beobachtete Patermann dann noch, dass die Igelin aus einem anderen, nur etwa vier Meter entfernten Spalt – „das war der Ein- und Ausgang ihres bisherigen Baus“ – ihre Jungen holte. Mit dem Nachwuchs im Maul, „es waren fünf Stück“ – machte sie sich mehrfach auf den Weg.

Knapp zwei Stunden konnte Patermann das außergewöhnliche Geschehen verfolgen und filmen. „Ich habe so etwas noch nie zuvor gesehen, ja nicht einmal davon gehört.“ Und er ist sich der Exklusivität des Erlebten bewusst. „Das beobachtet man, wenn überhaupt, nur einmal im Leben“, sagt der Naturfreund. Seither, so Patermann weiter, „sehe ich Igel mit anderen Augen“.

Der Igelfamilie „geht es gut“, freut sich der Naturschützer. Warum die Familie ein neues Quartier bezog, ist leicht zu erklären. „Es gibt nur zwei mögliche Gründe: Zum einen könnte Parasitenbefall der Auslöser gewesen sein, zum anderen könnte es der Mutter mit ihren fünf Kindern einfach zu eng geworden sein.“ Platz genug scheint der neue Bau jedenfalls zu bieten. Gesehen hat er die Familienmitglieder seither nicht mehr, „gehört aber schon“.

Info: Videoclip auf Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=UpTJUBGF5Ns

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