Bad Mergentheim

Themenjahr Vor 229 Jahren kam der 21-jährige Ausnahmemusiker als Mitglied der kurfürstlichen Hofkapelle in Mergentheim an

Als Beethoven in die Kurstadt kam

Archivartikel

Bad Mergentheim.Heute vor 229 Jahren, am 5. September 1791, kam der 21-jährige Ludwig van Beethoven in Mergentheim an.

Er spielte die Bratsche im Hoforchester des Hochmeisters Maximilian Franz. Bei seinem Aufenthalt in Mergentheim ahnte wahrscheinlich kaum einer, dass er einmal einer der berühmtesten Komponisten der klassischen Musik werden sollte.

2020 ist das große Beethoven-Jubiläumsjahr: Der Musiker wurde vor 250 Jahren, im Jahr 1770, geboren. Im Jahr 1791 war das Generalkapitel des Deutschen Ordens in Mergentheim zusammengerufen worden. Solche großen Versammlungen waren enorm aufwendig in der Vorbereitung und Durchführung: Ritter und Beamte aus allen Regionen des alten Ordens mussten anreisen. Das Generalkapitel in Mergentheim trat daher nur selten zusammen.

Der Hochmeister des Deutschen Ordens war eine mächtige Figur im alten Reich: Hochmeister Maximilian Franz (1756-1801) war der jüngste Sohn von Kaiserin Maria Theresia und zugleich Erzherzog von Österreich, Kurfürst und Erzbischof von Köln, Bischof von Münster und seit 1780 Hochmeister des Deutschen Ordens. Schon allein sein Erscheinen machte das Generalkapitel des Ordens zu einem glänzenden Ereignis. Der Hochmeister förderte die Künste. Seine Hofmusik war berühmt. Und er nutzte das hochkarätige Ensemble, um dem Anlass in Mergentheim Glanz zu verleihen und seinem Rang entsprechend zu repräsentieren. Etwa 25 Mitglieder der kurfürstlichen Hofkapelle reisten aus seiner Residenz in Bonn an. Wegen der schlechten Straßen des 18. Jahrhunderts bevorzugte man das Schiff; damit kamen Ludwig van Beethoven und seine Kollegen auf Rhein und Main bis Aschaffenburg oder Wertheim. Für den restlichen Weg bis nach Mergentheim nahm man Kutschen und Wagen. In Mergentheim wurden die Reisenden in Privathäusern einquartiert, denn Gasthöfe gab es nur wenige und Hotels waren noch kaum üblich. Beethoven nahm Quartier bei einem Beamten, dem Kanzlisten Jacob Peter Kirchmeyer in der Härterichgasse.

Und er hatte einen privaten Auftrag aus Bonn auszuführen: Er überbrachte Grüße einer Bonner Familie an die Verwandtschaft in Mergentheim. Vor allem aber wurde gearbeitet. Die Musiker hatten ständig Proben – auch die in Privathäusern. Laufend waren die Musiker im Dienst. Am Sonntag sorgte Beethoven mit seinen Kollegen für die Schauspielmusik, am Montag machten sie die Tanzmusik für einen Ball, am Dienstag stand eine Opera buffa auf dem Programm, am Mittwoch ein Hofkonzert. Am Donnerstag gab es wieder Schauspiel, am Freitag „Akademie“, damals eine Bezeichnung für ein Konzert, und am Samstag wieder Oper. Zudem war die Hofkapelle für die Musik in den häufigen Gottesdiensten zuständig. Was sieht man heute noch im Residenzschloss Mergentheim aus dieser Zeit?

Die Prunkräume des Hochmeisters, die beim Rundgang durch das Schloss zu erleben sind, vermitteln einen guten Eindruck vom Glanz der Zeit. Hier hat sich weitgehend die Ausstattung vom Ende des 18. Jahrhunderts erhalten. Ebenfalls wie zu Beethovens Zeiten präsentiert sich die Schlosskirche, in der die Hofkapelle spielte. Verschwunden ist lediglich die „Sala terrena“, der Gartensaal, der im Süden an das Schloss angebaut war. Das schlichte Gebäude bot einen großen Saal und zwei anschließende kleine Räume: Es wurde 1823 abgerissen.

Das Residenzschloss Mergentheim ist Mittwoch bis Sonntag und an Feiertagen von 10.30 bis 17 Uhr geöffnet. ssg

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