Bad Mergentheim

Kommunalwahl am 26. Mai Redaktion stellt den Parteien in Bad Mergentheim verschiedene Fragen / Teil 2 dreht sich um Müll, Energie, Tier- und Pflanzenwelt

Alle wollen Umwelt und Natur schützen

Archivartikel

Plastikmüll in den Flüssen, Weltmeeren und auf unseren Äckern, Überdüngung, Artensterben und Schülerproteste beherrschen die Schlagzeilen. Was sagen die Parteien in der Kurstadt dazu?

Bad Mergentheim. Der Umwelt- und Naturschutz steht im Mittelpunkt der zweiten Frage, die die Redaktion den sieben Listen stellte, die sich um die 28 garantierten Sitze im Gemeinderat Bad Mergentheim bewerben. Am 26. Mai treten an: CDU, Freie Wähler, Grüne, SPD, FDP sowie die Listen „Kreis“ und „SPM“.

Artensterben, Plastikmüllberge, Klimawandel, „Fridays for future“-Bewegung, Umwelt- und Naturschutz – was will Ihre Liste hierzu in Bad Mergentheim bewegen?

CDU: Natur- und Umweltschutz müssen ein fester Bestandteil der Kommunalpolitik sein. Die CDU hat deshalb ein Konzept zum Schutz der Artenvielfalt in Bad Mergentheim erarbeitet. Auf unseren Antrag hin, wird sich nun der „Runde Tisch“ mit allen Beteiligten erstmals im Mai treffen und die Fragen von Umwelt, Natur- und Klimaschutz in unserer Stadt diskutieren. Ein großer Schritt, der alle Beteiligten einbindet. Wir brauchen lokal erfüllbare und verträgliche Ziele mit Augenmaß.

Es bestehen eine Vielzahl von kommunalen Möglichkeiten: Energetische Sanierungen und Anreize für die Nutzung von Wohnraum im Innenbereich, Kommunale Anreize zur Vermeidung von Müll, Begrünung von Flachdächern, Intelligente Straßenbeleuchtung zur Stromeinsparung, Förderung von Energieeffizenz in Neubauten, Quartierslösungen für die Wärmeversorgung, Elektroladesäulen, Dezentrale Energieversorgung, Förderung von Photovoltaik und Wärmepumpen, Intelligente Stromnetze, Modernisierung der Technik der Kläranlagen und auch die Erweiterung des Naturwärmekraftwerks. Wir wollen zudem Lebensräume, wie den Wald, für die Tiere und Menschen erhalten. Umwelt-und Klimaschutz muss mit den Bürgern erfolgen und nicht durch Verbote oder Kostensteigerungen.

Freie Wähler (FW): Es ist einfach, eine „globale Lösung“ anzustreben und die Verantwortung auf die Landes-, Bundes- oder Europapolitik zu schieben. Wir müssen im Kleinen anfangen und dabei sollte sich jeder „an die Nase fassen“ und mit dem Schutz der Umwelt und des Klimas beginnen.

Das fängt an bei Mülltrennung und hört auf bei Windrädern, bei allem Respekt, wie sich Herr Sailer über Leserbriefe gegen Windräder und alternative Energien ausspricht aber Deutschland erreicht teils deutlich die gesteckten Klima- und Umweltziele nicht.

Die Politik ist permanent in Interessenkonflikten unterschiedlicher Gruppierungen gefangen. Versäumnisse der Vergangenheit lassen sich nicht zurückdrehen. Wir befürworten „Fridays for future“ und sehen nicht nur Jugendliche gefordert, an dem Thema aktiv zu arbeiten. Grünflächen durch Erschließung von vorhandenem innerstädtischen/-örtlichen Potenzial, die Reduzierung des Pkw-Individualverkehr, die vermehrte Begrünung auf Straßen, Plätzen und Dächern und ein verbindlicher städtischer Umweltstandard zum Schutz von Umwelt, Tier und Mensch sind wichtig.

Grüne: Unsere Anträge für ein Klimaschutzkonzept der Stadt und für eine pestizidfreie Zone wurden vom Gemeinderat leider ebenso abgelehnt wie der, die Klimaschutzziele von Paris für die Stadt als verbindlich zu erklären.

Nein sagte der Gemeinderat auch zu unserem Vorschlag, Mitglied im Klimabündnis zu werden. Davon lassen wir uns nicht entmutigen. Wir setzen uns weiter dafür ein, dass Klima-, Arten- und Umweltschutz auch in Bad Mergentheim vorangetrieben werden.

Die Stadt Bad Mergentheim muss ihren Beitrag zur Umsetzung des Klimaschutzkonzepts des Landkreises leisten. Wir wollen die energetische Sanierung städtischer Gebäude und die Nutzung regenerativer Energiequellen wie Wind, Wasserkraft und Solar.

Der Klimawandel lässt sich aber nur aufhalten, wenn auch vom Straßenverkehr weniger Treibhausgase emittiert werden. Das wollen wir mit einem neuen Verkehrskonzept erreichen und motorisierten Individualverkehr auf umweltfreundliche Verkehrsarten verlagern. Weil ein Kunstrasenplatz enorme Mengen Mikroplastik freisetzt fordern wir eine Umweltfolgenabschätzung, bevor eine Entscheidung darüber fällt. Nebenbei: Die Wahlplakate manch anderer Partei sind aus Kunststoff, unsere sind aus recyclingfähigem Karton.

SPD: Wir sind für möglichst sparsamen Einsatz von Pestiziden. Auf Glyphosat sollte man ganz verzichten. Die Stadt muss mit gutem Beispiel vorangehen. Dazu haben wir mit den Grünen einen Antrag eingebracht, der leider keine Mehrheit gefunden hat. Wir bleiben dran, denn eine „Gesundheitsstadt“ muss ihren Namen auch verdienen.

Bei allen öffentlichen Festen sollte das Prinzip der Plastikvermeidung gelten. Wir haben vorgeschlagen, mit Vertretern der „Fridays for future“-Bewegung und anderen ins Gespräch zu kommen, um neue Ideen aufnehmen und umsetzen zu können.

FDP: Wir befürworten einen aktiven Umwelt- und Naturschutz vor Ort, der Eigenverantwortlichkeit, wirtschaftliche Vernunft und unser schönes Landschaftsbild berücksichtigt. Heimische Arten und ihre Lebensräume brauchen im Stadtgebiet größere zusammenhängende Rückzugsräume. In Parks und Wäldern sollte die Stadtverwaltung stärker gegen eine Vermüllung vorgehen.

Wir begrüßen die „Fridays for future“-Bewegung als Ausdruck gesellschaftlichen Engagements junger Menschen auch in Bad Mergentheim. Kritisch sehen wir aber, wenn sich dieses zu Lasten des Schulbesuchs und damit der Zukunftschancen der heutigen Schülergeneration auswirkt.

„Kreis“: Gerade die Stadtverwaltung sollte beim Klimaschutz mit gutem Beispiel vorangehen. Viele städtische Gebäude weisen eine unzureichende Dämmung auf. Hier könnten Energie und CO2 eingespart werden. Auch sollte bei zukünftigen Dachsanierungen von städtischen Gebäuden nicht versäumt werden, die Nutzung von Sonnenenergie mit einzubinden. Bei den letzten Dachsanierungen (Kopernikus-Realschule, Eduard-Mörike-Schule) und auch bei den Neubauten (Feuerwache, DOG-Sporthalle) wurde auf die Nutzung von Sonnenenergie verzichtet. Das finde ich sehr schade.

Die Elektromobilität vermisse ich im Fuhrpark der städtischen Fahrzeuge. Die Einsatzzwecke vieler Fahrzeuge der Stadtverwaltung wären genau passend, um sie mit Elektrofahrzeugen auszuführen.

Auf die Nutzung von Unkraut- und Schädlingsbekämpfungsmitteln sollte weitgehend verzichtet werden. Bei vielen städtischen Wiesenflächen und Grünstreifen könnte man zum Schutz der Bienen und Insekten auf häufiges Mähen verzichten und zusätzlich bienenfreundliche Blumen sähen.

„Solidarisch Progressives Mergentheim“ (SPM): Mehr Natur wagen – wie wir auf unserer Seite soliprom.de unter Programm aufzeigen, liegt uns Naturschutz und Ressourceneffizienz ganz besonders am Herzen.

Auch, dass immer mehr junge Menschen sich für Selbiges zu interessieren scheinen, begrüßen wir sehr. Nun sollte man sich aber selbst fragen, was mehr zum Schutz der Umwelt beiträgt: Ob nun eine Demo; oder die Zeit effizient für konkrete Maßnahmen zu nutzen? CO2 hin oder her, unsere Ökosysteme stehen vor dem Kollaps. Und wenn wir nicht bald umdenken, haben wir irgendwann nur noch künstliche „Bio“-Sphären.

Wir sind stets viel in der heimischen Natur unterwegs und der lokale Grad der Vermüllung ist erschreckend! Warum werden die Schüler nicht motiviert die Natur zu erkunden und gleichzeitig dabei zu helfen sie wieder überlebensfähig zu machen? Vorzeigeorte sind natürlich meist wie geleckt, aber was ist mit dem Glas in den Böschungen?

Warum um alles in der Welt werden beispielsweise in Neunkirchen etablierte Mülleimer einfach so ohne Ersatz abgenommen? Gleicht sich das in einer Milchmädchen-Rechnung mit den Hundekot-Stationen aus? Wohl kaum. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und verteilt seine Zigarettenstummel weiterhin dort, Mülleimer hin oder her.