Bad Mergentheim

Leserbrief Zum Artikel „Viele schlechte Nachrichten zum Zustand des Waldes gehört“ (FN, 25. August)

Alle gefordert, klimastabilen Waldumbau mitzutragen

In dem oben genannten Artikel wird Revierförster René Frank mit den Worten zitiert: „Die Eichen werden von den Rehen abgefressen und können sich deshalb nicht entwickeln und bei den jetzigen Wilddichten sind die heimischen Laubbäume in der Naturverjüngung gefährdet.“ Dieser pauschalen Aussage wiedersprechen wir ehrenamtlichen Jäger deutlich.

Als staatlich angestellter Revierförster müsste Herrn Frank bekannt sein, dass seit dem 1. April 2016 die Rehwildbewirtschaftung ohne behördlichen Abschussplan für alle Reviere in Baden-Württemberg gilt. Ziel dieses Verfahren ist es, dass beide Partner, also Waldbesitzer und Kommunen sowie die Jäger und Revierpächter gemeinsam vor Ort an Hand der vorgefunden Rahmenbedingungen die Zielvereinbarung zur Bejagung des Rehwildes treffen.

Als wichtige Entscheidungshilfe für die Zielvereinbarung steht hierbei das forstliche Gutachten zur Verfügung. Dieses Gutachten wird unter anderem von den zuständigen Revierförstern erstellt. Danach richtet sich die Höhe des jährlichen Rehwildabschusses. Jetzt zu fordern, dass in den nächsten fünf Jahren das Rehwild konsequent bejagt und im Bestand dezimiert werden soll, damit es dem Wald wieder gut geht, ist eine ebenso einfache, wie falsche Schlussfolgerung von Herrn Frank. Mit keiner Silbe werden in dem Artikel forstliche Fehler im Waldbau, die ausgeräumte Flur und tägliche Störungen, die das Wild beunruhigen, erwähnt. Dieses steht notgedrungen in der Dickung und äst, verbeißt also aus Sicht der Förster die Bäume.

Den Alleinschuldigen für den schlechten Zustand der Wälder haben die Grünen und ihr Förster ausgemacht, es ist das Reh der kleine braune Waldfresser. Solange aber Stressfaktoren zunehmen, haben es das Rehwild und andere Waldbewohner schwer, ihren natürlichen Lebensgewohnheiten nachzugehen. Die Stresshormonkonzentration steigt, der Nahrungsbedarf nimmt zu und der Verbiss steigt regional an.

Die klimabedingt und auch forstpolitisch verursachten Waldschäden sowie waldbauliche Fehler zwingen uns alle, einen notwendigen klimastabilen Waldumbau mitzutragen.

Dies wird eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe werden. Sie gelingt dann, wenn wir den Weg weg vom Wirtschaftswald wagen und alle Interessensgruppen ihren Beitrag hierzu einbringen können.

Wald ist mehr als ein Produktionsort für Holz. Einseitige Schuldzuweisungen sind fehl am Platz. Für eine ordnungsgemäße Bejagung unseres Rehwildes müssen neben forstlichen Erhebungen, wildbiologische Informationen über die körperliche Verfassung des Wildes und die strukturelle Entwicklung der Wildbestände als Grundlage herangezogen werden.

Die Bejagung und die Hege des Wildes sind dabei so zu regeln, dass die Belange des Tierschutzes, insbesondere des Muttertierschutzes, eine artgerechte Sozialstruktur, artgerechte Äsung (Nahrung), sowie ein natürlicher Altersaufbau der Rehpopulation in einem intakten Wildlebensraum gesichert sind.

Gesunde und angepasste Wildbestände sind unser schützenswertes Gut. Rehwild ist für die Gesellschaft ein wichtiger lebender Bestandteil der Natur.

Wir würden von den Grünen und Herrn Frank die Bereitschaft zum Dialog und zum innovativen Gedankenaustausch und nicht einseitige öffentliche Anschuldigungen erwarten, um dieses Ziel und damit eine positive Entwicklung unserer Wälder zu erreichen.

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