Bad Mergentheim

GEW Main-Tauber/Hohenlohe Bildungsgewerkschaft setzt sich für die schrittweise Schulöffnung ein / „Geplante Gruppen sind zu groß“

Aktuelle Regelungen „sind ein Risiko“

Archivartikel

Die GEW Main-Tauber/Hohenlohe setzt sich für eine schrittweise Öffnung der Schulen ein. Die Pläne der Kultusminister hält sie für „unrealistisch“, die geplanten Gruppen für zu groß.

Main-Tauber-Kreis. Die Öffnung der Schulen und Kitas müsse mit kleinen Gruppen und jeweils nur an einzelnen Tagen erfolgen, sagt Jana Kolberg, die Kreisvorsitzende der Bildungsgewerkschaft. „Die Sicherheit für Kinder und Jugendlichen sowie der pädagogischen Fachkräfte und Lehrer muss bei allen Entscheidungen an erster Stelle stehen.“

„Pläne sind unrealistisch“

„Natürlich ist es pädagogisch sinnvoll, Kitas und Schulen wieder zu öffnen. Auch die Eltern brauchen dringend Entlastung. Die Pläne der Kultusministerkonferenz sind aber unrealistisch“, findet Kolberg, denn: „Viele Lehrkräfte gehören zu Risikogruppen und dürfen nicht in die Schulen. Zwei Drittel der Lehrerkräfte können nicht gleichzeitig Abschlussprüfungen, Unterricht in zu vollen Klassenzimmern und Lernen zu Hause organisieren.“

Man müsse jetzt erst mit kleinen Gruppen langsam beginnen, um zu sehen, wie das funktioniere. Vor allem auf Berufliche Schulen kämen in der kommenden Woche enorme Probleme zu, glaubt Kolberg. „Teilweise kommen an den Beruflichen Schulen bis zu 40 Prozent der Schüler zurück, die alle vor ihren Abschlussprüfungen stehen und somit auch unter die Lockerungen der Landesregierung fallen“, sagt Kolberg, Kreisvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). So hält die GEW hält die geplanten Gruppen für die Notbetreuung in Kitas und Grundschulen für zu groß. Sie setzt sich für deutlich kleinere Gruppen und mehr Fachkräfte pro Gruppe ein. „Die jetzt geplanten Regelungen sind ein Risiko für die Kinder und die pädagogischen Fachkräfte. Wie soll eine Grundschullehrerin alleine mit 14 Erstklässlern darauf achten, dass der 1,5-Meter-Abstand gewahrt bleibt, wie sollen Erzieher mit 14 Vierjährigen in der Notbetreuung die Gänge auf die Toilette organisieren? Fachkräfte werden zu Polizisten gemacht. Wir brauchen deutlich kleinere Gruppen und eine Personalausstattung, die deutlich höher als im regulären Betrieb ist“, sagte Kolberg.

In der Notbetreuung sollen bis zu 14 Grundschulkinder pro Klasse und in Kitas Kinder bis zur Hälfte der genehmigten Gruppengröße aufgenommen werden. Die GEW kritisiert auch, dass die Träger der Einrichtungen in der erweiterten Notbetreuung vom Mindestpersonalschlüssel abweichen können. „Man kann nicht wochenlang Spielplätze sperren und Familien bitten, mit ihren Kindern zu Hause zu bleiben, wenn es demnächst in der Notbetreuung sicher nicht gelingen wird, den notwendigen Gesundheitsschutz zu gewährleisten.“, warnt Kolberg. „Wer will, dass die Wirtschaft wieder brummt und dafür Betreuungsplätze braucht, muss auch dafür sorgen, dass dies nicht zu Lasten der Kinder, ihrer Erzieherinnen und Lehrkräfte geht“, betont die Pädagogin.

„Volle Schulbusse fatal“

Die Organisation innerhalb der Schule, der Zugang zu den Gebäuden und die Unterrichtsorganisation müssten gut vorbereitet sein. Auch ein Start mit vollen Schulbussen wäre fatal, findet Kolberg. „Dabei geht es auch um selbstverständliche Dinge, die aber vor drei Wochen noch in vielen der 4500 Schulen in unserem Land nicht vorhanden waren: Die Schulträger sind in der Pflicht, Seife und Einweghandtücher oder Handdesinfektionsmittel zur Verfügung zu stellen“, sagte Kolberg. Die GEW geht derzeit davon aus, dass es gelingen kann, die Abschlussprüfungen in den verschiedenen Schularten organisieren zu können. Wichtig sei dabei, die Prüfungen in allen allgemein bildenden und beruflichen Schulen im Blick zu haben und eine gute Abstimmung unter den Bundesländern.

Die GEW spricht sich außerdem gegen eine Verkürzung der Sommerferien aus und macht sich für Unterstützungsangebote für Kinder und Eltern stark. Eine Verkürzung der Sommerferien schaffe neue Probleme und die Schulen hätten jetzt bereits genug damit zu tun, die vielen offenen Fragen angesichts der Coronakrise so gut wie möglich zu lösen. „Es ist gut, dass das Kultusministerium bereits Zusatzangebote für die Unterstützung von Schülerinnen und Schülern plant. Außerdem brauchen Kinder und Eltern Betreuungsangebote. Dafür müssen die Kommunen bereits jetzt die Vorbereitungen treffen.“

Allen müsse aber auch bewusst sein, dass in zwei Wochen nicht nachzuholen sei, was in diesem Schuljahr nicht vermittelt und geübt werden konnte. „Wenn am 14. September das Schuljahr 2020/2021 startet, wird auch das nächste Schuljahr kein normales sein. Die Coronakrise bleibt auch dann eine Herausforderung für die Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und die Eltern“, sagt Kolberg abschließend.

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