Bad Mergentheim

Klassentreffen Ehemalige Abiturienten des Deutschorden-Gymnasiums / Stadtfest gefeiert und Schule besichtigt

Abiturjahrgang 1989: Dieses wundervolle Wiedersehen wirkt noch lange nach

Bad Mergentheim.Sie liegen sich in den Armen und freuen sich wie kleine Kinder. Sie herzen sich und scherzen wie in alten Tagen. Sie lachen und strahlen, raunen und staunen. Sie schauen sich in die Augen. Ein Küsschen hier, ein Küsschen da. „Willkommen zurück! Lange nicht gesehen! Schön, dass wir mal wieder zusammen sind!“ 30 Jahre sind vergangen, seit die Klasse des Deutschorden-Gymnasiums von 1989 auseinanderging. Durch das Klassentreffen sind sie wieder vereint. Das Abi ist lange her. Doch es hat sie geprägt wie kaum ein anderes Ereignis in ihrer Jugend.

Sie schwelgen in Erinnerungen und lauschen den Anekdoten ihrer ehemaligen Lehrer und schreiten fast demütig durch die Schulhallen. Überrascht, wie viel sich verändert hat und, wie viel noch so ist wie in den seligen Achtzigern.

Sie feiern und stoßen an. Sie kosten diese Zeitreise in vollen Zügen aus. Und mit jeder Stunde mehr erkennen sie: Die Kameraden von damals sehen zwar etwas älter aus. Doch in ihrem Wesen sind sie noch dieselben. Sie spüren: Der Geist und die Magie des Abi-Jahrgangs 1989 haben all die Jahre überdauert. Hier ist etwas entstanden, das niemals vergeht.

Die Organisatoren haben ganze Arbeit geleistet und ein Programm gestrickt, das keine Wünsche offenlässt. Das Abi-Revival mit dem altehrwürdigen Stadtfest zu starten, ist eine prima Idee.

Die Stunden, sie gehen viel zu schnell vorüber. Bald ist es weit nach Mitternacht. Das letzte Bier wird ausgeschenkt. Dann ist Schluss. Aber morgen ist ja auch noch ein Tag. Und was für einer. Abwechslungsreicher kann man ein Wiedersehen wohl nicht zelebrieren. Zunächst der Empfang im DOG: Albert Hammer macht seinem Namen alle Ehre. Mit wie viel Elan der pensionierte Physik- und Mathe-Lehrer die 89er an die Hand nimmt, in das heutige Schulreich entführt und frühere Geschichten aufleben lässt: Das ist der Hammer! Vergangenheit und Gegenwart verschmelzen. Es ist, als ob man nie weggewesen wäre. Manches wirkt moderner, anderes lockerer, aber einiges sogar noch strenger als damals. Und manches muss man auch nicht verstehen. Wie etwa Sportlehrerin Siggi Reinhart trefflich meint, als sie auf die viel zu schmale Treppe zeigt, die zur neuen Sporthalle führt, die wiederum im Vergleich zur alten ein recht hageres Bild abgibt. Oder die neuen Fluchttreppen. Wegen den immer strengeren Vorschriften beim Brandschutz haben viele Zimmer jetzt sogar Zwischentüren, was der einen Klasse mitunter ermöglicht, den Stoff der anderen unfreiwillig mitzulernen.

Dafür gibt es jetzt eine Mensa, und das Essen kann online bestellt werden. Kaum zu glauben, dass sie nicht hier, sondern in der Realschule ist. Damals hatte man mit „denen da drüben“ ja kaum Kontakt.

Vertretungspläne hängen nun nicht mehr am Schwarzen Brett, sondern flimmern über den Bildschirm. Das nostalgische Sprachlabor hat ebenfalls ausgedient. Stattdessen gibt es nicht nur ein Zimmer mit Computerplätzen, sondern gleich zwei. Und das DOG ist um einen Erweiterungsbau gewachsen, der gleich neben dem Haupteingang liegt.

So streicht die Zeit vorüber. Und ehe man sich versieht, sind schon drei Stunden vergangen. Oben, im vierten Stock, sind die 89er den Leistungskursen und der Abiturprüfung dann noch einmal ganz nah. Herzen klopfen. Stille. Was für eine Höhe, da wird einem ja fast schwindelig. Fast hätte man es vergessen. Ja, hier war Endstation. Damals, vor 30 Jahren. Sie hatten das Abi in der Tasche, und jeder setzte danach zu seinem ganz persönlichen Höhenflug an. Manche blieben in Bad Mergentheim, andere zogen in die weite Welt. Geht es noch weiter nach oben? Ja, an diesem Tag des Wiedersehens schon. Bis aufs Dach – 360-Grad-Blick inklusive.

Dann ist die Schul-Tour vorbei. Albert Hammer sagt: „Tschüss, bis zum nächsten Mal!“ Und man wünscht sich nichts sehnlicher, als gleich nächste Woche wieder hier zu sein. Bei ihm. Im Unterricht. Selbst Mathe-Muffeln geht das so. Aber alles hat seine Zeit. Deshalb ist jetzt höchste Zeit für die Autorallye. Das wird ein Heiden-Spaß. Der Kurs führt einmal ums DOG: kreuz und quer, hoch und runter. Reisfelder Hütte, Edelfinger Hütte: Was waren das für Feten. Dann die letzte Station: der Wartturm. Nur einmal in seiner Geschichte war er komplett verpackt: im Frühjahr 1989. Dem Abi-Jahrgang sei Dank.

Von Assamstadt geht es anschließend zu Fuß nach Laibach. Vier Kilometer entlang von Feldern und Wiesen. Mit traumhaften Aussichten und intensiven Gesprächen. Das Thermometer zeigt über 30 Grad. Ganz schön anstrengend, aber genauso erfüllend. Der Übergang zum Grillabend ist fließend. Im wahrsten Sinne des Wortes. So ein Bierchen zur Abkühlung tut wirklich sehr gut. Der Ferienhof Marina passt perfekt. Diese Idylle, diese Ruhe. Bis die Band die ersten Takte anstimmt. Was, ein Open-Air ist auch dabei? Dieses Treffen hat wirklich alles, was rüstige Abi-Rentner glücklich macht. Später verlagert sich die Feier nach drinnen. Der wunderbaren Stimmung tut das keinen Abbruch. Und als der Morgen anbricht und es hell wird, wollen einige immer noch nicht weichen und begrüßen den strahlenden Sommermorgen mit einem breiten Grinsen.

Nach dem Frühstück tickt die Uhr. Es ist Zeit, um Abschied zu nehmen. Sie liegen sich in den Armen und freuen sich wie kleine Kinder. Sie herzen sich und scherzen wie in alten Tagen. Sie lachen und strahlen, raunen und staunen. Sie schauen sich in die Augen. Ein Küsschen hier, ein Küsschen da. Bye Bye! So lange warten wir nicht mehr, bis wir uns wiedersehen! In drei Jahren, zum 33., ist es wieder so weit. Spätestens. Versprochen. Und weil es jetzt eine ziemlich komplette Adressliste gibt, werden sich manche zwischendurch bestimmt auch mal in kleinerer Runde treffen. Einfach so. Oder digital viel enger als bisher miteinander in Kontakt bleiben. In diesem Sinne: Bis 2022 im guten, alten Merchedol.

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