Bad Mergentheim

Amnesty International Briefmarathon „Schreib für die Freiheit“ ist abgeschlossen

714 Appellbriefe für vier Menschenrechtler

Bad Mergentheim.Der alljährliche weltweite Briefmarathon von Amnesty International „Schreib für die Freiheit“ ist abgeschlossen. Auch Amnesty Bad Mergentheim war 2020 wieder dabei.

Obwohl Corona die Werbemöglichkeit für die Aktion einschränkte und die Veranstaltungen um den „Tag der Menschenrechte“ (10. Dezember) herum in diesem Jahr ausfallen mussten, konnten 714 Appellbriefe für die vier Menschrechtler, die die Bad Mergentheimer Gruppe für die Aktion ausgewählt hatte, auf den Weg gebracht werden, fast ein Drittel mehr als im vergangenen Jahr. Viele Menschen haben laut der lokalen ai-Gruppe darüber hinaus die Möglichkeit genutzt, ihre Proteste online zu versenden.

Die Appelle galten: Nassima aus Saudi-Arabien, die sich für mehr Freiheit saudischer Frauen einsetzte und dafür im Gefängnis sitzt; Idris aus Pakistan, der sich gegen das Verschwindenlassen von Menschen in seinem Land engagiert und nun selbst entführt und unauffindbar ist; Jani aus Kolumbien , die für die Unversehrtheit des Amazonasgebietes kämpft und dafür bedroht und verfolgt wird, und Germain aus Burundi, der in einer christlichen Anti-Folter-Organisation arbeitete und dafür mit 32 Jahren Haft bestraft wurde. In mehreren Schulen Bad Mergentheims, Kirchen, der Stadtverwaltung und Freundeskreisen wurden Unterschriften gesammelt: Erfreulich viele Menschen in und um Bad Mergentheim waren bereit, mit ihrer Unterschrift Menschen zu helfen, die für ihr Engagement leiden müssen.

Erfolge erzielt

Im vergangenen Jahr konnte Magai aus dem Südsudan, der mit 15 Jahren zum Tode verurteilt wurde, vor der Hinrichtung bewahrt werden: Sein Todesurteil wurde aufgehoben. Auch für Yasaman aus dem Iran, die sich für eine Lockerung der Kleidervorschriften für Frauen mit einer Blumenaktion engagiert hatte, konnte ein Teilerfolg erzielt werden: Ihre Haftstrafe wurde von 16 Jahren auf neun Jahre herabgesetzt. Für beide hatten sich im vergangenen Jahr viele Bad Mergentheimer Bürger eingesetzt.

„Positive Ergebnisse lassen oft lange auf sich warten – Menschenrechtsarbeit braucht einen langen Atem und Geduld. Der Einsatz für die Menschenrechte hat aber – unabhängig von greifbaren Erfolgen – eine doppelte Wirkung: Allen, die sich an Petitionen beteiligen, wird die Bedeutung der Menschenrechte für den Einzelnen klar vor Augen geführt, andererseits bleibt die Verletzung von Grundrechten nicht im Verborgenen, sondern geschieht zum Ärger autokratischer Regime unter den Augen der Öffentlichkeit“, so die Amnesty-Gruppe Bad Mergentheim, die ihre Arbeit auch im neuen Jahr fortsetzen wird. Nachdem die von ihr betreute Iranerin Narges Mohammadi vorzeitig aus der Haft entlassen wurde, bemüht sich die Gruppe derzeit um einen neuen Einzelfall. ai

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