Bad Mergentheim

Gemeinderat Jahresabschluss 2019 des Stadtwerks Tauberfranken vorgelegt / „Sonstige Sparten“ machen inzwischen Hälfte des Gewinns aus

3,8 Millionen Euro für die Stadtkasse

Das Stadtwerk Tauberfranken kümmert sich um Strom, Gas, Wasser, Wärme, Wind- und Sonnenenergie, schnelles Internet und Elektromobilität – und die Kurstadt freut sich über sehr gute Gewinne.

Bad Mergentheim. Hocherfreut nahm der Gemeinderat das Jahresergebnis 2019 des Stadtwerks zur Kenntnis. 3,8 Millionen Euro fließen in die Stadtkasse.

Geschäftsführer Paul Gehrig präsentierte nicht nur die detaillierten Zahlen, sondern auch bereits jetzt erkennbare Auswirkungen von Corona und ebenso positive Perspektiven. Mit 5,3 Millionen Euro habe das Stadtwerk ein respektables Ergebnis erwirtschaftet. Bezeichnend dabei sei allerdings, dass lediglich die Hälfte aus dem bisherigen Stammgeschäft „Strom-, Gas- und Wasserversorgung“ kommt. Die andere Hälfte stammt aus neuen Geschäftsfeldern und insbesondere über zwei Millionen Euro aus der Beteiligung an der Thüga. Deshalb sehe sich das Stadtwerk auch für die kommenden Jahre gut aufgestellt und gerüstet.

Die Betriebsergebnisse in den Sparten Strom- und Gasnetz sowie Strom- und Gasvertrieb sind trotz des harten Wettbewerbs auf Vorjahresniveau, was insbesondere beim Strom deutlichen Kundengewinnen zuzuschreiben ist. Das Naturwärmekraftwerk war nahezu ausgelastet und brachte nicht nur einen Ergebnisbeitrag von 279 000 Euro, sondern auch die gewünschte CO2-Einsparung von rund 13 500 Tonnen. War das Naturwärmekraftwerk durch die Spitzenlast im Winter an seiner Kapazitätsgrenze, so wird durch das neue Heizwerk in der Riedstraße (ehemaliges Rudolph-Gelände) die Spitzenlastkapazität wesentlich erweitert.

Auch die Beteiligung am Stadtwerk Külsheim mache laut Gehrig Freude. Die Strukturen dort sind optimiert und durch die Pacht des Strom- und Gasnetzes Abläufe standardisiert worden.

Obwohl das Stadtwerk von seinem erwirtschafteten Ergebnis 600 000 Euro in die Gewinnrücklage für die investitionsintensiven Vorhaben der kommenden Jahre stellt, erhält die Stadt noch eine Ausschüttung von 2,4 Millionen Euro, ergänzt um die Konzessionsabgabe mit 900 000 Euro, die Gewerbeertragssteuer, einen Verwaltungskostenbeitrag und der Fremdenverkehrsabgabe in Höhe von 480 000 Euro. Als Mehrheitseigner bekommt die Stadt Bad Mergentheim also insgesamt 3,8 Millionen Euro von ihrem Tochterunternehmen überwiesen.

Aber auch am Stadtwerk geht die Corona-Krise nicht spurlos vorüber. In einer Hochrechnung zur Jahresmitte werde deutlich, so Gehrig, dass das Planergebnis 2020 durch Corona und weitere Sondereffekte um ca. 1,1 Millionen Euro belastet wird. Perspektive bieten allerdings die Beteiligungserträge, die sich weiter positiv entwickeln sollen.

Jubiläumsjahr

Gehrig bedauerte, dass die mit der Bevölkerung der Region geplante Jubiläumsveranstaltung „125 Jahre Stadtwerk Tauberfranken“ nicht stattfinden konnte. Dennoch präsentiert das Unternehmen einige Jubiläumsaktionen, die nachhaltig wirken sollen, unter anderem ein Artenschutz- und Artenvielfaltsprogramm, in dem das Stadtwerk bereits jetzt über zwei Hektar Grundstücksflächen in naturnahe Blumen- und Kräuterwiesen umgestaltet hat. Weitere fünf Hektar können zeitnah ähnlich nachhaltig gestaltet werden.

Gehrig berichtete auch über den WLAN- und Breitbandausbau sowie die Elektromobilität. Insgesamt 22 zusätzliche Access-Points hat man in den vergangenen Monaten installiert unter Nutzung der EU-Förderung, die die Stadt erfolgreich beantragt hatte. Das WLAN läuft deshalb in den meisten Stadtteilen die ersten Jahre unter der Bezeichnung „Wifi4EU“. Gehrig zeigte auch eine Übersicht, wie das Glasfasernetz in der Kernstadt zunehmend erweitert und engmaschiger wurde. Obwohl dies sehr kostenintensive Investitionen sind, würden diese sich mittel- und langfristig positiv auswirken.

Gehrig informierte, dass das Stadtwerk zwischenzeitlich 38 Ladepunkte für Elektromobilität in der Region geschaffen habe. Vier weitere normale Ladesäulen und sechs Schnellladesäulen seien beantragt.

Mit der Beteiligung am Windpark Külsheim ist das Unternehmen ebenfalls sehr zufrieden. Im Jahr 2019 brachte der Windpark 120 Prozent des prognostizierten Windkraftertrages, bis 30. Juni liege der Ertrag sogar bei 133 Prozent. Mit dem starken Partner Thüga Erneuerbare Energien GmbH & Co. KG (THEE) kooperiere man auch bei der geplanten Freiflächen-Photovoltaik-Anlage auf Külsheimer Gemarkung. Dort soll auf 65 Hektar Fläche, die komplett von Wald umrandet ist, Baden-Württembergs aktuell größte Freiflächen-PV-Anlage entstehen. Rund 35 Hektar davon konnten sich Stadtwerk und THEE sichern. Der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan im Külsheimer Gemeinderat ist bereits gefasst, 2021 soll das Projekt realisiert werden.

Thomas Tuschhoff (Grüne) lobte die weitsichtige Geschäftsführung des Stadtwerks und deren wichtige Unternehmungen in den Zukunftsbereichen Sonnenenergie und Windkraft, Naturwärme und E-Mobilität. 50 Prozent des erzeugten Stroms kämen mittlerweile aus erneuerbaren Energien, freute sich Tuschhoff und gab als Wunschziel bis 2050 aus, hier 100 Prozent zu erreichen.

Auch Jochen Flasbeck (Freie Wähler) und Wolfgang Herz (CDU) begrüßten das erfolgreiche Wirtschaften des Stadtwerks zum Wohl der Stadtkasse, während Alexander Hay (CDU) zur langen Dauer bei der Realisierung von Erdgas-Hausanschlüssen und zur Überstunden-Belastung der Stadtwerk-Mitarbeiter nachhakte. Geschäftsführer Paul Gehrig begründete die Wartezeiten bei Gasanschlüssen mit der enorm gestiegenen Nachfrage und den begrenzten Kapazitäten und er sprach von einem flexiblen Arbeitszeitmodell im Stadtwerk, das gut funktioniere und bis zu 80 Überstunden erlaube, ebenso wie deren Abbau durch Freizeit in Absprache mit den Kollegen. Dass Bauarbeiten des Stadtwerks auf den Straßen oft unschöne Spuren auf dem Asphalt hinterließen und hier viel Flickwerk sei, monierte Hay noch und Gehrig notierte sich dies und versprach mehr Kontrolle.

Jordan Murphy (SPD) gab dem Stadtwerk-Geschäftsführer ebenfalls noch einen Arbeitsauftrag mit: eine Potenzialanalyse für Photovoltaikanlagen auf städtischen Gebäuden. sw/sabix

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