Bad Mergentheim

Leben ohne Plastik Vortrag von Autorin Nadine Schubert / "Produkte selbst herstellen"

320 000 Becher in nur einer Stunde

Bad Mergentheim."Besser leben ohne Plastik" lautete der Titel eines Vortrages der Autorin Nadine Schubert bei der Buchhandlung Moritz und Lux. Die Veranstaltung war Teil der zum vierten Mal präsentierten "Woche des unabhängigen Buchhandels".

Die im unterfränkischen Oberaurach lebende Nadine Schubert arbeitete unter anderem zwölf Jahre lang als Radiomoderatorin sowie sechs Jahre bei ihrem heimischen Landratsamt als Online-Redakteurin. Seit 2015 ist sie mit Vorträgen zum Thema Plastik- und Müllvermeidung unterwegs. Parallel dazu hat sie zwei Bücher geschrieben.

"Wir haben unser Privat- und Familienleben hinsichtlich Gebrauch und Vermeidung von Plastik allmählich vollkommen umgestaltet", berichtete die verheiratete zweifache Mutter zu Beginn ihres Vortrags. Sie halte nicht viel von Recycling, denn das meiste, was weggeworfen werde, lande in der Müllverbrennung. "Der beste Müll ist der, der gar nicht erst anfällt", gab sie als Devise aus. Ein Leben ohne Plastik sei gesünder und umweltfreundlicher, erklärte Schubert. Diese Aussage untermauerte sie mit Daten. So sei zum Beispiel das menschliche Blut sehr stark mit Phenol A von in Plastik verpackten Lebensmitteln belastet.

"Rund 140 Millionen Tonnen unseres Plastikmülls landen im Meer und jährlich kommen etwa acht Millionen Tonnen hinzu", bezifferte Schubert die enormen Umweltbelastungen. Zudem lande viel Plastikabfall im Biomüll und müsse anschließend mit enormen Aufwand aussortiert werden.

Alleine in Deutschland würden pro Stunde 320 000 "Coffee-to-go"-Einwegbecher verwendet und anschließend weggeworfen sowie pro Jahr drei Milliarden Kaffeekapseln und 89 Milliarden Einwegflaschen als Müll anfallen. Selbst PET-Pfandflaschen würden nach dem Schreddern zumeist in Asien energieaufwendig zu Polyesterfasern verarbeitet. Diese landeten dann als Fleece-Pullover erneut auf dem deutschen Markt.

"Plastik an sich ist nicht schlecht, ich verteufle jedoch Plastik, das nach kurzem Gebrauch oder sogar wenigen Minuten im Müll landet", stellte die Referentin klar. "Wir Verbraucher bestimmen mit unserem Konsumverhalten mit, was hergestellt wird und was sich ändern kann", appellierte sie an die Zuhörer. Waschmittel, Haushaltsreiniger sowie Kosmetika und Körperpflegemittel könnten leicht und sogar überwiegend kostengünstig selbst hergestellt werden. "Packen Sie es Schritt für Schritt an, drehen Sie jedoch nicht durch, werfen Sie nicht alles weg - und gönnen Sie sich auch mal eine Auszeit", betonte sie am Ende ihres Vortrages. pdw