Assamstadt

Neuer „Nahkauf“-Markt in Assamstadt Mit dem Einbau eines Naturwärmespeichers leistet man einen klimafreundlichen Beitrag / Vorreiter in der Region

Sieben Tonnen CO2-Einsparung pro Jahr

Archivartikel

Der Begriff Nachhaltigkeit genießt beim „Nahkauf“-Markt in Assamstadt höchste Priorität. Kurz vor dessen Eröffnung wurde jetzt der neue Naturwärmespeicher eingebaut.

Assamstadt. Seit der Inbetriebnahme des alten Marktes, der von mehr als 280 Bürgern als Gesellschafter getragen wird, sind der Erfolgsgeschichte bereits zahlreiche Kapitel angefügt worden. Längst war man am alten Standort an die Kapazitätsgrenzen gestoßen. Um die Nahversorgung in der 2300-Einwohner-Kommune auch künftig zu gewährleisten, musste gehandelt werden. Die Lösung: In Kooperation mit der Gemeinde sollte ein neuer, viel größerer Markt gebaut werden. „Das hat viele Mühen gekostet und mancher Schweißtropfen ist geflossen“, lachen die beiden Beiratsmitglieder Rolf Nied und Otto Deißler im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten. Doch aller Einsatz habe sich gelohnt. Denn mit etwas Stolz blicken die beiden auf den 17. Oktober, wenn der Einkaufsmarkt eröffnet wird. „In dieser Form ein Pilotprojekt, für das sich bereits viele andere Gemeinde interessieren.“

Effiziente Wärmequelle

Doch auch auf einem anderen Gebiet sind die Assamstadter eine Art Vorreiter: Mit Unterstützung der Firma Max Bögl wurde jetzt ein Naturwärmespeicher installiert, eine recht effiziente Umweltwärmequelle, die das Gebäude gleichermaßen heize und kühle, wie Martin Heffner, Energie-Ingenieur bei Bögl, erklärt. Solch eine Anlage gebe es bundesweit in dieser Größe ganz selten, in der Region sei der Markt in Assamstadt Pionier.

Während des Tages nehme die Anlage die Sonnenenergie direkt auf und könne warmes Wasser erzeugen. Der in Modulen aufgebaute Naturwärmespeicher sei ein kleiner Brunnen, der – je nach benötigter Kälteleistung – miteinander kombiniert werde und so zu einem kleinen See zusammengebaut werden könne. Der Speicher schwimme in einem „Gewässer“ und bleibe dank seines Gewichtes immer stabil, auch wenn man ihn betrete, führt Heffner weiter gegenüber unserer Zeitung aus.

Er fungiere im Sommer und den Übergangsphasen als „ganz normale“ Wärmequelle für die Wärmepumpe. Diese nehme die von der Sonne ans Brunnenwasser abgegebene Sonnenenergie auf und führe sie als Umweltwärme an die Wärmepumpe. Das Prinzip funktioniere ebenso rückwärts. So könne beim Kühlen mit der Wärmepumpe anfallende Abwärme zum Aufheizen des Naturwärmespeichers zwischengespeichert werden und später als wieder als Wärmequelle dienen.

Doch auch bei längeren Kältephasen könne der Speicher das Gebäude weiter heizen. Der Teich vereise und werde dank der darin gespeicherten Energie zum Wärmevorrat. Der integrierte Eisspeicher erweitere die verfügbare Energiemenge und werde bei längeren Kälteperioden genutzt. Der Eisspeicher habe eine Kapazität für mehrere Tage. Die Speicherkapazität reiche für einen Tag und mache den Naturwärmespeicher flexibel und reaktionsschnell. Es reichten kurze Wärmephasen, um den Brunnen-Speicher immer wieder aufzuladen und das Eis abzutauen.

Hoch kompliziert

„Ein hoch kompliziertes Gebilde“, weiß Rolf Nied. Und es sei alles andere als einfach gewesen, dies durchzubringen. Doch dank des langen Atems habe man es geschafft, auch wenn der Weg mit einigen Hürden gepflastert gewesen sei. „Die Gemeindeverwaltung hatte zurecht einige Bedenken“, so das Beiratsmitglied im Gespräch mit unserer Zeitung. Schließlich sei ein Start-up-Unternehmen – ein solches hatte den Naturwärmespeicher entwickelt – mit einigen Risiken behaftet. Doch es seien schließlich alle Register gezogen worden – und die Firma Max Bögl habe sich mit Erfolg eingebracht. Das fertige Resultat des ganzen Tuns sei nun hier zu sehen.

„Nach sechs Jahren hat sich diese Anlage, für die es auch von staatlicher Seite einen Zuschuss über 8000 Euro gibt, schon amortisiert“, blickt Nied voller Optimismus nach vorn – und dann werde bares Geld gespart. Beträchtlich sei die Nachhaltigkeit bereits, was den Klimawandel angehe. „Volumenmäßig sparen wir pro Jahr 150 40-Tonner-Lkw-Ladungen klimaschädliches CO2 ein, was sieben Tonnen entspricht.“

Und dies sei bei Weitem noch lange nicht das Ende der Fahnenstange. „Denn nach Inbetriebnahme des Marktes wird auf dem Dach eine Photovoltaik-Anlage installiert, mit deren Hilfe wir unseren eigenen Strom produzieren“, führt er weiter aus. Und dies sei immer noch nicht alles, denn auf dem Parkplatz des Marktes würden je eine Ladestation für Elektroautos und E-Bikes geschaffen.

Rewe-Chef wird erwartet

Zur Eröffnung des Marktes wird auch der Deutschland-Chef der Rewe-Gruppe, John-David Neuhaus, – neben weiteren Ehrengästen – erwartet, um sich über dieses „Leuchtturmprojekt“, wie es Assamstadts Bürgermeister Joachim Döffinger bezeichnete, detailliert zu informieren. Und dies dürfte er mit größtem Interesse tun, denn der Kölner Handelsriese hat sich auf die Fahnen geschrieben, sich erfolgreich gegen den Klimawandel zu stemmen.