Assamstadt

Fastnachter durch und durch Horst Wachter, Ehrenpräsident der Assamstadter „Schlackohren“, wird 80 Jahre alt / Viele Jahre auch kommunalpolitisch Akzente gesetzt

„Prinzen-Rolle“ närrischer Startschuss

Archivartikel

Was Margit Sponheimer für die Mainzer Fastnacht, ist Horst Wachter für die Assamstadter „Schlackohren“ – eine echte Ikone. An diesem Samstag wird der allseits geschätzte Tausendsassa 80 Jahre alt.

Assamstadt. Horst und sein Bruder Gerd – im Kindesalter ein unzertrennliches Duo. Und durchaus prädestiniert, als Priester in den kirchlichen Dienst einzutreten – so zumindest hätte es sich seinerzeit der frühere Assamstadter Ortspfarrer Wilhelm Frank für die beiden Absolventen des Tauberbischofsheimer „Konvikts“ gewünscht. Doch letztlich habe die Liebe zu seiner späteren Frau Marianne derartigen Plänen einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht, lacht Horst Wachter. Denn sonst wäre die örtliche Narrenschar wohl um eine echte Attraktion ärmer. Und zwar bis in die Gegenwart hinein.

Jubilar startet wieder durch

Vier Kinder und sieben Enkel zählen mittlerweile zur recht großen Familie. Und alle sind sie froh, dass der Senior im Haus einen kürzlichen Klinikaufenthalt gut überstanden hat – und an seinem Geburtstag wieder durchstarten kann. „Zunächst aber natürlich noch etwas mit Bedacht“, schmunzelt der Jubilar, dem der Schalk sichtbar im Nacken sitzt.

Das Licht der Welt hat Wachter am 18. Juli 1940 zwar im thüringischen Schleiz erblickt. „Dennoch fühle ich mich als waschechter Assamstadter“, sagt er aus voller Überzeugung – einer nämlich, der in all den Jahren seine Spuren hinterlassen und sich bleibende Verdienste in der Kommune – und weit darüber hinaus – erworben hat.

Horst Wachter, übrigens seit 2000 Ehrenpräsident der „Schlackohren“, hat vor allen Dingen der Fastnacht seinen Stempel aufgedrückt. „Los gegangen ist es 1966, als ich nach einer schlaflosen Nacht schließlich zugesagt habe, mit meiner Frau als Prinzenpaar zur Verfügung zu stehen“, blickt er zurück. Schon da sei versucht worden, ihm Steine in den Weg zu legen, lacht er im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten. Denn ein Vertreter der Schulbehörde habe ihn, der eben erst seine Tätigkeit als Pädagoge begonnen hatte, aufgefordert, das Amt des Prinzen nicht anzunehmen, da er „alle Lehrer in Kreis blamieren“ würde. „Einen Rückzieher habe ich natürlich nicht gemacht“ – und auf die „angedrohten Konsequenzen“ warte er bis in die Gegenwart . . .

Wer A sagt . . .

Fasching und Horst Wachter – sie haben sich gesucht und gefunden. Mit der „Prinzen-Rolle“ war’s nämlich nicht getan. Denn wer bei den „Schlackohren“ A sage, der sage auch B. Und der Jubilar, so teilt er mit, habe sich mit seinen Auftritten für weitere Aufgaben während der närrischen Zeit qualifiziert. Und dafür habe er sich auch nicht breitschlagen lassen müssen. Schließlich sei er ja von frühester Kindheit an mit all jenen Talenten reichlich gesegnet gewesen, die ihn für sein karnevalistisches Tun geradezu prädestiniert hätten: Humor, Schlagfertigkeit, ausdauernde Feierlaune, ehrenamtliches Engagement – und vor allen Dingen ein wahres Organisationstalent.

„Einmal ,Schlackohr’, immer ,Schlackohr’“ – dieses Motto habe in all den Jahren sein Tun bestimmt: 34 Jahre Sitzungspräsident, lange Zeit Vorsitzender der „Schlackohren“, deren Vereinsgründung er 1976 in die Wege geleitet hatte, Mitbegründer der Kinderfastnacht – und seit 1970 Organisator des traditionellen Rosenmontagszuges. „Meine Frau war immer die Leidtragende, wenn es zum Beispiel um Urlaub ging, aber sie hat mir den Rücken stets freigehalten“, dankt Horst Wachter seiner Marianne, dass sie mit ihm durch „viele Höhen und einige Tiefen“ gegangen sei. Auf die Frage, worin für ihn der Reiz liege, so lange aktiver Fastnachter zu sein, meint der Neu-Achtziger: „Ich genieße die Begegnung mit den Leuten und bin es meiner Gemeinde, in der mich der große Zusammenhalt fasziniert, schuldig, einiges zurückzugeben.“

Ach ja, Horst Wachter ist zwar Fastnachter durch und durch – doch nicht nur das. Knapp vier Jahrzehnte war er voller Leidenschaft Pädagoge, zuletzt 18 Jahre als Leiter der Grundschule seiner Heimatgemeinde. Und auch kommunalpolitisch war er lange Zeit an vorderster Front aktiv: in seinem früheren Wohnort Unterschüpf als Gemeinderat und zweiter Bürgermeister von Boxberg, danach zwei Jahrzehnte als Bürgervertreter im Assamstadter Gemeindeparlament, darüber hinaus zwischendurch ebenfalls als Stellvertreter des Schultes. Weiterhin leitete er als Mitglied des örtlichen Kirchengemeinderates die Geschicke der katholischen Pfarrgemeinde und hat auch in dem einen oder anderen Verein Akzente gesetzt.

Sein Einsatz in all den Jahren „hat manchmal auch einige Nerven gekostet“, er wolle die Zeit aber keinesfalls missen. Für ihn sei wichtig zu wissen, dass er für alle ein stets verlässlicher Partner sei. „Der Horst, der macht das“, ist immer wieder zu hören. Allerdings liege der Erfolg vor allem darin begründet, dass der Teamplayer Horst Wachter immer eine Mannschaft hinter sich versammelt wisse, in der ein Rädchen in das andere greife.

Dankbar für das Erreichte

Die Fastnacht liege ihm weiter sehr am Herzen, macht das Geburtstagskind deutlich, das mit „großer Dankbarkeit“ auf das zurückblicke, was er alles erreicht habe („Ich würde vieles wieder so machen“). Doch er sei auch erleichtert über die Tatsache, dass mit Oliver Hammel ein Nachfolger für den Posten des Umzugsleiters gefunden sei.

Die neu gewonnene Freizeit wolle er seiner Familie widmen und vor allen Dingen mit seiner Frau genießen, eventuell auch bei Urlaubsaufenthalten, die in der Vergangenheit etwas zu kurz gekommen seien. Langweilig werde es ihm bestimmt in Zukunft nicht. Denn die Fastnacht werde ihn auch künftig nicht loslassen, zumal für ihn bereits in acht Jahren das nächste närrische Jubiläum bevorsteht: der 88. Geburtstag.

Für den Achtzigsten an diesem Samstag hat er vor allen Dingen einen Wunsch: Gesund bleiben und die kommende Zeit mit seinen Lieben genießen. Die Fränkischen Nachrichten schließen sich den vielen Glückwünschen an.