Ahorn

Waldbegehung Der Gemeinderat Ahorn machte sich ein Bild vom Zustand des Forsts / Zusätzliche Baumarten werden getestet

„Wir müssen unser Spektrum erweitern“

Archivartikel

Das Thema „Waldumbau“ zog sich wie ein roter Faden durch die knapp dreistündige traditionelle Waldbegehung des Gemeinderats Ahorn.

Ahorn. Der darunter zu verstehende Ersatz labiler, durch standortangepasste, klimaresiliente Baumarten wurde an sieben ausgewählten „Waldorten“ im Distrikt „Seewald“ beleuchtet.

„Achtung!“ – ein langgezogener Schrei gellt durch den Ahornwald, gefolgt von einem Rauschen und kräftigen Krachen. Eine über 30 Meter hohe Esche fällt zu Boden. Forstwirt Paul Frank demonstriert den Gemeinderäten dabei die Sicherheitsfälltechnik. „Wie der Name vermuten lässt, erwartet uns hier dichter Lehm oder Ton im Untergrund, verbunden mit viel Staunässe vor allem im Winter“, erklärt Amtsleiter Karlheinz Mechler.

Dieser nasse Boden wurde den flach wurzelnden Fichten am ersten Haltepunkt beim Sturm „Sabine“ im Frühjahr zum Verhängnis. Schräg stehende Baumstümpfe und Wurzelteller zeugen noch vom einst dicht mit Fichten bestandenen Areal, doch versprechen Wuchshüllen und die bereits fertige Einzäunung neues Leben.

Fichte sturmgefährdet

Da die Fichte den Sauerstoffmangel durch das gestaute Wasser nicht vertrage, bilde sie nur flache Wurzelteller aus, demzufolge sei sie sehr sturmgefährdet. Handle es sich überdies um einen homogenen Bestand, werde er durch den Sturm „angerissen“ und anschließend durch Käferbefall „aufgerollt“. Darum werde die Fläche nun mit Eichen bepflanzt, die den wasserstauenden Boden gut durchwurzeln.

Darüber hinaus werde auch die Naturverjüngung der Eichen gepflegt, deren Wurzeln sich unbeschadet ausbilden und deren Sämlinge aus dem üppigen Energievorrat der Eicheln zwei bis drei Jahre überleben können, ohne selbst ausreichende Vorräte durch Photosynthese zu bilden, so der Fachmann.

Die Gefahren und Probleme beim Einschlag absterbender Bäume werden dem Gremium an einer Esche demonstriert. Forstwirt Frank ließ hierbei ein starkes „Halteband“ am Stamm stehen, es gebe keine Erschütterungen, die das Herabfallen dürrer Äste begünstigten, der Fällkeil werde ferngesteuert, so dass sich der Waldarbeiter „komplett raus aus dem Kronenbereich“ befinde. Auch Revierleiter Michael Häffner lässt nicht den geringsten Zweifel an dieser Fällmethode. Es ginge hier nicht nur um reine Wirtschaftlichkeit, sondern „hauptsächlich um die Sicherheit. Sichtlich beeindruckt sind die Räte von der Vorführung des Forstspezialschleppers. Fasziniert verfolgen sie, mit welch unglaublicher Genauigkeit und Finesse Frank mit dieser imposanten Maschine Berge an Baumkronen und Stämme verräumt, die in den Greifern nahezu streichholzgleich wirken, als sie durch die Luft schweben.

Nach dem Einschlag des geschädigten Bestandes werde auf dieser Fläche, im Quellbereich der Rinna, gezielt mit Schwarznuss experimentiert. „In den Rheinauen gibt es sehr schöne Exemplare mit tollen Stämmen“, schwärmt Mechler, gibt aber umgehend zu bedenken, dass diese sehr frostanfällig sei. Daher teste man auch in geringer Stückzahl die Einmischung der Hybridnuss, die rund drei Wochen später austreibe und so besser über mögliche Frostnächte im Mai komme. „Wir wollen durch zusätzliche Baumarten unser Portfolio erweitern“, erläutern die Fachleute unisono.

Attraktive Mischung

Feldahorn, Esche und Hainbuche werden durch Naturverjüngung die dazwischen liegenden Flächen füllen, so dass eine attraktive Mischung entstehe. „Wir haben die Walderhaltung im Hinterkopf und müssen unser Spektrum erweitern“, konkretisiert Häffner die Intention, denn „Fichte, Buche und Esche fallen flächig.“

Als „Pioniertat“ bezeichnet Mechler das „flächenweise Runterrasieren“ eines Fichtenbestands Ende der 70-er Jahre. Die auf nassem Boden sturmgefährdeten Fichten wurden vor einem eventuellen Windwurf zielstrebig durch einen stabilen Eichenbestand ersetzt, quasi Waldumbau durch Neubegründung.

Die Tanne ist stabil

Im dicht daneben befindlichen etwa 60-jährigen Tannen- und Fichtenbestand – einst entstanden aus Naturverjüngung der Tannen und Anpflanzung von Fichten auf den Fehlstellen – wurde später konsequent auf die Förderung der Tanne gesetzt, die vergleichbar mit der Eiche, den wasserstauenden Boden gut durchwurzle, so dass sukzessiv die „stabile“ Tanne die „labile“ Fichte ersetzte.

Als weitere Möglichkeit des Waldumbaus wird den Räten die „Vorausverjüngung“ stabiler Baumarten vorgestellt.

Die ehemals an einem weiteren „Waldort“ stehenden Schadeschen wurden entfernt und „trotzdem ist noch Wald da.“

„Risikostreuung muss immer unser Ziel sein“, betont Mechler. Junge, mit Stickeln markierte Weißtannen und Eschen bilden einen vorrätigen, allerdings extrem verbissgefährdeten Anfangsbestand, der mit Wuchshüllen in Einzelschutz hochgezogen werde, erklärt Häffner. Mit Staunen begutachten die Kommunalvertreter das über fünf Hektar große Gebiet, auf dem Sturm Wiebke 1990 fast alle Fichten komplett umgeworfen habe. Einzig die „Seewaldfichte“ erlangte traurige Berühmtheit. Umso größer ist daher die Freude, den hier entstandenen Mischwald zu bewundern, bei dessen Aufforstung zielorientiert auf Eichen gesetzt wurde. Wilde Obstgehölze säumen die Wegränder als Futterquelle für Wild, Vögel und Insekten. Zitterpappeln wurden eingemischt für Schmetterlinge, um nur einige ökologische Aspekte zu nennen. „Es ist ein toller Wald geworden“, freut sich Mechler.

„Um den Gemeindewald ist es nicht schlecht bestellt“, resümiert er und hält ein Plädoyer für die in der Waldbewirtschaftung unerlässliche Geduld. Gerade im Hinblick auf Eichen sei diese vonnöten. Wollte man früher den Kommunen mit schnell wachsenden Baumarten einen Geldsegen bescheren, erfolgte hier ein Umdenken, hin zu mehr Stabilität des Baumbestands. „Ahorn ist die einzige Gemeinde, in der der Eichenanteil zunimmt“, so der Förster.

Ausbildung fundiert

Bürgermeister Elmar Haas freut sich über die gute Zusammenarbeit, die fundierte Ausbildung der Forstwirte in Buch als Stärkung der Gemeinde und Region sowie über die lehrreiche Waldbegehung. Die von Mechler angemahnte Geduld betreffend stößt er ins gleiche Horn. Langer Atem und Geduld lohnten sich, „nicht nur im Wald, auch in der Corona-Situation.“