Adelsheim

Ortschaftsrat tagte Errichtung von Freiflächenphotovoltaikanlagen ebenso auf der Tagesordnung wie die Schaffung von neuen Wohnbauflächen in den „Langen Morgen“

Leibenstadt wird für Bauwillige erkennbar beliebter

Archivartikel

Leibenstadt.Zur ersten Sitzung des Leibenstadter Ortschaftsrates unter Corona-Bedingungen begrüßte Ortsvorsteher Dieter Stahl im voll besetzten großen Saal des Dorfgemeinschaftshauses auch Bürgermeister Wolfram Bernhard. Zunächst erläuterte Stahl die Auswirkungen und Besonderheiten der Corona-Pandemie: „Viele Vorhaben im Ort konnten nicht umgesetzt werden. Erkennbare Einbrüche bei den Steuereinnahmen führten bereits im April zu einer Haushaltssperre in der Stadt Adelsheim. Zudem verhinderten die auferlegten Hygienevorschriften und Abstandsregeln die vorgesehenen ehrenamtlichen Arbeitseinsätze der Bürger.“

Der Ortsvorsteher machte aber auch deutlich, dass das Virus nicht nur negative Auswirkungen für Leibenstadt habe, denn im Laufe des Jahres hätten sich Möglichkeiten ergeben, die für die Weiterentwicklung der Ortschaft von besonderer Bedeutung seien. „Sie müssen nur genutzt werden“, fügte er hinzu.

Unter „Bekanntgaben“ informierte der Ortsvorsteher über die Absicht der Stadt, auf der gesamten Gemarkung geeignete Grundstücke für die Errichtung von Freiflächenphotovoltaikanlagen zu suchen und auch bereitzustellen. Sollte die Teilgemarkung Leibenstadt davon betroffen sein, werde die endgültige Entscheidung unter Beteiligung des Ortschaftsrates erfolgen.

Weiter informierte Stahl über eine Begehung der alten Deponie „Klingenteich“, die durchgeführt wurde, um Pflegemaßnahmen im Rahmen der Nachsorge festzulegen. Dabei musste festgestellt werden, dass im Bereich des Holzlagerplatzes bei einzelnen Parzellen Pflegemaßnahmen dringend erforderlich sind. Er werde sich mit den betroffenen Pächtern in Verbindung setzen, um diese Angelegenheit in gegenseitigem Einvernehmen zu regeln.

Interessierte Familien

Anschließend gab der Ortschaftsrat drei Anträgen auf Erwerb jeweils eines Grundstückes in der Erschließungsanlage „Wanne“ seine Zustimmung und musste feststellen, dass damit nur noch ein einziger öffentlicher Bauplatz in Leibenstadt zur Verfügung steht, für den sich nach Stahls Worten bereits zwei bauwillige Familien interessieren.

Da der Bedarf an Bauplätzen deutlich zunimmt und Leibenstadt für Bauwillige erkennbar beliebter werde, müsse der Ortschaftsrat bei der weiteren Erschließung nun aufs „Tempo“ drücken. Deshalb erinnerte Stahl an die Aufstellung des Entwicklungskonzeptes „Ortsrand- Nord“ im Jahr 1995. Bereits damals sollte mit den Teilabschnitten „Baumgärten“, „Wanne“ und „Lange Morgen“ die bedarfsgerechte Bereitstellung von bezahlbaren Wohnbauflächen über Jahrzehnte hinweg gesichert werden. Früher als erwartet rücke nun die Planung der „Langen Morgen“ in den Fokus aller Entscheidungen des Ortschaftsrates.

Wegen Befangenheit des Ortsvorstehers übernahm sein Stellvertreter Mathias Becker die Leitung der an Beratung. Becker verwies zunächst auf die überörtlichen Vorgaben, die ein stimmiges Verhältnis von Wohnbedarf, Flächenverbrauch und Naturhaushalt fordern und erläuterte anhand einer Planskizze die vorgesehene Flächenabgrenzung mit Ausweisung von Ausgleichsflächen und Darstellung der möglichen Erschließungsanlage. Nach ausführlicher Beratung gab das Gremium dem Entwurf, nach dem die Planung erfolgen soll, seine Zustimmung.

Grundstücksverhandlungen laufen

Becker berichtete kurz über die anstehenden Grundstücksverhandlungen. Nachdem die Eigentümer bereits bisher am Verfahren beteiligt waren und schriftlich ihre Zustimmung gaben, sollte dies eine reine Formsache sein. Wenn nicht, müssten diese Mitbürger die Verantwortung übernehmen, wenn es zu Verzögerungen komme.

Der nächste Tagesordnungspunkt, die Fortschreibung des Flächennutzungsplanes, wurde zügig abgearbeitet. Nachdem die erste Fortschreibung aus dem Jahr 2006 nun das Zieljahr 2020 erreicht habe, werde die zweite Fortschreibung nötig. In diesem Zeitraum haben sich auch in Leibenstadt Veränderungen ergeben, die zusammen mit der geplanten Wohnbauentwicklung in die Nutzungsplanung für die nächsten 15 bis 20 Jahre aufgenommen werden sollen. Nach kurzer Beratung stimmte der Ortschaftsrat dem vorliegenden Entwurf zu.

Um den Bauwilligen in der Corona-Zeit keine unnötigen Wartezeiten in der Bearbeitung ihrer Anträge zuzumuten, hat das Gremium im sogenannten „Umlaufverfahren“ dem Neubau eines Einfamilienwohnhauses und der Überdachung einer Loggia an bestehendem Wohngebäude zugestimmt. Diese Beschlüsse wurden nun bestätigt.

Beim letzten Tagesordnungspunkt, den Anträgen, Anfragen und Anregungen, machte Ortschaftsrat Gebhard Kunkel auf die gefährliche Verkehrssituation in der „Adolf-Lauer-Straße“ im Bereich Einmündung „Wanne“ aufmerksam. Da mit der Vernunft der Autofahrer nicht unbedingt gerechnet werden könne, stellte er zum Schutz der Kinder den Antrag auf Verlängerung des vorhandenen Gehweges bis zu dieser Einmündung beziehungsweise die Prüfung verkehrslenkender Maßnahmen.

Auf Nachfrage der Zuhörer gab Bürgermeister Bernhardt weitere Informationen über die Absicht der Stadt Adelsheim bezüglich der Errichtung von Freiflächenphotovoltaikanlagen. Er erläuterte das Konzept, an dessen Ende eine Bürgerenergiegenossenschaft stehen könnte, die zusammen mit der Stadt von dieser FPA profitieren könnte.