Adelsheim

Kreismitgliederversammlung Die Grünen ziehen Bilanz / Geplanter Besuch von Sozialminister Manfred Lucha in Mosbach abgesagt

„Jeder Einzelne muss sein Handeln überdenken“

Archivartikel

Adelsheim.Zur Kreismitgliederversammlung in Adelsheim begrüßten Amelie Pfeiffer und Andreas Klaffke, die Vorsitzenden der Kreis-Grünen, besonders den Referenten Dieter Hellmann und Bürgermeister Wolfram Bernhardt im Gasthaus Alessia.

Bernhardt freute sich über die Gelegenheit zu einem Grußwort und stellte die Stadt Adelsheim kurz vor. Im Anschluss schilderte er die Sinnhaftigkeit der öffentlichen Diskussion, um nicht nur in eigenen Überzeugungsgruppen steckenzubleiben.

Zuschüsse werden gestrichen

Aktuell sei die Verschuldung der Stadt in Folge des Hallenneubaus auf dem Eckenberg in einem Maße angestiegen, dass nahezu kein Raum für Freiwilligkeitsleistungen mehr bleibe und Zuschüsse für wertvolle Angebote, auch in der Kultur, gestrichen werden müssen. Das sei bitter und führe zu Enttäuschungen, doch der transparente Umgang wecke auch bürgerschaftliches Engagement und private Initiative, was ihn hoffnungsvoll stimme.

Forstdirektor Dieter Hellmann präsentierte zum Themenschwerpunkt „Wald im Klimawandel“ große Faktenkenntnis und zeichnete ein drastisches Bild der Schäden und der Herausforderungen im Wald. Für den Fachmann steht außer Frage: „Der Klimawandel ist Fakt!“ Er habe gravierende, teils katastrophale Folgen, auch im Neckar-Odenwald-Kreis.

Aktuell herrsche eine extreme Waldschutzsituation im heimischen Wald, gekennzeichnet durch ausgetrocknete Böden und viel Käferholz.

Begünstigt durch die milden Winter blieben viele Borkenkäfer am Leben. Aus dem Befall eines Baumes werde im Laufe eines Sommers bei drei Generationen und warmen Temperaturen der Befall von 8000 Bäumen möglich. Daher sei es extrem wichtig, dass im Frühling die Überwinterungsbäume des Borkenkäfers geschlagen werden. Im Jahr 2020 sei mit dem Höhepunkt der Borkenkäferpopulation zu rechnen.

Dürreschäden seien im gesamten Wald zu finden, der Großteil des Fichtenbestandes sei aktuell abgestorben. Die Fichten, die bisher überlebt haben, zeigen überwiegend Schäden an den Wurzeln, was die Wasseraufnahme erschwere. Auch die Buche gehe geschwächt aus den Hitzejahren hervor. Bei der Eiche seien ebenso vermehrt Schäden zu beobachten, die allerdings stärker auf Insekten wie Eichenprozessionsspinner und Schwammspinner zurückgingen, die ihr zusetzten. Und Ahorn als auch die Esche seien durch Pilzkrankheiten geschwächt und große Flächen abgestorben.

Holzmarkt eingebrochen

Düster dann auch der Blick auf die ökonomischen Folgen, den die anwesenden grünen Kommunalpolitiker mit Hellmann, selbst CDU-Gemeinderat, teilten. Bereits 2018 sei der Holzmarkt durch ein Überangebot an Sturm- und Käferholz zusammengebrochen. 2019 seien in Europa weitere 100 Millionen Festmeter Schadholz hinzugekommen (im NOK 140 000 Festmeter). In der Folge sei ein Einschlagstop im Staats- und Gemeindewald ergangen, um den Holzmarkt nicht weiter zu überschwemmen. Die einhergehenden Einnahmeverluste haben aus dem Wald als „Sparkasse der Gemeinden“ ein Zuschussgeschäft für die Kommunalhaushalte werden lassen. Auch in den Privatwäldern sei die Situation gleichermaßen dramatisch. Resümierend sah Hellmann für die Forstwirtschaft bezüglich der Veränderungen im Wald mehr offene Fragen als Antworten. Es werde vermehrt feuchte Frühjahre und trockene Sommer bei uns geben. „Diese Veränderung werden Fichten und Buchen nicht überleben“, selbst Kiefern und Douglasien, die eigentlich eine hohe Trockentoleranz aufweisen, hielten nicht alles aus.

Eiche, Spitzahorn oder auch Wildobst könnten mit diesem Klima besser auskommen. Auch Exoten wie Zerreiche, Atlaszeder oder Ungarische Eiche eignen sich für den Wald der Zukunft. Im Moment würden Versuchsflächen angelegt, um bessere Daten und Informationen zu erhalten. Etwa 14 Prozent des gesamten CO2-Ausstoßes der Bundesrepublik würden durch die Waldbewirtschaftung gebunden. Doch werden Wälder zu CO2-Quellen, wenn sie absterben. Es müsste verstärkt aufgeforstet werden, doch gebe es kaum Flächen dafür.

Der Wald leiste einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz doch Waldbewirtschaftung alleine reiche nicht, lautete sein Fazit. Es brauche auch aktive Klimaschutzpolitik und jeder Einzelne müsse sein Handeln überdenken. Klaffke und Pfeiffer dankten dem Referenten für seinen Vortrag und sahen die Grünen in ihren, die bisherigen Klimabeschlüsse deutlich übertreffenden Forderungen, bestätigt.

Breites Themenspektrum

Im weiteren Fortgang stellte sich Tanja Will als neue Leiterin der Geschäftsstelle des Kreisverbands vor. Mit ihr hoffe man die Arbeit noch intensivieren zu können. Auch berichteten die Vorstandsmitglieder vom breiten Themenspektrum in der Vorstandsarbeit, wo Verkehrspolitik, insbesondere Verbesserungen im Rad- und im Nahverkehr der Bahn im Blick seien. Krankenhauswesen und Gesundheitspolitik nehme aktuell großen Umfang ein. Hier hätte der am Mittwoch, 18. März, geplante Besuch von Sozialminister Manfred Lucha in Mosbach Aufschluss geben können. Er musste allerdings am Freitagnachmittag wegen des Coronavirus abgesagt werden.

Auch eine Arbeitsgruppe zur „G 5 -Problematik“ sei eingesetzt worden. Mit einem Veranstaltungsausblick auf den Workshop zur Grundsatzdiskussion am 5. April mit MdB Franziska Brantner und die Nominierung zur Landtagswahl am 14. Mai endete die Versammlung.