Adelsheim

Im Kulturzentrum in Adelsheim Kabarett-Programm „Sex sells – was willsch macha“ / Ausgabe von „Kontakt-Linsen“ und Ohrwürmer für das Publikum

„Herzhumoristin“ Sabine Schief eroberte Zuschauer im Sturm

Adelsheim.Mit ihrem Kabarett-Programm „Sex sells – was willsch macha“ lockte die Urschwäbin mit „Herzhumor“ Sabine Schief aus Baden-Württembergs Hauptstadt Stuttgart viele Zuschauer in das Adelsheimer Kulturzentrum.

Betreten hat den Raum Hildegard mit ihrem „Fifi“ (eine mit Lichterketten geschmückte Klobürste), einer der insgesamt vier Persönlichkeiten aus ihrer 76 Mann starken direkten Verwandtschaft, die Schief an diesem Abend im Wechsel zu Wort kommen ließ.

Das Eis gebrochen hat Hildegard beim Eintreten durch das Übergeben von „Kontakt-Linsen“ an einen Zuschauer, die sie als sparsame Schwäbin selbstverständlich wieder zurück haben wollte. Gespickt war Schiefs Programm mit Anspielungen auf die zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen Mann und Frau, die häufig durch hormonell bedingte Ungleichheiten in Konflikten enden.

Immer wieder lockerte Schief ihre Show mit Gesangseinlagen auf, die sie bravourös dank Gesangsausbildung meisterte und die Zuschauer mit altbekannten, aber umgedichteten Songs wie Queens „We will rock you“ als „I ben grädich“ mitriss und zum Mitsingen animierte.

Ihr „Pudelsong“ zu Michael Holms „Tränen lügen nicht“ verriet, dass Schief selbst Hundeliebhaberin zu sein scheint. Ihre große Familie muss immer herhalten, um neue Bühnenprogramme auszutesten. So auch dieses Mal. Allerdings stieß der Titel „Sex sells“ bei der älteren, des Englischen nicht allzu mächtigen Verwandtschaft, auf Unverständnis, da er „schwäbisiert“ als „Sechs G‘sälz“, zu hochdeutsch „Sechs Marmeladen“, interpretiert wurde und somit der Sinn des Stücks verloren ging. Dieses Missverständnis findet man auch in Schiefs Bühnendekoration als Leuchtschrift wieder.

Auch als Verwandter „Georg“ mit kariertem brauen Sakko und Altherrenhut machte Schief eine gute Figur und erklärte dem Publikum die kleinen, aber feinen Unterschiede zwischen Frauen und Männern.

Früher lief das Kopfkino beim Mann einfacher ab, da Frau und Mann klar zu unterscheiden waren. Heute, in der Zeit des Unisex, sind die Geschlechter nicht mehr klar erkennbar, und ihre Lebensläufe kann man auf ihrer Haut in Form von Tattoos ablesen.

Auch erfuhren die Zuschauer, dass Männer beim Sex kein Vorspiel benötigen, da sie „betriebswirtschaftlich schaffe“.

Immer wieder erfuhr das Publikum Privates aus Schiefs Verwandtschaft, die teils „vom Hals auf schwach strukturiert“ ist. Und trotz familiärer Differenzen kommt es zu einem jährlichen Familientreffen, bei dem 76 Personen letztes Jahr in Schiefs 65 Quadratmeter kleinen Wohnung aufeinandertrafen. So auch der dick gewordene Vetter, der nach der Zeugung der vielen Kinder von „Zucht auf Mast“ umgestellt hatte, und Tante Irina Kalashnikov aus Kasachstan mit authentischem Dialekt, von Schief wiedergegeben, waren zugegen.

Tante Irina kam mit einer Lebensweisheit nach der anderen daher. Sie erklärte auch, dass alle Männer wissen möchten, was Frauen wollen, diese es aber „selbst nicht wissen, aber fest entschlossen sind, es zu bekommen“.

Aus diesem Grund solle Mann sich vorstellen, dass Frau ein Auto sei, dem er mehr Aufmerksamkeit widme als der Ehefrau: die Frau muss scheckheftgepflegt sein und sollte am besten täglich einen Service erhalten. „Bei guter Pflege bleiben wir (die Frauen) in erster Hand bis zum H-Kennzeichen“, so Tante Irinas Tipp. Als letztes Familienmitglied präsentierte sich Schief als Kleinkind, das „Schwänglisch“ (eine Mischung aus Schwäbisch und Englisch) schon im Mutterleib gelernt hat und deshalb nicht nur ein Babyphone, sondern auch eine Babydrohn(e) hat, anstatt Mittagsschlaf zu halten in den Sleep Modus fällt und auf den IPod statt auf das Töpfchen geht.

Als Zugabe lieferte Schief ein Lied über schwäbische Kose- und Schimpfwörter und rundete den Abend mit dieser Ode an alle Dialekte ab.

Das begeisterte Publikum verabschiedete die Kabarettistin mit großem Beifall und hofft auf weitere unterhaltsame Abende im Adelsheimer Kulturzentrum – vielleicht auch wieder mit Sabine Schief und ihrem „schiefen“ Humor. Vanessa Sauter