Adelsheim

Nachruf Hilde Kilian ist am Mittwoch gestorben / Jahrzehntelanges Engagement in der JVA Adelsheim / Unter anderem das Bundesverdienstkreuz erhalten

Für junge Strafanfällige zur Ersatzmutter geworden

Adelsheim.„Ein wirklich erfülltes Leben ist zu Ende. Wir sind Hilde Kilian zutiefst dankbar“, reagierte Anstaltsleiterin Katja Fritsche tief betrübt auf die Nachricht vom überraschenden Tod der Adelsheimer „Knast-Oma“ am Mittwoch.

1975 hatte Hilde Kilian in der Adelsheimer Jugendvollzugsanstalt begonnen, mit inhaftierten Jugendlichen floristisch-gestalterisch zu arbeiten, diese Arbeit zur umfassenden Gefangenenbetreuung ausgeweitet und bis zum Corona-Lockout in diesem Frühjahr fortgesetzt. Für ihr unermüdliches Engagement war die gelernte Floristin, die 1965 mit ihrer Familie aus Paderborn nach Adelsheim gezogen war, mit hohen Auszeichnungen gewürdigt worden. Im Mai 2004 wurde ihr von der „Internationalen Stiftung zur Förderung von Kultur und Zivilisation“ die „Theodor und Friederike Fliedner-Medaille“ für ihren Beitrag zur Humanisierung des Strafvollzugs übergeben. Am „Internationalen Tag des Ehrenamtes“ im Dezember 2009 erhielt sie aus den Händen von Ministerpräsident Günter Oettinger das Bundesverdienstkreuz. Auch in der überregionalen Presse und im SWR-Fernsehen wurde sie mit Beiträgen wie „Hilde und ihre Mörder“ porträtiert.

Jährlicher Höhepunkt ihres Engagements an der Seite von Freizeitpädagogin Irmtraud Friedlein, das von ihrer Familie über all die Jahrzehnte unterstützt und mitgetragen wurde, war der Weihnachtsbasar, bei dem die Produkte aller Freizeitgruppen zu Ausstellung und Verkauf kommen. Wertvoller noch als die Erzeugnisse ihrer „Blumensteckgruppe“, in der sie mehrmals wöchentlich mit Insassen floralen Schmuck, Raum- und Tischdekoration sowie kunsthandwerkliche Kleinskulpturen fertigte, sei der Er- und Beziehungsprozess gewesen, so Anstaltsleiterin Katja Fritsche. Kilian sei für Dutzende von jungen Straffälligen Ersatzmutter und -Oma geworden, eine „Mutter Courage“ und Vertrauensperson für Probleme im Vollzug, habe bei familiären Schwierigkeiten vermittelt und geholfen, verloren gegangene Bindungen wieder in Gang zu bringen und zu festigen. Vielfach habe sie beigetragen, verlorene Kindheit nachzuholen und so einen wertvollen Beitrag zur Resozialisierung der Jugendstrafgefangenen, die sie häufig auch über die Haftentlassung hinausbegleitete, geleistet.