Adelsheim

Tag des offenen Denkmals Adelsheim hatte mit Schlosspark, Jakobskirche und Museum gleich mehrere Anlaufstellen zu bieten

Fachkundige Führungen erlebt

Gleich mehrere Ziele konnten historisch Interessierte am Sonntag, am „Tag des offenen Denkmals“, in Adelsheim ansteuern.

Adelsheim. Fachkundige führten zum Unter- und Oberschloss des Freiherren von Adelsheim, durch den Schlosspark, durchs Bauländer Heimatmuseum, zur Jakobskirche und zum Judenfriedhof in Sennfeld, mit dem Ziel, die Besuchern für die Bedeutung des kulturellen Erbes zu sensibilisieren und Interesse für die Belange der Denkmalpflege zu wecken. Außerdem wurde eine Stadtführung entlang der historischen Gebäude durchgeführt. Der diesjährige „Tag des offenen Denkmals“ stand unter dem Motto „Entdecken, was uns verbindet“.

Hoher Stellenwert der Freiherren

Welch hohen Stellenwert die Freiherren von Adelsheim in der Entwicklung der Stadt einnahmen, machte Björn Mai bei seiner Führung durch den rund zwei Hektar großen Schlosspark mit Unter- und Oberschloss deutlich. Weit über das Umland hinaus ist auch das Adelsheimer Wappen auf Grabmälern in Kirchen und Kapellen sowie in Schlössern und an historischen Gebäuden ein Hinweis auf die weit verzweigten Linien verwandtschaftlichen Verbindungen, Funktionen des Geschlechts und die Verbindungen zur Bevölkerung. Das barocke Herrenschloss mit Park (Unterschloss) wurde erstmals 1338 erwähnt und wurde nach einem Brand von 1734 bis 1738 durch Friedrich Leopold, herzoglicher mecklenburgischer Hauptmann, wiedererbaut, erklärte Mai. Weiter informierte er über den Schlosspark, die Fischtreppen in der Kirnau und die ökologische Funktion des alten Baumbestandes. Der Park mit Wasserfall sei beim Ausbau eines neuen Kirnaubetts nach Art eines englischen Gartens (1733 bis 1738) entstanden.

Apothekengeräte neu im Museum

Kustos Günter Wörner mit seinem Team hieß die Besucher im „Bauländer Heimatmuseum“ willkommen. Das Museum in der ehemaligen Zehntscheune der Freiherren von Adelsheim aus dem Jahre 1758 gebe Einblicke in das Leben und Arbeiten der Menschen in Adelsheim und dem Bauland, betonte Wörner. Gezeigt werden bäuerliche Geräte und kleinstädtisches Handwerk. Einen kleinen ländlichen Gemischtwarenladen aus den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen stellte der Kustos vor, ebenso einen Hochzeitsschrank aus dem Jahr 1795. Dies sei eine Rarität des Museums, betonte Wörner.

Der Schrank stamme aus Merchingen und kam vor dem Zweiten Weltkrieg nach Adelsheim, so Wörner. Das Heimatmuseum sei seit kurzer Zeit durch eine Schenkung der Familie Wenig – sie war über 100 Jahre lang Besitzer der Apotheke – im Besitz einer zusätzlichen, beachtenswerten Ausstellung mit Gerätschaften und Literatur aus der alten Adelsheimer Apotheke, die in einer Glasvitrine ausgestellt sind. Viele Bürger erinnern sich noch an die alte Adelsheimer Apotheke, die in der Lachenstraße für die Arzneimittelversorgung nicht nur der Stadt, sondern des weiten Umkreises verantwortlich gewesen sei, so der Kustos. Neben alten Fachbüchern sei besonders ein handschriftliches Verzeichnis mit Rezepturen bemerkenswert, in dem auch Preise von Drogen und Chemikalien aufgelistet seien.

Die Original-Promotionsurkunde der Universität Heidelberg, mit erhaltenem Siegel für den Apotheker Dr. phil. Wilhelm Wenig sei ebenso ein Blickfang wie das Originaletikett eines Magenpulvers, das die Apotheke 1881 für den Freiherrn von Berlichingen angefertigt hat. Neben verschiedenen Gewichtssätzen sei eine kleine Balkenwaage besonders zu erwähnen, ebenso Standgefäße und zwei Destillationskolben, die aus einer Zeit stammen, in der in den deutschen Apotheken eine Vielzahl von wichtigen chemischen Entdeckungen gemacht worden seien, betonte Wörner.

Kunsthistorisch bedeutsam

Der Hobbyhistoriker und fachkundige Kirchenführer Albert Rückert teilte den Besuchern mit, dass die historisch bedeutende Jakobskirche im Jahr 1489 erbaut wurde. Sie habe ein gotisches Chorgestühl und über 60 bedeutende Grabmäler der Freiherren von Adelsheim im Innern, dazu ein Holzkruzifix und Wandbemalungen aus der Renaissance.

Damit sei die am Jakobsweg liegende Kirche, ausgehend vom 14. bis 18. Jahrhundert, über Renaissance, Barock und Rokoko, kunsthistorisch von großer Bedeutung. Das 1556 evangelisch gewordene Adelsheim habe schwer unter dem „Dreißigjährigen Krieg“, der auch große Schäden an der Kirche verursachte, gelitten. So war die Decke der Grabkapelle eingestürzt, Wasser sei eingedrungen und habe die gesamte Kirche schwer beschädigt. Diese Schäden seien über 250 Jahre sichtbar gewesen, ehe sich der großherzogliche badische Kirchenbaurat Hermann Behagel dieser Situation erbarmte, erklärte Rückert.

Die originalen Renaissancewandgemälde von 1606 seien vollständig mit Öl-Lasur überstrichen worden. Die wertvollsten Grabmäler seien in der Grabkapelle und zeigten den Stifter der Kirche, den Kurmainzischen Amtmann von Miltenberg, Amorbach und Krautheim „Martin von Adelsheim“ und dessen Sohn Christoffel.

Der Heimatforscher Gottlieb Gräf zähle die beiden Grabmäler zu den besten Bildhauerarbeiten des Frankenlandes im späten Mittelalter, so Rückert. Neben den vielen anspruchsvollen Epitaphen falle vor allem der Stein des 1557 gestorbenen „Martin der Jüngere“, ein Enkel des Kapellenstifters, ins Blickfeld, erklärte Rückert.

Zu Restaurierungen der Kirche kam es 1957/1958 und 1992 bis 1996. Im Jahre 2012 erfolgte in der Grabkapelle eine Reinigung der Secco-Wandmalereien. Die Denkmalstiftung habe sich an diesen Restaurierungsarbeiten mit 10 000 Euro beteiligt und die Jakobskirche, vor allem wegen ihrer Kapelle, zum Denkmal des Monats Juni 2012 gekürt, so Rückert abschließend.

Über die Führung in Sennfeld wird noch berichtet.