Adelsheim

Spendenübergabe in Sennfeld Familien Schaffer und Spiesberger überreichten den Erlös einer Spendenaktion an die Eltern der schwer kranken Klara Bischoff

Eine Delfintherapie rückt in erreichbare Nähe

Archivartikel

Die Spendenbereitschaft von Privatleuten und Betrieben aus der Region ist für die Eltern der schwer kranken Klara Bischof eine große Hilfe und eine Freude.

Sennfeld. In Sennfeld wohnt die kleine Klara, die bereits in ihren ersten vier Lebensjahren so schwer vom Schicksal getroffen wurde, dass sie und ihre ganze Familie ein Leben lang damit zu kämpfen haben werden. Klara kann weder laufen noch sprechen und ist rund um die Uhr auf Betreuung angewiesen. Dennoch ist sie der Sonnenschein der Familie, denn sie kann sich freuen und gibt der Familie viel zurück.

Klaras erstes Jahr verlief normal

Klara hat sich im ersten Jahr normal entwickelt, bis die Diagnose Krebs kam. Zunächst musste sie zahlreiche Chemotherapien und über 200 Tage Krankenhaus-Aufenthalt wegen eines Tumors im Brustkorb hinter sich bringen.

Als dann auch noch kurz vor ihrer Entlassung das sogenannte Rett-Syndrom diagnostiziert wurde, war kein Tag mehr wie der andere. „Es war eine normale Geburt und bis zum Zeitpunkt war die Welt noch in Ordnung“, so Tobias Bischoff, der mit seiner Frau Julia dennoch dankbar ist, die kleine Klara zu haben, die eine ganz große Kämpferin ist, wie die Familie betont. Ohne ihren Überlebenswillen hätte sie die zahlreichen schweren Operationen nicht überlebt.

Betreuung rund um die Uhr

Klara braucht Tag und Nacht Betreuung, die meist von Mutter Julia geleistet wird. Klara wird nie ein normales Leben führen können und immer auf Hilfe angewiesen sein. Typische Symptome ihrer Krankheit sind eingeschränkte motorische Fähigkeiten, Autismus, Parkinson, zerebrale Lähmung, Zähneknirschen, Epilepsie und Skoliose. Viele betroffene Kinder entwickeln sich zurück. Wie sich die Krankheit aber tatsächlich auswirkt, weiß niemand – selbst die Ärzte nicht. Denn der Gen-Defekt wurde erst 1999 entdeckt und somit gibt es keine Patienten, die über 20 Jahre alt sind.

Erst im Frühjahr hat der „Kiwanis“-Club Möckmühl durch eine Spendenaktion ermöglicht, dass ein Reitzelt in Roigheim errichtet wird und ein Therapiepferd zur Verfügung steht. Nahezu täglich verbringt Klara rund 30 Minuten mit dem Pferd. Sie hat viel Freude mit dem Vierbeiner, ist nach der Therapie erschöpft, aber glücklich.

Das einzige, was Menschen mit dieser Krankheit bisher nachgewiesenermaßen hilft, sind Reit- sowie Delfintherapien. Beides fördert durch den Hautkontakt die Fähigkeit, wieder zu spüren. Gleichzeitig fördern die speziellen Bewegungen sowohl die Koordination als auch das Bewusstsein für den eigenen Körper. Allerdings werden diese Therapien durch die Krankenkassen nicht getragen.

Die inzwischen bekannte Therapie-Methode mit Delfinen fördert die Sinne der Patienten und macht sie wieder empfänglicher für die Reize ihres alltäglichen Umfelds.

Hohe Erfolgsquote

Im Rahmen einer Delfintherapie werden positive Veränderung erreicht und die Erfolgsrate ist hoch. Die Patienten zeigen bedeutende Fortschritte in Fein- und Grobmotorik, in der Sprache und in der kognitiven Entwicklung. Die soziale und funktionale Lebenskompetenz werden unterstützt. Dies wirkt sich positiv auf die physische Entwicklung aus, verbessert die Kommunikation, schafft mehr Selbstbewusstsein und mehr Entspannung – eine große Wende zum Besseren im Leben der kleinen Patienten und ihrer Eltern.

Delfine sind starke Motivatoren und wichtige Helfer, unter anderem in der „operanten Konditionierung“, das heißt, dass die Interaktion mit dem Delfin auch als Belohnung eingesetzt wird. Das geschieht folgendermaßen: Der Therapeut bittet ein Kind mit motorischen Schwierigkeiten, seinen Arm zu heben. Sobald es das tut, reagiert der Delfin und so wird das Kind motiviert, die Übung zu wiederholen. Auf diese Art und Weise gewinnt das Kind schnell und einfach Kontrolle über die neue Situation und baut sein Selbstbewusstsein auf.

Doch bei einer solchen Therapie belaufen sich die Kosten schnell auf rund 20 000 Euro. Dieser Betrag ist für betroffene Familien in unerreichbarer Ferne. Unterstützung gibt es vom Verein „Dolphin aid“ in Düsseldorf. „Dolphin aid“ hat sich zum Ziel gesetzt, so vielen Kindern und Erwachsenen wie möglich eine tiergestützte Intensivtherapie mit Delfinen zu ermöglichen.

Tobias Bischoff zeigt sich im Gespräch mit den FN sehr dankbar für die große Welle der Hilfsbereitschaft, insbesondere lobte er das Engagement der Familien Schaffer und Spiesberger, die, nachdem sie von Klaras Schicksal erfuhren, ihr Sommerfest des Seniorenzentrums Residenz Sonneneck (Osterburken) genutzt und eine Spendenaktion ins Leben gerufen haben. Tolle Unterhaltung genossen die Gäste mit dem Fanfarenzug Osterburken, der Musikschule Heilig, einem Drehorgelspieler, der Mädchentanzgruppe des SVO und der Damentanzgruppe einer Hüpfburg, Kinderschminken und einer Tombola. Die Spendenaktion stand unter dem Motto „Sie spenden – wir verdoppeln“. Auch zahlreiche Firmen und Handwerksbetriebe aus der beteiligten sich.

14 Tage auf Curacao

Kürzlich konnte Familie Bischoff den stattlichen Spendenbetrag in Höhe von 7000 Euro in Empfang nehmen. Außerdem spendete die Sennfelder Initiative „Einfach social“ nach dem Dorffest Sennfeld und einem Dorfabend mit Feuerschau rund 1100 Euro. Überwältigt von der Unterstützung durch die Bevölkerung und Betrieben sind Tobias und Julia Bischoff mit ihren Töchtern Leni und Klara sehr dankbar. Für sie rückt die Delfintherapie in greifbare Nähe. Geplant ist der 14-tägige Aufenthalt auf Curacao auf den niederländischen Antillen in den Pfingstferien 2020.