Adelsheim

Pilotprojekt In der Justizvollzugsanstalt Adelsheim arbeitet ein „Fellow“ von „Teach First“ mit jungen Häftlingen

„Das ist eine sehr interessante Aufgabe“

Adelsheim.Die Initiative „Teach First Deutschland“ startete am 1. Februar ein Projekt an der Schule innerhalb der Justizvollzugsanstalt Adelsheim. „Fellow“ Rahel Rude (28) wird zwei Jahre mit schulpflichtigen Insassen arbeiten. Sie absolvierte zunächst ihren Bachelor in Kulturwirtschaft und European Studies in Passau und setzte dann noch ein Masterstudium in Politikwissenschaft darauf. Für Rahel Rude ist das Projekt in Adelsheim eine „sehr herausfordernde und interessante Aufgabe“, wie sie im Gespräch mit den FN sagte. Ihr JVA-Einsatz ist ein gemeinsames Pilotprojekt der JVA Adelsheim, der Vector Stiftung und „Teach First Deutschland“.

Damit wird erstmals ein „Fellow“ von „Teach First Deutschland“ an einer Schule in einer Justizvollzugsanstalt arbeiten. In der JVA Adelsheim sind etwa 400 Insassen untergebracht, ungefähr 75 von ihnen sind schulpflichtig. Rahel Rude wird deren Unterricht begleiten und zudem Nachmittagsangebote für die Jugendlichen gestalten. Dabei arbeitet sie eng mit den Kollegen vor Ort zusammen. Sie wird zwei Jahre im Einsatz sein.

„Teach First Deutschland“ ist eine gemeinnützige Bildungsorganisation, die zeigt, dass Jugendliche in sozialen Brennpunkten erfolgreich sein können. Dafür sind Hochschulabsolventen verschiedener Studienrichtungen bundesweit an Schulen in sozial herausforderndem Umfeld im Einsatz. Mit dem JVA-Projekt arbeitet die „Fellow“ nun in einem der herausforderndsten Kontexte. Dort sollen Jugendliche erreicht werden, die außerhalb des Gefängnisses an verschiedenen Punkten gescheitert sind.

Initiiert wurde das Projekt von Maximilian Roser. Der Jurist ist Mitglied der JVA-Leitung und Alumnus von „Teach First Deutschland“. Er wird den Fellow-Einsatz intensiv begleiten und unterstützen.

Zum Start des Projektes sagte Edith Wolf, Vorstand der Vector-Stiftung, jeder Jugendliche habe die Chance auf ein gutes Leben, egal, ob er Strafgefangener sei oder nicht. „Die Vector Stiftung möchte mit der Förderung der ‚Gefängnis-Schule‘ dazu beitragen, die Zukunftschancen von jungen Strafgefangenen zu verbessern. ’Teach First Deutschland’ und die JVA Adelsheim sind die perfekten Partner für uns“, so Stein.

Auch Katja Fritsche, Leiterin der JVA, war von Anfang an begeistert von Maximilian Rosers überzeugender Idee, ein „Fellow“ von „Teach First Deutschland“ in die Jugendvollzugsanstalt zu bringen. „Seine Initiative und die Bereitschaft von ’Teach First Deutschland’ sowie der Vector -Stiftung, sich auf dieses Experiment einzulassen, werden uns sicher viele neue, wertvolle Erfahrungen liefern.“ Auch das System JVA solle lebenslang dazulernen.

Nicht zuletzt gehe es darum, benachteiligten jungen Menschen Teilhabe an Bildung und somit Integration in die Gesellschaft zu ermöglichen. „Und gerade unsere Schule ist ein spannender Ort, neue Impulse zu setzen und ganzheitliche Lehr- sowie Lernformen zu implementieren. Inklusion findet eben auch hinter Gittern statt.“

Initiator Maximilian Roser, Vollzugsabteilungsleiter der JVA Adelsheim, erklärte dazu: „Wir erhoffen uns, dass die ’Fellow’ zum einen den individuellen Bildungserfolg der Jugendstrafgefangenen an der ultimativen Brennpunktschule fördert und zum anderen mit ihrem besonderen, vollzugsfremden Profil den jungen Männern den Blick über den Mauerrand ermöglicht.“

„’Teach First Deutschland’ hat sich die Begleitung von Jugendlichen an Übergängen zur Aufgabe gemacht – insbesondere von Kindern und Jugendlichen, die aufgrund ihrer sozialen Herkunft größere Hürden dabei überwinden müssen und nicht immer verlässliche Unterstützung haben. Auch inhaftierte junge Menschen zählen zu dieser Zielgruppe“, erklärte Sonja Köpke, Leiterin Region Süd von „Teach First Deutschland“. Man freue sich sehr, die Jugendlichen in der JVA an diesem besonders herausfordernden Übergang begleiten zu dürfen.

Ein Gewinn für alle

Bürgermeister Wolfram Bernhardt würdigt die Arbeit von Anstaltsleiterin Katja Fritsche und ist beeindruckt von ihrem Glauben daran, dass man die ‚Jungs‘ zu eigenverantwortlichem Handeln erziehen könne. Er freut sich, dass diese Arbeit nun Unterstützung erfährt. Und das auch vor dem Hintergrund, dass sich so vielleicht Möglichkeiten finden, wie die JVA stärker in das öffentliche Leben Adelsheims eingebunden werden könne. „Seit Jahrzehnten bestehen zwischen der JVA und der Stadt einige Kooperationen, beispielsweise mit dem Sportverein und beim Herbstfest des Gewerbevereins. Wenn man hier anknüpfen könnte, wäre das nicht nur für die Stadt, sondern sicherlich auch für die Häftlinge ein großer Gewinn“, so Bernhardt. sab/pm