Adelsheim

Kultur in Adelsheim Am vergangenen Wochenende startete die bekannte Reihe in ihre neue Saison

Auf den Spuren von Beethoven und seiner Beziehung zu Frauen

Archivartikel

Adelsheim.Unter Coronabedingungen startete am Sonntag die neue Saison 2020/21 der Kultur in Adelsheim mit einem Lesekonzert über den Komponisten Ludwig van Beethoven und seiner Beziehung zu den von ihm geliebten Frauen. Christoph Soldan, Ausnahmepianist und Rezitator, begrüßte die zahlreichen Zuhörer in der kleinen Aula des Eckenberg-Gymnasiums und erläuterte sachkundig den neuesten Stand der Beethovenforschung.

Einfühlsam interpretiert

Eine seiner Schülerinnen war Therésè von Brunsvik, in die er sich verliebte. Aufgrund der Standesunterschiede war eine Verbindung jedoch unmöglich. Ihr widmete Beethoven die Klaviersonate „Fis-Dur 2 a Therésè op. 78“. Christoph Soldan tauschte Mikrofon gegen Flügel und interpretierte dieses zweisätzige Werk einfühlsam und ausdrucksstark.

Im Anschluss folgte eine Lesung aus den Liebesbriefen zwischen Beethoven und der Gräfin Josephine von Deym, die in zweiter Ehe mit dem Grafen unglücklich verheiratet war. Soldan und seine Frau, Tänzerin und Choreographin Stefanie Goes, lasen im Wechsel aus den Briefen. Dadurch öffneten sie eindrucksvoll den Blick auf die innige Liebe, die die beiden verband, aber auch die Aussichtslosigkeit einer längeren Verbindung.

Soldan, wieder am Flügel, spielte die berühmte Klaviersonate in „C-Dur op. 53“. Das dem Grafen Waldstein gewidmete Werk stellt hohe Anforderungen an den Pianisten. Als sein Freund und Gönner eröffnete Waldstein Beethoven den Zugang in die Wiener Gesellschaft. Soldans Spiel bestach durch gute Technik, klares Pianissimo und herrliches Sforzando.

Wer war denn nun die Adressatin seines berühmten Liebesbriefes mit der Anrede „Mein Engel, mein Alles, mein Ich“? Die Künstler gehen gesicherten musikalischen Spuren im Leben Beethovens nach und finden so die Antwort: Josephine von Deym. Wie Soldan erläuterte, ist das Josephine-Motiv in zahlreichen Werken Beethovens wiederzufinden. Als Beethoven von Josephines Tod erfährt, die im Alter von nur 42 Jahren verstarb, verfällt er in Depression, von der er sich erst später wieder erholt. Das letzte Musikstück dieses außergewöhnlichen Konzerts hat Beethoven dem Erzherzog Rudolf von Österreich gewidmet. Die Sonate „op. 111“ gilt als eine der schwierigsten der insgesamt 32 Klaviersonaten Beethovens.

Soldan bestritt die Herausforderungen glänzend. Die Arietta, der dritte Satz der Sonate, beginnt mit dem Josephine-Thema, sehr rührend intoniert. Daraus folgen insgesamt fünf Variationen, eine davon in swingendem Rhythmus. Beethoven war seiner Zeit voraus. Dauertriller, Sforzando, Pianissimo – Stille. Dann folgte lauter Beifall. Der Pianist bedankte sich beim Publikum sowie bei Dr. Dirk Altmeppen als einem Mitinitiator für die Wiederbelebung dieser Konzertreihe. Als Zugabe hörte das Publikum „Am Rande einer Quelle“ von Franz List, quasi ein „Enkel“ Beethovens.