Literatur, Musik, Filme Geschenketipps der Redaktion zu Weihnachten 2020... für tiefere Einsichten

Geschenketipps der "MM"-Redaktion zu Weihnachten. In dieser Fotostrecke finden Sie Ideen "für tiefere Einsichten".

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Volker Kutscher: „Moabit“ (Galiani. 88 Seiten, 18,00 Euro)

Wer zu den Glücklichen gehört, die die Krimis um Kommissar Gereon Rath noch vor sich haben, erhält mit „Moabit“ den roten Teppich ausgelegt. Die Erzählung spielt in den 1920ern und führt uns ins Elternhaus der jungen Charlotte Ritter. Diese nennt sich noch Charly, feiert aber bereits gerne. Der perfekte Einstieg ins Gereon-Rath-Universum, aufwendig illustriert von der preisgekrönten Gestalterin Kat Menschik. (Tipp von Madeleine Bierlein)

© Galiani

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Hanna-Elisabeth Müller: „Reine de cœur“ (Pentatone)

Die Mannheimer Sopranistin Hanna-Elisabeth Müller klingt auf ihrem zweiten Album großartig. Die Art und Weise, wie sie ihre gesunde, pure Sopranstimme verquickt mit zum einen fast virtuoser Energie und dann wieder privatester Intimität, begeistert. Und die Auswahl der Lieder von Robert Schumann, Françis Poulenc sowie Alexander von Zemlinsky ist abwechslungsreich. In Poulencs „La Reine de cœur“ klingt Müller blütenrein. Königinnenhaft!  (Tipp von Stefan M. Dettlinger)

© Pentatone

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Bernhard Schlink: „Abschiedsfarben“ (Diogenes. 240 Seiten, 24 Euro)

Bernhard Schlink versteht es wie wenige andere, Einsichten über das Leben und seine Wendepunkte in gut lesbare Literatur zu verwandeln. In diesen Erzählungen widmet er sich den Formen des Abschiednehmens, wie sie noch jede Biografie mit sich bringt. Und natürlich wirft er dabei auch moralische Fragen auf. Schlink in Hochform – und in der gewohnten klangvoll-wohlformulierten Sprache. (Tipp von Dr. Thomas Groß)

© Diogenes
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William Basinski: „Lamentations“ (Temporary Residence/Cargo)

Der New Yorker Ambient Avantgardist ist nicht nur auf seinen wichtigsten Alben „The Desintegration Loops I-IV“ ein penibler Chronist des Zerfalls. Zu was für düsteren Klangexperimenten ihn das pandemiegeplagte Jahr 2020 nötigt, mag man sich kaum ausmalen. Aber gut anhören, wenn man nicht zu folgenschweren Depressionen neigt. Denn seine elektronischen Endzeit-Impressionen entwickeln auf Dauer eine fast sakrale Wirkung, die guttut. (Tipp von Jörg-Peter Klotz)

© Temporary Residence/Cargo

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Carl Achleitner: „Geheimnis eines guten Lebens“ (Edition a. 224 Seiten, 22 Euro)

Nirgends kann man so viel über das Leben lernen wie auf dem Friedhof, zumal dem Wiener Zentralfriedhof. Von seinen Erfahrungen, letzten Dingen und dem, was bleibt, erzählt der österreichische Schauspieler und Trauerredner in seinem tiefgründigen, keineswegs schwarzhumorigen, aber doch unterhaltenden Buch, das mit Anekdoten und Auszügen von 2500 Begräbnissen lebhaft überzeugt. (Tipp von Ralf-Carl Langhals)

© Edition a

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Christian Lehnert: „Ins Innere hinaus“ (Suhrkamp, 234 Seiten, 22 Euro)

Die Texte des Leipziger Theologen und Dichters Christian Lehnert führen in den „Tiefenraum des Wirklichen“. In jene Sphäre also, in der das Reden etwa über Engel einen Sinn bekommt, den ihnen die Ratio verwehrt. Lehnerts poetisch-religiöse Gedanken eröffnen auf hohem Sprachniveau Perspektiven „des Möglichen“. Sie wollen nicht nur gelesen, sondern verinnerlicht werden. (Tipp von Uwe Rauschelbach)

© Suhrkamp

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Sibylle Berg: „Nerds retten die Welt“ (Kiepenheuer & Witsch. 329 Seiten, 22 Euro)

Was machen, wenn man für einen Roman zwei Jahre lang Expertinnen und Experten interviewt hat? Genau: Man verwertet diese Gespräche noch einmal für ein weiteres Buch. Sibylle Berg – eine der stärksten Autorinnen unserer Zeit – nutzt dafür die Interviews, die sie für ihren Bestseller „GRM“ geführt hat. Wie bekämpfen wir Faschismus? Wie Überwachung oder Gewalt gegen Frauen? Sibylle Berg versucht es herauszufinden. (Tipp von Joana Rettig)

© Kiepenheuer & Witsch

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Patrizia Schlosser: „Im Untergrund“ (Hoffmann & Campe. 255 Seiten, 18 Euro)

Eine „links-grün-versiffte Träumerin“ und ein „Spießbeamter“ begeben sich auf die Suche nach drei RAF-Terroristen. Jahrelang hat sich die 1986 geborene Journalistin Patrizia Schlosser mit der dritten Generation der Roten Armee Fraktion beschäftigt. Mit im Boot ist Vater Guido, der die Terrorgruppe als Polizist erlebt hat. Der Generationenunterschied und die konträren politischen Ansichten der beiden führen nebenbei zu spannenden Debatten über Recht und Unrecht. (Tipp von Heike Rentsch)

© Hoffmann & Campe

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Marion Tauschwitz: „Selma Merbaum. Ich habe keine Zeit gehabt zuende zu schreiben“ (zu Klampen Verlag. 350 Seiten, 28 Euro)

Die in Heidelberg lebende Biografin und Vertraute von Hilde Domin ist tief in die Lebensgeschichte von Selma Merbaum eingetaucht. Die Jüdin starb mit 18 Jahren 1942 in einem deutschen Arbeitslager in der Ukraine. Wahrlich kein leichter Stoff, aber ohne Schnörkel so erzählt, dass man Selma nicht mehr vergisst. Besonders, wenn die Autorin selbst liest: https://bit.ly/3obX1Ed. (von Michaela Roßner)

© zu Klampen Verlag

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Taffy Brodesser-Akner: „Fleishman steckt in Schwierigkeiten“ (dtv. 512 Seiten, 24 Euro)

Toby Fleishman, ein Leberarzt knapp über 40, ist frisch geschieden und erlebt dank Dating-Apps seinen zweiten sexuellen Frühling. Dumm nur, dass die Ex die Kinder einfach bei ihm ablädt und sich aus dem Staub macht. Autorin Taffy Brodesser-Akner ist überzeugt: „Wenn du willst, dass eine Story ein Hit wird, schreib über einen Mann. Über Männer wollen Männer und Frauen lesen. Über Frauen nur Frauen.“ (Tipp von Walter Serif)

© dtv
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Wolfgang Sandner: „Keith Jarrett. Eine Biographie“ (Rowohlt. 360 Seiten, 22,95 Euro)

Diese Biographie über Keith Jarrett ist zwar schon etwas älter, aber weil die Karriere des Piano-Magiers gesundheitsbedingt tragischerweise zu Ende ist, besitzt sie höchste Aktualität. Und so schnell dürfte es auch kein besseres Werk über Jarrett geben. Wolfgang Sandner, der den Tastenmagier privat kennt, analysiert dessen Schaffen mit Scharfsinn, Kenntnisreichtum und nicht zuletzt einer feinsinnigen Sprache, die bis in jedes Detail vordringt. (Tipp von Georg Spindler)

© Rowohlt

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Deep Purple: „Whoosh“ (Ear Music)

Die Alt-Rocker haben ein beeindruckendes Alterswerk vorgelegt. Die 13 Blues-Rock-Songs des 21. Deep-Purple-Albums strotzen nur so vor Spielfreude und und lassen den beiden „Jungspunden“ – Don Airey am Keyboard und Steve Morse an der Gitarre – wunderbare Momente für Old-School-Soli, wie sie einst Jon Lord und Ritchie Blackmore zelebrierten. Und wer sich die Luxus-CD-Version des Albums leisten will, bekommt noch ein komplettes Konzert vom Hellfest 2017 im französischen Clisson auf DVD mit dazu. (Tipp von Bernhard Zinke)

© Ear Music