Literatur, Musik, Filme Geschenketipps der Redaktion zu Weihnachten 2020... für den Kopf

Geschenketipps der "MM"-Redaktion zu Weihnachten. In dieser Fotostrecke finden Sie Ideen "für den Kopf".

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Laura Spinney: „1918“ (Hanser. 384 Seiten, 26 Euro)

Zugegeben: Nicht jeder hat derzeit die Nerven, sich mit früheren Pandemien zu beschäftigen. Doch gerade die Aktualität macht „1918“ so interessant. Darin trägt Laura Spinney die Ereignisse um die Spanische Grippe zusammen – spannend und höchst informativ. Zwei von vielen Erkenntnisse: Dass wir jahrzehntelang seuchenfrei leben konnten, ist ein historischer Glücksfall. Und: Pandemie-Leugner gab es schon 1918. (Tipp von Madeleine Bierlein)

© Hanser

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Laurent Binet: „Eroberung“ (Rowohlt. 384 Seiten, 24 Euro)

Ein ungewöhnliches, spannendes Buch. Spektakulär. Verführerisch. Unverfroren. Laurent Binet stülpt die Weltgeschichte um: Wie wäre es gewesen, wenn Kolumbus 1492 gegen die gut gerüsteten Ureinwohner Amerikas keine Chance gehabt hätte, wenn seine Leute niedergemetzelt worden wären, die Inkas danach nach Europa gesegelt, es erobert hätten. Gott, Kaiser, Luther – die Welt wankt. Ein atemberaubendes Abenteuer. (Tipp von Stefan M. Dettlinger)

© Rowohlt

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Karl-Heinz Ott: „Hölderlins Geister“ (Hanser. 240 Seiten, 22 Euro)

Lebensspuren eines der größten deutschsprachigen Dichter zeichnet der Autor nach – und berichtet auch über Hölderlins Nachruhm und Wirkungsgeschichte. Komprimiert und doch anschaulich werden Facetten von Leben und Werk dargelegt und zugleich ein Stück Gesellschaftsgeschichte bis in die Gegenwart nacherzählt. Hier wirkt der vor 250 Jahren geborene Dichter ganz lebendig. (Tipp von Dr. Thomas Groß)

© Hanser
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Hubert von Goisern: „Zeiten & Zeichen“ (Blanko Musik)

Hubert von Goisern ließ sich noch nie auf Alpinrock festnageln. Aber auf dem 24. (!) Album treibt seine musikalische Weltoffenheit die bisher schönsten Blüten. Es startet mit einer Moritat über Franz Lehár mit Tenor Andreas Schager und Rapper DAME. Die Überraschungen reichen von einer fiebrigen „Sinnerman“-Version über die Rammstein-Hommage „Brauner Reiter“ bis zu Liedern im Stil des Great American Songbook. (Tipp von Jörg-Peter Klotz)

© Blanko Musik

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Virginie Despentes: „Vernon Subutex 3“ (Kiwi. 399 Seiten, 12 Euro)

Es ist eine Kunst, die offensichtlich nur dem französischen Literaturbetrieb gelingt: Um so abgründig, historisch und politisch inkorrekt soziale Entwicklungen zu entlarven, fortzuspinnen und doch unterhaltend zu hinterfragen, muss man Houellebecq, Binet, Sinha oder eben Virginie Despentes heißen. Sie frisst sich auch in Band 3 des Subutex in die verwirrten Köpfe Gescheiterter, dass es eine verstörende Lust ist. (Tipp von Ralf-Carl Langhals)

© Kiwi

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Vladimir Jankélévitch: „Zauber, Improvisation, Virtuosität“ (Suhrkamp, 422 Seiten, 24 Euro)

Gabriel Fauré, Federico Mompou, Franz Liszt und Henri Bergson sind die Leitgestirne des französischen Philosophen und Musikwissenschaftlers (1903-1985). Seine Essays sind Ausdruck eines feingeistigen Ästheten. Die neu herausgegebenen Texte führen mit dem 2016 erschienenen Band „Die Musik und das Unaussprechliche“ ins musikphilosophische Denken ein. (Tipp von Uwe Rauschelbach)

© Suhrkamp

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Nils Pickert: „Prinzessinnenjungs" (Beltz. 254 Seiten, 18,95 Euro)

Es begann damit, dass ein Junge gern Kleider trug – und dafür gemobbt wurde. Der Journalist Nils Pickert fand es schrecklich, dass sein Sohn deshalb damit aufhören wollte. Obwohl er Kleider schön fand. Pickert begann also, selbst Kleider zu tragen, um zu zeigen, dass daran nichts Besonderes ist. Und er schrieb einen Elternratgeber: Wie wir unsere Söhne aus der Geschlechterfalle befreien. Selbst für Menschen ohne Kinder eine lehrreiche Lektüre. (Tipp von Joana Rettig)

© Beltz

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Dirk Rossmann: „Der neunte Arm des Oktopus“ (Lübbe. 400 Seiten, 20 Euro)

Die Erde steht vor dem Kollaps und keiner zieht die Notbremse. Der erste Roman von Drogeriemarkt-Chef Dirk Rossmann behandelt die Frage: Was ist erlaubt, um die Menschheit zu retten? Seine „Klima-Allianz“ – USA, Russland und China – setzt alle finanzielle, handelspolitische und militärische Macht ein, um den Verbrauch fossiler Brennstoffe zu senken und den Anstieg der Weltbevölkerung zu stoppen. Ein Gedankenspiel, das zu Diskussionen anregt. (Tipp von Heike Rentsch)

© Lübbe

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Burkhard Spinnen: „Das Buch. Eine Hommage“ (Schöffling & Co., 144 Seiten,15 Euro)

Teilen das Medium Buch und das Arbeitspferd das gleiche Schicksal? Noch gegen Ende des 19. Jahrhunderts konnte man sich das Leben ohne die Huftiere nicht vorstellen – sie prägten die Städte, vor Kutschen oder sogar Omnibusse gespannt. Dann machte der Verbrennungsmotor sie in kürzester Zeit überflüssig. Und nun nehmen elektronische Schriften Raum... „Das Buch“ ist eine wunderbar formulierte Verbeugung vor einem großartigen Medium. (Tipp von Michaela Roßner)

© Schöffling & Co.

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Jeanine Cummins: „American Dirt“ (Rowohlt. 560 Seiten, 15 Euro)

Ein trauriges Beispiel für die Auswüchse der Debatte über „kulturelle Aneignung“ ist dieser Bestseller. Der Inhalt klingt klischeehaft, ist es aber nicht: Eine Mutter und ihr Kind fliehen aus Mexiko in die USA – vor einem liebeskranken Drogen-Boss, der ihre Familie aus Rache hinrichten ließ. Das Problem: US-Autorin Jeanine Cummins stammt nicht aus Mexiko. Deshalb hätte sie – so die Latino-Kritiker – nicht über dieses Land schreiben dürfen . Zum Glück hat sie es doch getan. (Tipp von Walter Serif)

© Rowohlt
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Gottfried Benn: „Sämtliche Gedichte“ (Klett Cotta Verlag. 541 Seiten, 22 Euro)

Zugegeben, Gottfried Benn war keine Lichtgestalt: ein Misanthrop, politisch höchst zweifelhaft, aber einer der größten deutschen Dichter. Hier gibt es sein lyrisches Gesamtwerk: von den schockierenden frühen Gedichten, die den Wahnsinn des Ersten Weltkriegs in Punk-artigem Nihilismus reflektieren, bis zu den grandiosen Alterswerken, die in ihrer bildhaften Verdichtung das Leben umfassen, aber in ihrem Skeptizismus keinen Trost spenden. (Tipp von Georg Spindler)

© Klett Cotta Verlag

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Nichts auf dem Cover-Foto ist Zufall: Jon Bon Jovis Blick ist nach unten geneigt, die Hand nachdenklich vor dem Mund, in der Sonnenbrille spiegelt sich die US-Flagge, im Hintergrund ein Gerichtsgebäude. Auch der Titel „2020“ ist kein Zufall, So politisch war Bon Jovi noch nie. Einen Mutmachersong in der Corona-Krise, und ein Stück als Protest gegen Georgs Floyds Ermordung. Die Songs klingen nach solidem Stadionrock: Aber hinhören lohnt sich diesmal auch bei den Texten. (Tipp von Bernhard Zinke)

© Island/Universal Music