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Bis zur Ernte dauert es noch etwas - Jochen Kautzmann hat bereits vor drei Jahren mit diesem Experiment begonnen – und ist ausgesprochen optimistisch

Trüffel versprüht südfranzösisches Flair

Von 
Elisabeth Englert
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Vorfreude auf die Ernte – ein Burgundertrüffel. © Elisabeth Englert

Sindolsheim. Bis der erste Bauländer Trüffel kulinarisch die Speisekarten der Region erobert, dauert es noch ein Weilchen. Doch sieht die bisherige Entwicklung erfolgversprechend aus.

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Trüber klarer Morgen

Es ist ein trüber, kalter Morgen. Die Sonne schafft es, wie so oft diesen Tagen, nicht durch die dicken Wolken. Es geht vorbei an Weiden, umgepflügten Äckern und Streuobstwiesen mit ihren kahlen Obstbäumen. Kaum vorstellbar, dass wir uns auf dem Weg zu einer Anlage mit Burgundertrüffeln befinden.

Trüffel – das verbindet man mit Südfrankreich, Italien, Sommer, Sonne, Olivenhainen, Weinbergen und freudig bellenden Hunden. Hier erinnert allenfalls das Wort „Burgunder“ an eben jene Region. Und doch besteht kein Irrtum. Kaum von der Straße abgebogen, einen steilen Wiesenweg hinab, eröffnet sich, am vom Wald begrenzten Hang, das Ziel. Zahlreiche, mit Wuchshüllen gegen Wildverbiss geschützte Trüffelbäume stehen in großzügigem Abstand in Reih’ und Glied.

Von der Idee angesteckt

Jochen Kautzmann, Herr der speziellen Bäume, hat bereits vor knapp drei Jahren mit diesem Experiment begonnen. Im Vorfeld war der Landwirt, der in Teilzeit beim Landwirtschaftsamt Neckar-Odenwald beschäftigt ist, zu einer Besprechung zum Thema Trüffelanbau aufgerufen. Es klingt fast ironisch, aber so wie die Bäume von den Trüffelsporen infiziert sind, so wurde auch er von der Idee des Trüffelanbaus angesteckt. „Ich kam aus der Besprechung raus und habe nach Trüffeln gegoogelt“, erinnert sich der vielfältig ehrenamtlich Tätige.

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Im Weiteren habe er sich intensiv mit diesem Thema beschäftigt, gemeinsam mit Bernhard Heim, Fachdienstleiter des Landwirtschaftsamts des Landkreises eine Trüffelplantage sowie einen Vermehrungsbetrieb besucht. Der Experte Dr. Ulrich Stobbe, der seine Diplomarbeit über diese interessanten Gewächse geschrieben und in vielen Jahren fundierte Erkenntnisse erworben hat, habe ihn überzeugt, dass der schmackhafte Burgundertrüffel sich in der hiesigen Region wohlfühle.

Diese zeichne sich nämlich durch kalkhaltigen Boden aus und den brauche die wertvolle Knolle. „Die flachgründigen, schlechten, steinigen Böden sind ideal“, erklärt der Sindolsheimer.

Zwei Hektar Fläche

Inzwischen habe er auf knapp zwei Hektar, verteilt auf fünf abschüssigen, steilen, schwer zu bewirtschaftenden Flächen, Trüffelbäume gesetzt. Die ersten seien gut angewachsen, gediehen und fühlten sich augenscheinlich wohl im Bauland. Insgesamt bewerte er sein „durchaus wirtschaftliches Hobby“ als positiv, trotz aufwendiger Pflegemaßnahmen. „Das darf man nicht unterschätzen“, gibt der regionale Trüffelpionier zu bedenken. Während in den Trockenjahren die zarten Pflänzchen sieben bis acht Mal gegossen werden mussten, verursachte der jüngste, regnerische Sommer verstärkte Mäharbeiten.

Zwar sei zwischen den Reihen technisches Gerät einsetzbar, doch stoße das um die Bäumchen herum an seine Grenzen. Hier helfe nur der Freischneider – bei rund 2000 Bäumen pro Hektar eine enorme händische Arbeit. Ohne die Hilfe seines Vaters könne er dies nicht leisten.

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Überhaupt sei sein Seniorchef offen für Neues und ganz „heiß auf Experimente.“ So habe er die Baumscheiben teils mit Hackschnitzeln, teils mit Splitt umlegt oder „ganz, ganz vorsichtig gekalkt“, um den pH-Wert entsprechend hoch auf sieben zu halten.

Laut Fachleuten solle auch der Splitt den benötigten Kalk liefern, allerdings habe dieser an heißen Tagen das Erdreich aufgeheizt und ausgetrocknet.

Es sei eben noch ein Experiment, obwohl der Trüffel, explizit der Burgundertrüffel, schon seit Jahrhunderten hier heimisch sei. Inzwischen seien die natürlichen Vorkommen in den Wäldern ausnahmslos unter Naturschutz.

In den letzten Jahren sei die in Vergessenheit geratene, gut verborgene Delikatesse aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht und es bestehe eine große Nachfrage nach dem edlen Zuchttrüffel.

Sieben bis zehn Jahre Dauer

Bis allerdings die ersten schwarzen Edelpilze in seine Küche wandern, dauere es mindestens sieben bis zehn Jahre. Also noch Zeit genug, um das Lieblingsrezept auszusuchen.

Bei den verschiedenen Baum- und Straucharten, deren feine Wurzeln mit Sporen des Pilzgeflechts geimpft sind, handelt es sich um Baumhasel, Hainbuche, Haselnuss und natürlich um die Eiche als typischem Trüffelbaum.

Und weil, wie wir schon erfahren haben, der 48-Jährige offen ist für Experimente, habe er auch geimpfte Rotbuchen, Roteichen und Schwarzkiefern gesetzt, darüber hinaus noch ein paar Linden, um die Bienen nicht zu vergessen, schmunzelt er. Wichtig sei, dass die gesamte, im Container befindliche, mit Sporen behaftete Erde ins Pflanzloch komme.

Der Gourmetpilz brauche die Bäume, nur so könne er existieren. Entgegen der weit verbreiteten Meinung mykorrhizieren Trüffel mit den verschiedensten Jungpflanzen, nicht nur mit Eichen. Hierbei profitieren diese von Mineralsalzen und Wasser, was ihnen vom Pilz zugeführt werde.

Jener wiederum, der vollkommen unterirdisch wächst, erhält von seiner Wirtspflanze Fotosyntheseprodukte. So leben beide in gegenseitigem Nutzen symbiotisch miteinander, eine klassische Win-Win-Situation der Natur.

Von Nachahmern überzeugt

Fachdienstleiter Heim, der mit seinem Sohn die erste Trüffelanlage im Main-Tauber-Kreis bewirtschaftet, gefällt die Innovations- und Experimentierfreudigkeit des dreifachen Familienvaters. Er ist überzeugt, dass bei genügend Nachahmern der „Bauländer Trüffel“ als Marke entwickelt werden könne, perfekt in die „Genussregion Neckar-Odenwald“ passe und aufgrund seines positiven Images eine Attraktion darstelle. „Rund um den Trüffel kann noch viel Positives entstehen.“ Zudem bringe eine größere Produktion sowie eine gemeinschaftliche Vermarktung viele Vorteile.

Auch ökologisch betrachtet habe die Waldanpflanzung eine hohe Wertigkeit, man denke nur an Biodiversität und CO-Bindung und die daraus resultierende Möglichkeit Ökokontopunkte zu generieren, unterstreicht der Fachdienstleiter die Vorzüge.

Erfolge zu verzeichnen

Zaghafte Erfolge lassen sich bereits verzeichnen. So habe Kautzmann seine Nachbarin mit seiner Begeisterung für die wertvolle Knolle infiziert, und ihre ersten Trüffelbäume schießen wie die sprichwörtlichen Pilze aus dem Boden. Besonders für die steinigen, wenig darüber hinaus ertragreichen Böden und des daraus resultierenden Mangels an Sonderkulturen, sehe Heim eine für die hiesige Landwirtschaft ausgesprochen interessante Alternative. Zwar müsse man zunächst mit 20 bis 25 Euro pro Pflanze rechnen, doch lasse sich im Gegenzug die Investition mittels Waldausgleich wirtschaftlich gut darstellen.

Sehr gut vorstellen an sich bereits der Nachwuchs von Jochen Kautzmann die Trüffelernte auf den heimischen Anlagen. Seine Kinder freuen sich nämlich schon jetzt auf den nun zwingend erforderlichen vierbeinigen Erntehelfer – einen Trüffelhund.

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