Corona-Krise - Agrarminister Peter Hauk will den Landwirten wirkungsvoll unter die Arme greifen / Image-Kampagne in Vorbereitung / Verbraucher sollen für die Situation noch mehr sensibilisiert werden „Nach heimischen Produkten Ausschau halten“

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Der baden-württembergische Agrarminister Peter Hauk will die Verbraucher im Land dafür sensibilisieren, auch nach der Corona-Krise verstärkt auf Erzeugnisse aus heimischer Produktion zurückzugreifen. Unter anderem plant sein Haus dazu eine Image-Kampagne. © DPA

„Unsere Gesellschaft erlebt aktuell die größte Krise seit Bestehen der Bundesrepublik. Die Menschen im ganzen Land arbeiten derzeit Hand in Hand daran, die Folgen von Corona bestmöglich einzudämmen“, skizziert der baden-württembergische Landwirtschaftsminister Peter Hauk die derzeitige Lage. „Ich kenne keinen Bereich, der davon ausgenommen ist. Da die Landwirtschaft ein fester Teil unserer Gesellschaft ist, kann man die Probleme, denen sich unsere Bauern derzeit gegenübersehen, nicht losgelöst betrachten.“

Teils gravierende Folgen

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Vieles, was entschieden werde, habe auf den ersten Blick nichts mit der Landwirtschaft zu tun. Und doch ergäben sich daraus teils gravierende Folgen für die Höfe. Wenn etwa touristische Übernachtungen in Hotels nicht mehr erlaubt seien, betreffe das auch die Ferienangebote der Bauernhöfe. Oder wenn die grenzüberschreitende Reisetätigkeit der Menschen eingeschränkt werde, habe das Auswirkungen auf die Verfügbarkeit von Erntehelfern. „Die größte Herausforderung für unsere Bauern besteht momentan darin, auch unter den aktuellen und schwierigen Rahmenbedingungen das zu tun, wofür sie angetreten sind: Uns mit hochwertigen Lebensmitteln zu versorgen und die wirtschaftliche Existenz ihrer Betriebe und damit die Einkommen für ihre Familien zu sichern“, betont der Minister.

Aktuell sehe er zwei große Handlungsfelder. Die bislang unzureichende Versorgung mit Erntehelfern treibe momentan vor allem die Betriebe mit Sonderkulturen um. Vielerorts stehe die Ernte von Spargel an. Erdbeeren, Salat und Gemüse, aber dann auch das Beerenobst werde folgen.

„Seit Tagen wurde im Bund der Ball in Sachen Erntehelfer hin und hergeschoben. Für unsere Landwirte, die kurz vor der Ernte und der Aussaat stehen, eine unerträgliche Situation. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg – das musste jetzt auch der Bundesinnenminister einsehen“, betont der Minister. Die Nachricht, dass nun die dringend benötigten Erntehelfer aus Osteuropa einreisen dürfen, sei eine sehr gute Botschaft für die Bauern, aber auch für die Verbraucher. „Wir bieten uns gerne als Modellland an, wenn jetzt Partner gebraucht werden, die zeigen, dass die Arbeit von Erntehelfern unter Einhaltung der gebotenen Corona-Sicherheitsmaßnahmen möglich ist. Wir vertrauen unseren Bauern, dass sie den Einsatz der Erntehelfer mit größter Sorgfalt umsetzten.“

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Bereits Mitte März hatte Hauk mit anderen Politikern aus dem Bund den Bundesinnenminister angeschrieben und um ein Einlenken gebeten. Auch Innenminister Strobl hatte das wichtige Anliegen unterstützt. „Ich danke Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner, dass sie im Druck nicht nachgelassen hat. Die nun gefundene Lösung ist gut. Der Vollzug muss aber nun schnell und unbürokratisch möglich sein. Wir haben schon genug Zeit für die Landwirte verloren“, so der Minister.

Bürger als Erntehelfer

Hauk rief die Bürger auf, sich dennoch als Erntehelfer zu melden. „Auch, wenn nun Erntehelfer einreisen dürfen, wissen wir noch nicht, ob der Bedarf gedeckt werden kann. Deshalb ist die Entscheidung, Flüchtlinge und Asylbewerber einsetzen zu können, richtig und wichtig“, so der Minister.

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Die Landwirtschaft befinde sich seit Jahren in einem Strukturwandel. Daraus ergebe sich das zweite große Handlungsfeld. In einem wirtschaftlich schweren Umfeld bei immer weiter steigenden Umwelt-Standards entschlössen sich Jahr für Jahr Bauern, ihre Höfe zu schließen. Die Corona-Krise könnte dazu führen, dass aus diesem Wandel ein Strukturbruch werde. Diesen gelte es zu verhindern. „Wir müssen deshalb dafür Sorge tragen, dass die Betriebe in der Krise liquide bleiben und gut durch sie hindurchkommen. Wir haben in Baden-Württemberg noch etwas mehr als 40 000 Landwirte.“

Auf vielen Ebenen

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Die Gespräche zur Unterstützung der Landwirtschaft liefen ständig und auf vielen Ebenen. „Wir stehen in engem Kontakt mit den Verbänden sowie mit dem Bund und den anderen Ländern. Vieles haben wir in der Kürze der Zeit auf den Weg gebracht“, macht Peter Hauk deutlich.

Ganz konkret sei erreicht worden, dass die Landwirtschaft und die damit verbundenen Bereiche in den Genuss des Sonderhilfeprogramms von Land und Bund kommen könnten. „Dabei war es mir wichtig, dass die Angebote, die für alle anderen Wirtschaftsbereiche gelten, gleichermaßen auch für die Land- und Forstwirte zum Tragen kommen.“ Insofern sei auf diesem Gebiet die allergrößte Not fürs Erste abgemildert. „Ich bin mir aber sicher, dass Bund und Land bei den finanziellen Hilfen für die Wirtschaft weiter nachsteuern müssen. Meine Aufgabe als Landwirtschaftsminister sehe ich dabei darin, dass die Politik ihr Augenmerk nicht nur auf die für unser Land so bedeutenden Schlüsselbranchen wie Automobilwirtschaft und Maschinenbau legt, sondern auch den landwirtschaftlichen Bereich entsprechend berücksichtigt.

Derzeit mache sich sein Ministerium dafür stark, das Thema Regionalität weiter voranzutreiben: „Die Verbraucher sollen gerade in der jetzigen Situation verstärkt auf Erzeugnisse aus heimischer Produktion zurückgreifen. Das kommt unseren Landwirten zugute, vor allem, wenn man direkt bei ihnen im Hofladen oder im Regiomaten einkauft.“ Dazu sei die Regionalkampagne „Natürlich. Von daheim“ erweitert und die dazugehörige App ausgebaut worden.

„Wir wollen, dass heimische Erzeuger und die Menschen im Land stärker zusammenrücken und sich jeder auf den anderen verlassen kann. Die Bauern und das Lebensmittelhandwerk produzieren unter Einhaltung höchster Standards erstklassige Lebensmittel und wir als Verbraucher kaufen diese zu für beide Seiten auskömmlichen Preisen.“

Kampagne des Ministeriums

Das Ministerium arbeite derzeit an einer Kampagne, die die Leistungen der Bauern für eine Versorgung mit hochwertigen Lebensmitteln nicht nur in Krisenzeiten in den Vordergrund stellte Hinter jedem Lebensmittel stünden Menschen und Familien, die morgens auf Felder und in Ställe gingen und die Grundlagen dafür schufen, dass die Ladenregale und Einkaufswagen gefüllt bleiben könnten. „Unser Ziel ist es, den Verbrauchern darzulegen, wo die Produkte ihren Ursprung haben, die sie täglich benötigen“, machte Hauk klar.

Der Politiker sieht für die Bauern auch Chancen in der aktuellen Krise: „Die Landwirte hatten in den letzten Jahren einen schweren Stand. Die Produkte in den Regalen sind zur Selbstverständlichkeit geworden, es ist normal, immer alles kaufen zu können. Wie die Lebensmittel produziert werden, wie viel Arbeit und Risiko dahintersteckt, stand nicht mehr im Mittelpunkt.“

Jetzt machten sich die Verbraucher Gedanken. Es sei ein gutes Gefühl zu wissen, dass „unsere Bauern dafür sorgen, dass wir täglich frische Produkte kaufen können“. Er wünsche sich, dass dieses Verständnis, das in diesen Tagen wachse, auch nach der Krise anhalte. Die Landwirte seien verlässliche Partner in der Krise, aber auch sonst im Alltag, das sollten die Verbraucher nicht vergessen.

Jeder Einzelne gefragt

Jeder Einzelne könne einen Beitrag leisten, um die Landwirtschaft zu unterstützen, ist Peter Hauk überzeugt. Beim Lebensmittelkauf sollten die Verbraucher gezielt nach heimischen Produkten Ausschau halten – und diese kaufen.

Damit lasse sich die Solidarität mit den Bauern im Land am allerbesten zum Ausdruck bringen. Auch sollte man die zahlreichen Angebote der Bauern nutzen, die sich auf die Direktvermarktung ihrer Erzeugnisse eingerichtet hätten. Hofläden, Regiomaten und Wochenmärkte böten ein breites Spektrum hochwertiger, heimischer und frischer Waren.

Die Diversifizierung landwirtschaftlicher Betriebe sei in Baden-Württemberg traditionell sehr ausgeprägt. Dabei eigneten sich die Strukturen des bäuerlichen Familienbetriebs sehr gut für die Direktvermarktung landwirtschaftlicher Produkte.

„Immer mehr Verbraucher legen Wert auf das Thema Regionalität. Die Landwirte reagieren auf das zum Teil geänderte Konsumverhalten der Menschen mit geänderten Angeboten und bieten teilweise Hol- oder Bringdienste an“.

Hilfreiche Debatte

In der Corona-Krise werde viel über die Versorgungssicherheit der Bevölkerungen mit Lebensmitteln diskutiert. „Ich finde die Debatte für unsere Bauern und das Lebensmittelhandwerk überaus hilfreich. Während in Normalzeiten die Regale immer prall gefüllt sind und Lebensmittel konsumiert werden, oft ohne sich darüber Gedanken zu machen, wo die Dinge herkommen, hat bei vielen Menschen ein Umdenken stattgefunden“, meint der Agrarminister abschließend.

Wie wichtig die regionale Lebensmittelproduktion durch Landwirte, Bäcker und Metzger ist, zeige sich derzeit intensiv. Die aktuelle Diskussion könnte in der Bevölkerung dazu führen, dass nicht nur der regionalen Vermarktung, sondern auch dem Erhalt der regionalen landwirtschaftlichen Erzeugung besondere Bedeutung und eine hohe Priorität zugemessen werden.

„Das wäre ein Gewinn für unsere Bauern, besonders dann, wenn sich die Verbraucher auch nach der Krise an die Leistung der Landwirte und die hohe Qualität ihrer Produkte erinnern.“ ktm/mlr