Statistik

Landwirtschaftlicher Produktionswert steigt auf 74,4 Milliarden Euro

Deutliche Steigerung mit 33 Prozent vor allem bei der Tierproduktion

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ble
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Ein Schaf springt auf einer Weide in die Luft. Auch wenn der landwirtschaftliche Produktionswert gestiegen ist, können viele Bauern keine großen Sprünge machen.

Nach Berechnungen des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft (BZL) in der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) steigt der Produktionswert der deutschen Landwirtschaft um knapp ein Viertel. Dies ist auf größere Mengen und einen Preisanstieg allgemein zurückzuführen. Die pflanzliche Produktion erreicht einen Wert von 35,3 Milliarden Euro (+19 Prozent), während die Tierproduktion auf 35 Milliarden Euro (+33 Prozent) geschätzt wird.

In Deutschland war 2022 durch eine sehr langanhaltende Hitze- und Trockenperiode bestimmt. Der Sommer war mit 820 Sonnenstunden der sonnigste seit Beginn der Wetteraufzeichnung und der sechste in der Reihe der trockenen Sommer seit 1881. Von der Trockenheit waren besonders die Sommerkulturen wie Mais, Kartoffeln oder Zuckerrüben betroffen.

Der Russland-Ukraine-Krieg beeinflusste die Landwirtschaft in Deutschland 2022 extrem stark. Die fehlenden Öl- und Gaslieferungen trieben die Brennstoff- und Gaspreisein die Höhe. Das führte wiederum zu steigenden Produktionsmittelpreisen. Zeitweise wurde die Produktion für Düngemittel eingestellt, was zu enormen Preissteigerungen führte.

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Die Unsicherheit auf den Märkten ließ sowohl die Input- als auch die Output-Preise über das gesamte Jahr sehr volatil reagieren.

Die Preissteigerungen beim Input, zum Beispiel für Betriebsmittel, begannen bereits 2021 und wurden mit den letztjährigen Verkaufserlösen verrechnet. Das verringerte die Bruttowertschöpfung 2021. In diesem Jahr sind beispielsweise die Betriebsmittelpreise im Durchschnitt weniger stark gestiegen. Somit sind die Verkaufserlöse auf den ersten Blick deutlich höher ausgefallen.

Pflanzliche Erzeugung

Nach vorläufigen Berechnungen erreicht der Produktionswert für pflanzliche Erzeugung insgesamt 35,3 Milliarden Euro. Dies ist eine Steigerung um 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bei vielen Kulturen sind die berechneten Erntemengen und Preise höher als ein Jahr zuvor.

Die Ernte der Getreidekulturen insgesamt übersteigt knapp das Niveau des vergangenen Jahres. Während bei Körnermais (-24 Prozent) und Roggen (-45 Prozent) die Erträge einbrachen, wuchsen die Erträge bei den übrigen Getreidearten (Weizen: +18 Prozent, Gerste: +2 Prozent,Hafer: +0,3 Prozent). Ein Preisanstieg von 30 bis 45 Prozent wurde bei allen Getreidearten beobachtet. Folglich stieg der Produktionswert um 47 Prozent auf 12,8 Milliarden Euro.

Die Ölsaaten erreichten einen Produktionswert von 3,2 Milliarden Euro (+ 57 Prozent). Die Steigerungen in den Erntemengen bewegten sich von 19 Prozent bei Sojabohnen über 22 Prozent bei Raps und Rübsen auf bis zu 60 Prozent bei Sonnenblumenkernen.

Die erzielten Preise bei Raps und Rübsen nahmen übrigens um 28 Prozent zu, bei Sojabohnen um neun Prozent während sie bei Sonnenblumenkernen durch unterdurchschnittliche Qualitäten um zwei Prozent sanken.

Bei Futterpflanzen verringerte sich der Produktionswert um 30,5 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro im Vergleich zu 2021. Bei den meisten Futterpflanzen wie Gras- und Maissilage brachen die Erträge um rund 30 Prozent ein. Die erzielten Preise lagen auf gleichem Vorjahresniveau.

Wegen des trockenen Sommers war 2022 für die Gemüseproduzenten nicht sehr ertragreich und die Erntemengen blieben unterhalb der Vorjahresmengen. Die erzielten Preise für Gemüse stiegen insgesamt um zehn bis zwölf Prozent an. Der erwirtschaftete Produktionswert lag um 0,7 Prozent (4,2 Milliarden Euro) niedriger als 2021.

Infolge der Sommerhitze blieb auch die Erntemenge bei Kartoffeln unterhalb des Vorjahresniveau und erreichte 9,3 Millionen Tonnen. Die höheren Preise führen zu einem Produktionswert von 2,6 Milliarden Euro (+51 Prozent). Speisekartoffeln erzielten 18 Prozent weniger Ertrag als 2021. Besonders bei Industriekartoffeln war eine Steigerung der Erntemengen und Preise deutlich bemerkbar.

Nach vorläufigen Berechnungen lag die Obstproduktion knapp unter dem Vorjahresniveau. Die Erträge bei den wichtigsten Obstsorten waren niedriger.

Die Preise lagen auf Vorjahresniveau mit Ausnahme der Äpfel (-18 Prozent). Der Produktionswert bei Obst insgesamt belief sich auf 1,1 Milliarden Euro.

Der Produktionswert für Tiere und tierische Erzeugnisse kommt insgesamt auf 35 Milliarden Euro; davon entfallen 17 Milliarden auf die Tierproduktion (+29 Prozent) und 18 Milliarden (+43 Prozent) auf tierische Erzeugnisse.

Rinder insgesamt erzielten einen Anstieg von 29,4 Prozent im Vergleich zu 2021 und einen Produktionswert von 4,7 Milliarden Euro. Der Erlöspreis für Rinder beträgt 4521 Euro pro Tonne (+40 Prozent) und für Kälber 4341 Euro pro Tonne (+30 Prozent).

Bei Schweinen liegt der Produktionswert nach vorläufigen Berechnungen bei 7,9 Milliarden Euro (+28 Prozent). Nach einer Tiefpreisphase im vergangenen Jahr stieg der Preis auf 1809 Euro pro Tonne (+33 Prozent). Das Angebot an Tieren ist hingegen um fünf Prozent gesunken.

Für die Fütterung der Schweine wurde eine um zehn Prozent geringere Menge an Mischfutter eingesetzt, die 21 Prozent höhere Kosten verursachte. Hinzu kommt ein Ferkelpreisanstieg um 29 Prozent beim Zukauf von inländischen Ferkeln. Die Einfuhr von Ferkeln für die deutsche Schweinemast verteuerte sich im Vergleich zum Vorjahr um 85 Prozent.

Für Geflügel insgesamt wurde ein Produktionswert von 3,3 Milliarden Euro errechnet (+32,5 Prozent). Bei allen Geflügelarten war eine Preissteigerung zu beobachten. Insgesamt ist ein Preisanstieg um 30 Prozent festzustellen.

Der Produktionswert bei Milch wird auf 16 Milliarden Euro geschätzt – dies entspricht einer Steigerung von knapp 42 Prozent. Der berechnete Erlöspreis liegt bei 50,9 Cent pro Kilogramm (2021: 36 Cent). Die gelieferten Milchmengen bleiben knapp unter dem Vorjahresniveau.

Um fast die Hälfte nahm der Produktionswert für Eier zu und erzielt 1,6 Milliarden Euro. Der Preis stieg um 41 Prozent auf 1761 Euro pro Tonne.

Vorleistungen

Die Kosten für Vorleistungen insgesamt steigen um neun Prozent auf 43 Milliarden Euro. Die größten Positionen hier: Dünge- und Bodenverbesserungsmittel (3,4 Milliarden Euro), Energie und Schmierstoffe (3,7 Milliarden Euro) und Futtermittel (17,5 Milliarden Euro).

Bei den Düngemitteln verdoppelte sich der Preis (+ 94 Prozent) bereits 2021. Zu diesem bereits sehr hohen Preis wurden die Vorkäufe der Landwirtschaft im dritten und vierten Quartal 2021 für die Frühjahrsdüngung 2022 getätigt. Diese Ausgaben wurden bereits 2021 verbucht. Der Preisanstieg von voraussichtlich 23 Prozent 2022 fällt zum Vorjahresvergleich geringer aus. Dadurch ist die Ausgabensteigerung für Düngemittel 2022 nicht so stark wie im Vorjahr. Zusätzlich haben die Landwirte die verwendete Menge insgesamt um sechs Prozent reduziert. Bei dem teuersten Dünger, den Stickstoffdüngemitteln, verringerte sich die Menge um elf Prozent.

Bei den Futtermitteln wurden die zugekauften Mischfuttermengen für Schweine um zehn Prozent reduziert, während Mischfutter für Rinder einschließlich Milcherzeugung auf dem Vorjahresniveau konstant blieb.

Die Futtermittelausgaben stiegen bei Schweinen um 21 Prozent und bei Rindern um 31 Prozent. Ursache für die Preissteigerungen sind die höheren Rohstoffkosten für Getreide und proteinreiche Futtermittel sowie die gestiegenen Energiekosten. Noch deutlicher wird der Ausgabenanstieg bei Geflügel einschließlich Eiern: Eine um zwei Prozent geringere Futtermenge verursachte im Vergleich zum 2021 37 Prozent höhere Kosten.

In allen Bereichen zeichnen sich Steigerungen im Produktionswert ab. Der Grund dafür ist in den steigenden Preisen zu sehen. ble