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Leserbrief - Zum Bericht „Kein Nachteil für Insekten und andere Tiere“ (FN, 18. September)

„Glyphosat ist überall: erschreckend“

Von 
Amelie Pfeiffer
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2015 stufte das Internationale Krebsforschungszentrum (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend für den Menschen“ ein. Umso erschreckender ist, dass Glyphosat überall ist: Mehr als 2000 Bürger haben 2016 an einem Urintest teilgenommen, bei 99,6 Prozent waren Glyphosat-Rückstände nachweisbar.

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Für Landwirte besonders bedenklich: Mehrere Studien kamen zu dem Ergebnis, dass Menschen, die arbeitsbedingt Umgang mit Glyphosat hatten, öfter an einer seltenen Form von Krebs erkrankten, dem Non-Hodgkin-Lymphom. Ja, Glyphosat tötet keine Insekten, aber durch die indirekte Wirkung wegen Nahrungsmangels und Habitatverlusts wird die biologische Vielfalt bedroht. Als Landwirtin weiß ich um die Problematik gewisser Beikräuter wie Quecke, Disteln, die sich in der konventionellen Landwirtschaft sehr schwer bekämpfen lassen.

Glyphosat ist ein sehr wirksamer und billiger Wirkstoff, der genau aus diesem Grund in den vergangenen Jahrzehnten immer intensiver eingesetzt wurde, zunehmend auch für die Sikkation und für die pfluglose erosionsschützenden Direktsaat. Genau das hat dazu geführt, dass Glyphosat quasi „in aller Munde“ ist.

Dieser Problematik muss ich mich doch auch als Landwirt stellen.

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Jetzt gilt es, nach Alternativen zu suchen. Ja, Pflügen ist nicht die Antwort, doch Studien haben bereits gezeigt, dass auch eine reduzierte, flache Bodenbearbeitung bis 25 Zentimeter Tiefe die Beikrautdichte reduziert und auf lange Sicht das Bodenleben fordert. Lasst uns zurückkommen zur guten ackerbaulichen Praxis und alle präventiven, mechanischen, biologischen Maßnahmen optimieren.

Es ist beschlossenes Ziel der EU-Politik, den Pestizideinsatz zu reduzieren: In einer EU-Richtlinie von 2009 wird ein Aktionsrahmen für den nachhaltigen Einsatz von Pestiziden festgelegt. Es sollen Anstrengungen unternommen werden, „die mit der Verwendung von Pestiziden verbundenen Risiken und Auswirkungen für die menschliche Gesundheit“ zu verringern und „die Anwendung des integrierten Pflanzenschutzes sowie alternativer Methoden oder Verfahren“ zu fördern.

Tatsache ist aber, dass die EU-Landwirtschaftspolitik noch zu wenig unternimmt, um Bauern beim Pestizidausstieg zu unterstützen. Vor allem die starke Orientierung auf die Wettbewerbsfähigkeit am Weltmarkt führt dazu, dass Landwirte die scheinbar billigste Produktionsweise wählen. Die Folgekosten dafür zahlen Umwelt, Gesundheit und schließlich wir alle als Steuerzahler. Das ist doch die Schraube an der wir der wir drehen müssen. Setzen wir uns dafür ein, dass Landwirte gefördert werden, die nach Alternativen suchen, die sich auf den Weg machen, weniger Pestizide einzusetzen, zum Wohle unserer Gesundheit und der Artenvielfalt. Und bitte, liebe Verbraucher, so lange diese Förderung nicht da ist, verteufeln Sie die Landwirte nicht dafür, dass sie Glyphosat gegen Problembeikräuter einsetzen, sprechen Sie mit den Landwirten, kaufen Sie bio und regional, das ist echter Fortschritt für die Natur und die Umwelt! Sorgen wir für eine neue Agrarpolitik!

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