Vor-Frühling

Die ersten Blüten eröffnen die Gartensaison

Winterruhe in der Pflanzenwelt ist alles andere als ein Winterschlaf

Von 
bgl
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Ach, wäre doch schon April: Fröhliches Vogelgezwitscher im blühenden Kirschbaum, süße Blütendüfte durchziehen den Garten und die Sonne kitzelt auf der Nase. Diese Sehnsucht verspüren gerade viele Menschen, die die Dunkelheit und das Grau des Winters leid sind. Alles scheint still und starr. Aber dieser Eindruck trügt . . .

Denn die sogenannte Winterruhe in der Pflanzenwelt ist alles andere als ein Winterschlaf. Unter der Erdoberfläche arbeiten viele Pflanzen: Hier wachsen Feinwurzeln, die Gehölze und Stauden bereiten sich in ihrem – verlangsamten – Stoffwechsel gut auf die kommende Vegetationsperiode vor.

Auch unter den Stauden gibt es eindrucksvolle Winterblüher. Die bekannteste ist sicher die Christrose (Helleborus). © BGL

Die meisten Wachstumsprozesse der Pflanzen sind temperaturabhängig. Deshalb genügen schon einige warme Tage im Frühling, um die Pflanzen in Frühlingsstimmung zu versetzen. „Diese Tatsache birgt die Gefahr von Frostschäden“, betont Thomas Büchner vom Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL). „Denn zu früh austreibende Knospen sind den im Frühjahr gelegentlich noch auftretenden Spätfrösten schutzlos ausgeliefert.“ Umso erstaunlicher, dass es Pflanzen gibt, die schon im Januar und Februar blühen, ohne Schaden zu nehmen. Ein Beispiel ist das Schneeglöckchen (Galanthus), dessen Name nicht von ungefähr kommt: Es streckt seine schneeweißen Glockenblüten auf frischgrünem Laub im tiefsten Winter munter aus einer Schneedecke.

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Die Blüten von Pflanzen sind Vermehrungsorgane. Die Biologie unterscheidet zwischen Windbestäubern und Insektenbestäubern. „Die Winterblüte bietet hier für beide Typen durchaus auch Vorteile“, erläutert Büchner. „Im Unterschied zum späten Frühjahr oder Sommer gibt es im Winter ja kein Laub, das den Wind aufhält, und kaum Konkurrenzblüten für die wenigen Insekten. Deshalb ist die Chance auf eine erfolgreiche Bestäubung im Winter sehr groß.“

Darüber hinaus gibt es einen zeitlichen Vorteil für die Pflanzen: Sie können schon früh im Jahr ihre Samen ausbilden und sie während der ersten warmen Tage in den noch unbedeckten Boden entlassen. Damit der Frost die Blüten nicht schädigt, haben einige Pflanzen die Fähigkeit entwickelt, statt Glukose (Zucker) Glycerin zu produzieren. Dieses wirkt im Zellwasser gelöst wie ein natürliches Frostschutzmittel. Zudem sind die Winterblüten meist eher klein, bieten also wenig Angriffsfläche für Kälte. Wieder andere können ihre Blüten über Nacht schließen und erst bei steigenden Temperaturen am Tage wieder öffnen, so dass die empfindlichen inneren Blütenorgane dem Frost nicht direkt ausgesetzt sind.

Es sind bei weitem nicht nur Zwiebelblumen wie Schneeglöckchen, Krokus, Schneestolz (Chionodoxa) oder Traubenhyazinthen (Muscari), die im Winter für Farbe sorgen. Auch eine Reihe von Gehölzen zeigt sich schon früh im Jahr mit Blüten. In Gärten und Parks sind sie in dieser Zeit sprichwörtlich die Highlights im Einheitsgrau. „Winterblüher empfehlen wir vor allem für den Vorgarten, denn dort werden sie von den Hausbewohnern, aber auch von Nachbarn und Passanten, am besten wahrgenommen“, so Thomas Büchner.

Die Auswahl ist größer als viele wissen und schon die Namen der Gehölze lassen ahnen, was sie zu bieten haben: Zaubernuss (Hamamelis), Duft-Schneeball (Viburnum farreri), Winter-Jasmin (Jasminum nudiflorum), Winter-Heckenkirsche (Lonicera), Glockenhasel (Corylopsis pauciflora), Chinesische Winterblüte (Chimonanthus praecox) oder Schneekirsche (Prunus subhirtella). Aber auch unter den Stauden gibt es eindrucksvolle Winterblüher. Die bekannteste ist sicher die Christrose (Helleborus); aber auch die Frühlings-Anemone (Anemone blanda) oder das Duftveilchen (Viola odorata) blühen oft schon Anfang März.

Natürlich sind es bei weitem nicht nur die Blüten, die den Garten im Winter attraktiv machen. Viele Gehölze trumpfen mit einer besonderen Rindenfärbung oder -form auf, die im laublosen Zustand ihre volle Wirkung entfalten kann. Auch glitzernder Reif auf Gräsern ist ein besonderer Schmuck, der gestalterisch im Gesamtkonzept des Gartens berücksichtigt werden sollte. Ab Ende März ist dann mit jeder Woche mehr zu entdecken: Je nach Winterverlauf treiben schon die ersten Stauden und Gräser aus, auch manche Gehölze zeigen im frühen Frühling bereits zart-grüne Spitzen.

„Der Klimawandel führt zwar zu erhöhten Durchschnittstemperaturen, aber zugleich und vor allem zu stärkeren Extremwettern“, so Büchner vom BGL. „Doch der Kälteeinbruch im vergangenen Dezember hat auch gezeigt, dass wir weiterhin mit frostigen Perioden rechnen müssen. Deshalb lohnt es, die Erfahrung der Fachleute für Garten und Landschaft zu nutzen. Denn sie wissen am besten, welche Pflanzen den Garten ganzjährig schmücken, für Vögel und Insekten nützlich sind und zuverlässig durch den Winter kommen.“ bgl