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In tropischen Ländern - Öko-Landbau – eine Alternative für die Landwirtschaft im globalen Süden?

Die Chancen nutzen, die Erträge steigern

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ble
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Eine Kombination verschiedener Kulturen ermöglicht höhere Erträge als beim Anbau in Monokultur. © Daniel Neuhoff

Bonn. Zum ökologischen Anbau in tropischen Ländern gibt es bisher nur wenige wissenschaftliche Untersuchungen. Eine umfassende Langzeitstudie über zwölf Jahre zeigt nun, dass der Öko-Landbau bei den überwiegend kleinbäuerlichen Strukturen Vorteile bietet. Gleichzeitig gibt es aber auch noch viel Optimierungsbedarf, vor allem in Bezug auf das Anbau-Know-how und die Vermarktung.

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Wie gut funktionieren die Prinzipien des Öko-Landbaus unter tropischen Klimabedingungen? Und inwieweit kann eine ökologische Landwirtschaft dazu beitragen, die wirtschaftliche Lage für kleinbäuerliche Betriebe zu verbessern und den Anbau nachhaltiger zu gestalten? Diese Fragen sollten in der sogenannten SysCom-Studie geklärt werden, die vom Forschungsinstitut Biologischer Landbau (FiBL) und verschiedenen internationalen Partnerorganisationen durchgeführt wurde.

Direkt auf dem Betrieb

Dafür verglichen die Forschungsteams in einer Langzeituntersuchung von 2007 bis 2019 ökologische und konventionelle Anbausysteme in Kenia, Indien und Bolivien miteinander. Die Erhebungen wurden für alle wichtigen, lokalen Kulturen durchgeführt und fanden in allen Ländern „On-Farm“ statt, das heißt direkt auf den Betrieben unter Praxisbedingungen. Dabei erhoben sie umfassende Daten, etwa zur Düngung, zum Pflanzenschutz, zu Erträgen und zur Wirtschaftlichkeit der Betriebe, und sie entwickelten Ansätze zur Weiterentwicklung der Anbaumethoden.

Bei den ermittelten Erträgen zeigten sich je nach Kultur große Unterschiede. Während mit Soja- und anderen Bohnen vergleichbare, zum Teil sogar höhere Erträge unter ökologischen Bedingungen erzielt wurden, schnitten Weizen, Kartoffeln oder Baumwolle im konventionellen Anbau zum Teil deutlich besser ab. So fielen die Erträge bei Bio-Kartoffeln in Kenia im Schnitt etwa 40 bis 60 Prozent niedriger aus.

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Das Forschungsteam erklärt die geringeren Erträge vor allem mit einer nicht ausreichenden Nährstoffversorgung während der entscheidenden Wachstumsphasen. Hinzu kam häufig eine falsche Dosierung der zugelassenen Pflanzenschutzmittel, die deshalb keine ausreichende Schutzwirkung entfalteten. Darüber hinaus erwies sich der einfache Ersatz konventioneller Mittel durch biologische Wirkstoffe häufig als nicht ausreichend. Vielversprechender sei es stattdessen, systematische Ansätze zur Kontrolle von Krankheiten und Schaderregern zu erarbeiten.

Auch zwischen den einzelnen untersuchten Bio-Betrieben zeigten sich große Unterschiede bei den Erträgen, die sich nach Einschätzung des Forschungsteams auf das unterschiedliche Know-how der Betriebe zurückführen lässt. Großen Einfluss auf die Höhe der Ernte habe zum Beispiel die Stickstoffdüngung, die gerade bei Kulturen mit hohem Bedarf wie Weizen, Kartoffeln und Baumwolle besser an den Bedarf der Pflanzen angepasst werden muss.

Bei wichtigen mehrjährigen Kulturen der Tropen wie Kakao lagen die Erträge beim ökologischen Anbau als Monokultur niedriger als unter konventionellen Bedingungen. Wird Kakao dagegen in Agroforstsystemen mit Bananen, Kochbananen oder anderen Kulturen angebaut, sind keine Ertragsunterschiede mehr zwischen ökologischem und konventionellem Anbau zu beobachten.

Zwar liegen die Kakaoerträge hier niedriger als beim Anbau in Monokultur. Dafür ergibt sich bei der Nutzung von Agroforstsystemen ein deutlich höherer Gesamtertrag unter ökologischen und konventionellen Bedingungen als beim reinen Monokultur-Anbau. Zudem liegen die Kakao-Erträge in den untersuchten Agroforstsystemen höher als die weltweiten Durchschnittserträge der Kultur, die überwiegend als Monokultur angebaut wird.

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Entscheidend für die Wahl des Anbausystems ist für die Betriebe die Profitabilität der angebauten Kulturen. Besonders hohe Deckungsbeiträge werden mit dem Anbau von Soja und anderen Bohnen erzielt. Denn bei vergleichbaren Erträgen fallen hier geringere Kosten für die Erzeugung an. Dagegen lagen die Deckungsbeiträge für Bio-Mais, -Baumwolle und -Weizen zu Beginn der Erhebungen niedriger als bei konventionell erzeugten Kulturen.

Die Wirtschaftlichkeit des ökologischen Anbaus hängt in allen untersuchten Ländern wesentlich davon ab, welche Preisaufschläge für die Cash-Crops, also die wichtigsten lokalen Kulturen (Kakao, Baumwolle, Kartoffeln, Mais) erzielt werden können. Hinzu kommt, dass für die anderen erzeugten Bio-Kulturen der einzelbetrieblichen Fruchtfolge oft kein Mehrerlös gegenüber konventioneller Ware erzielt werden kann. Dafür fehlt in vielen Entwicklungsländern ein organisierter Markt für Bio-Ware.

Bessere Profitabilität

Werden Bio-Aufschläge gezahlt, verbessert sich die Profitabilität der Öko-Landbaus deutlich. So generierten etwa die beteiligten Bio-Betriebe in Kenia ab dem dritten Jahr des Projektes einen zusätzlichen Preisaufschlag von 25 bis 30 Prozent, was den ökologischen Anbau wirtschaftlicher machte. Bei den untersuchten Bio-Betrieben lagen die Deckungsbeiträge über alle Kulturen hinweg im Zeitraum von 2007 bis 2018 im Schnitt knapp 30 Prozent höher als bei den konventionellen Betrieben.

Bei den indischen Bio-Baumwoll-Betrieben reichte dagegen ein Preisaufschlag von zehn bis 15 Prozent für ihre Ware nicht aus, um die Verluste durch den Verkauf der anderen ökologisch erzeugten Produkte aus der Fruchtfolge auszugleichen, für die kein Aufpreis gezahlt wurde. Die konventionellen Betriebe erreichten hier im untersuchten Zeitraum etwa 25 Prozent höhere Deckungsbeiträge bezogen auf alle angebauten Kulturen.

Die Fachleute der SysCom-Studie ermittelten in allen drei Ländern eine höhere Rentabilität bei Bio-Betrieben für die eingesetzte Arbeitszeit und die Investitionen. Das macht das Anbausystem nach Einschätzung der Fachleute attraktiver für die überwiegend kleinbäuerlichen Betriebe, die meist über ausreichend Arbeitskräfte verfügen, aber nur über geringe finanzielle Mittel. Dagegen erfordere der konventionelle Anbau oft höhere Investitionen, etwa in Dünger und Pflanzenschutzmittel, die das Risiko für eine Verschuldung bei Missernten erhöhen.

Eine sechs Jahre lang durchgeführte, vergleichende Studie zeigte, dass die erzeugten Lebensmittel der konventionellen Betriebe zum Teil hohe Konzentrationen Rückstände von Wirkstoffen verschiedener Pflanzenschutzmittel aufwiesen. Auch auf den genutzten konventionellen Flächen wurden Rückstände gemessen, die die Grenzwerte überschritten. Auf den ökologischen bewirtschafteten Flächen traten dagegen weder in den geernteten Kulturen, noch im Boden oder im Grundwasser Rückstände dieser Wirkstoffe auf.

Mehr Regenwürmer

Auch in Bezug auf die Biodiversität zeigten sich auf den ökologisch genutzten Flächen Vorteile. So wurden auf den Flächen der indischen Bio-Betriebe etwa 45 Prozent mehr Regenwürmer nachgewiesen als auf den konventionellen Äckern. In Bolivien traten mehr Vogelarten auf, während in Kenia sechs statt nur zwei verschiedene Termitenarten auf den untersuchten Bio-Flächen gefunden wurden. Besonders positiv wirkten sich Agroforstsysteme auf die Biodiversität aus, auch bei konventioneller Bewirtschaftung.

Aufgrund der überwiegend vorteilhaften Wirkungen des Öko-Landbaus haben die Autoren der Studie auch Empfehlungen für die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erarbeitet. Dazu gehört zum Beispiel, den Markt für alle lokalen Bio-Produkte zu stimulieren, damit die Betriebe für alle erzeugten Lebensmittel angemessene Bio-Zuschläge erzielen können, also nicht nur für Cash-Crops wie Baumwolle und Kakao.

Zudem sollten Anreize geschaffen werden, die Betriebe stärker in Kooperativen und Selbsthilfe-Gruppen zu organisieren. Denn in diesem Rahmen ließe sich das Know-how für den Anbau durch regelmäßige Fortbildungen und einen stärkeren fachlichen Austausch unter Betrieben kontinuierlich verbessern. Um den Arbeitsaufwand für den Anbau zu verringern, sollten darüber hinaus technische Innovationen und eine stärkere Mechanisierung vorangetrieben werden, die an die lokalen Anforderungen angepasst sind.

Das sei ein wichtiger Schlüssel, um ökologisch wirtschaftende Kleinstbetriebe zu stärken. ble

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