Fachtagung in Niederstetten - Unsicherheit und Zukunftsängste nahmen die Landwirte mit nach Hause Auf viele drängende Fragen keine Antwort gefunden

Von 
Renate Henneberger
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Im Anschluss an die Vorträge zur gemeinsamen GAP haben nun endlich die Zuhörer das Wort. „Seit Jahren wird eine Vereinfachung der unzähligen Regelungen und Vorschriften versprochen, ebenso wie ein weniger bürokratisches Antragssystem. Allein – geändert hat sich bis heute nichts. Was sagen Sie dazu?“ Mit dieser Frage eröffnet einer der Landwirte die Fragerunde und spricht vielen aus der Seele, wie der Beifall zeigt.

„Wo Geld gegeben wird, braucht es auch Kontrollen“, meint Dr. Martin Scheele von der EU-Kommission. © Renate Henneberger

Begrenzter Spielraum

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„Der Spielraum ist hier sehr begrenzt“, äußert sich Dr. Scheele. „Wo Geld gegeben wird, braucht es auch Kontrollen“. „Vieles ist eingefahren“, gibt Udo Hemmerling zu. „Oft werden die vorhandenen Freiräume in unserem eigenen Land nicht genutzt, im Gegenteil, durch übertriebene Genauigkeit wird die Schraube nochmals ein Stück zugedreht. Mit mehr Augenmaß könnte manches einfacher sein.“ „Wir sind auf einem guten Weg“, versichert Alois Bauer. „Der Wunsch nach Vereinfachung ist angekommen. Ein eigenes Referat ist mit diesem Thema betraut. Es geht, wenn auch in kleinen Schritten, voran.“

Immer wieder wird der Wunsch nach mehr Klarheit und Verlässlichkeit geäußert. „Wir brauchen in der Landwirtschaft Planungssicherheit“, lautet eine dringende Forderung. An einem Beschluss auch mal eine Zeitlang festhalten, getroffene Regelungen nicht ständig ändern, das ist eines der großen Anliegen der Landwirte.

In der Landwirtschaft kann man nicht mal eben einen Schalter umlegen – heute dies und morgen etwas anderes machen. Gerade mit einer Investition muss man finanziell erst einmal fertig werden. „Ich habe, entsprechend der geänderten Auflagen, in einen neuen Schweinestall investiert“, wendet sich ein Zuhörer an die Fachleute. „Es wäre schön, wenn ich den Stall in der derzeitigen Ausstattung wenigstens solange nutzen könnte, bis er abgeschrieben ist!“

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In die gleiche Richtung geht die Kritik an der Düngeverordnung, die kaum beschlossen, bereits nach einem Jahr wieder über den Haufen geworfen wurde. „Nitratwerte sind von der EU vorgegeben und müssen eingehalten werden“, kommentiert Dr. Scheele. Oft werde bei der Umsetzung nicht sorgfältig gearbeitet, so dass nachgebessert werden müsse.

Anderswo auch akribisch?

„Ich möchte gern wissen, ob man in anderen EU-Ländern auch so akribisch vorgeht“, meldet sich ein skeptischer Zuhörer. „Es stimmt schon“, pflichtet Udo Hemmerling bei, „die deutschen Messungen sind sehr strikt. Es kommt eben sehr darauf an, wo man misst.“

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Die Landwirtschaft befindet sich in einer tiefen Krise. Kleinere Betriebe kämpfen um ihre Existenz. „Der Strukturwandel ist schon lange im Gange und er wird in Zukunft zum Verlust weiterer landwirtschaftlicher Betriebe führen.

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Die weiter machen, sind ständig wachsendem wirtschaftlichem Druck ausgesetzt“, ist die düstere Prognose eines Landwirtes. „Kostendeckend arbeiten, sein Geld als Bauer durch seiner Hände Arbeit verdienen - da würde die Arbeit wieder richtig Spaß machen“, ergänzt einer der Zuhörer.

Für mehr Klarheit sollte die Fachtagung zum Thema „GAP nach 2020“ sorgen. Ob das gelungen ist, das ist fraglich. Es liegt zum Teil daran, dass auch Fachleute in der derzeitigen Situation, wo noch vieles in der Schwebe ist und auf Vorschlägen beruht, wenig Konkretes sagen können. Es liegt aber auch daran, dass die Zeit mit einer halben Stunde knapp bemessen war. Eine Diskussion, wie in der Einladung angekündigt, kam da nicht auf.

Wenig ermutigend

Die ständigen Ermahnungen der Moderatorin „Fassen Sie sich kurz“, waren ebenso wenig ermutigend, wie die Bemerkung mit Blick auf die Uhr: „Sie müssen jetzt doch in den Stall“. Eigentlich schade. Auch wenn es auf viele Fragen keine Antwort gibt, so wäre dieser Nachmittag doch eine gute Gelegenheit gewesen, einfach einmal zuzuhören.

Das wäre zumindest ein glaubhaftes Zeichen von Interesse an den Problemen der Landwirte gewesen und ein Ausdruck der Wertschätzung für die Zuhörer.