AdUnit Billboard
Neue Unfallverhütungsvorschriften - Mehr Verständnis für Tiere aufbringen und bauliche Vorkehrungen entschärfen

Arbeitsunfälle mit Milchvieh vermeiden

Von 
ble
Lesedauer: 
Arbeitsunfälle mit Milchvieh können vermieden werden, wenn für die Tiere mehr Verständnis aufgebracht wird. © DPA

Bonn. Seit April gelten neue Unfallverhütungsvorschriften der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau, SVLFG. Beim Milchvieh dürfen beispielsweise keine Deckbullen mehr in der Herde laufen.

AdUnit Mobile_Pos2
AdUnit Content_1

In Rinderhaltungen passieren jedes Jahr viele Arbeitsunfälle – auch tödliche. Besonders beim Treiben der Kühe kommt es häufig zu „Missverständnissen“ zwischen Mensch und Tier, so die Statistik der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau, SVLFG. Viele unfallträchtige Situationen lassen sich aber durch ein besseres Verständnis für die Kühe und bauliche Vorkehrungen entschärfen. Sicherer Umgang mit Rindern bedeutet deswegen unter anderem, das Verhalten und die Bedürfnisse von Rindern zu kennen.

Mit Blick auf die wesentlichen Ursachen für Arbeitsunfälle im Kuhstall hat die SVLFG die Unfallverhütungsvorschriften in wichtigen Punkten geändert. Am 1. April trat die novellierte „Vorschrift für Sicherheit und Gesundheitsschutz in der Tierhaltung“ (VSG 4.1) in Kraft. Damit ergeben sich für Rinderhalter einige Neuerungen. Die Anforderungen an die Haltungsumwelt orientieren sich auch am natürlichen Verhalten von Milchkühen. Die Neuerungen zur Unfallverhütung bei Milchvieh auf einen Blick: Stalleinrichtung: Fixier- und Separiereinrichtungen für Einzeltiere und Gruppen müssen in ausreichender Zahl vorhanden sein. Tierärztliche Behandlungen und Besamungen: Bei der Behandlung oder Besamung dürfen sich keine anderen Kühe im Behandlungsbereich aufhalten. Deckbullen: Angriffe auf Personen durch freilaufende Deckbullen kommen oft ohne leicht ersichtliche Ankündigung. Freilaufende Deckbullen sind daher in der Milchviehherde nicht mehr erlaubt. Sie müssen laut der VSG 4.1 separat in einer stabil gebauten Einzelbucht mit rutschfestem Bodenbelag gehalten werden. Der Deckbulle sollte zum Beispiel in einem Sicherheitsfressgitter fixiert werden, bevor die brünstige Kuh und der Bulle zusammengeführt werden oder der Tierbetreuer die Bucht betrifft. Eine Zweiraumbucht verringert den Tierkontakt beim Zusammenführen. Ein Durchschlupf als Fluchtmöglichkeit für Personen kann Leben retten. Bei Stallneubauten ist die Anforderung der VSG sofort umzusetzen, für den Umbau in Altställen gilt eine Übergangsfristvon drei Jahren. Tierverhaltenskenntnisse: Alle Personen mit Tierkontakt müssen Kenntnisse zum sicheren Umgang mit Rindern haben. Aggressive Tiere: Tiere, die sich aggressiv verhalten und Menschen gefährden können, müssen spätestens nach einem Angriff aus dem Bestand entfernt werden.

Das Verhalten der Nutztiere ist instinktiv geprägt. Schon kurzes Erschrecken, hektische Berührungen oder Rangauseinandersetzungen können zu heftigen Flucht- und Abwehrreaktionen führen. Der sichere Umgang mit Kühen bedeutet daher unter anderem, das Verhalten und die Bedürfnisse von Rindern zu kennen, um so Gefahren rechtzeitig wahrzunehmen und Unfälle zu vermeiden.

AdUnit Mobile_Pos3
AdUnit Content_2

Die betreuenden Personen sollten immer einen ruhigen Umgang mit Rindern pflegen. Hektik beim Treiben ist unter allen Umständen zu vermeiden, damit erst gar kein Stress entsteht.

Denn gestresste Kühe sind nicht mehr gut lenkbar. Dazu gehört es auch, laute Geräusche zu vermeiden.

Beim Treiben sollte außerdem der „Drehpunkt Schulter“ und der hieraus resultierende Platzbedarf des Tieres beachtet werden.

Nie sollte man mit dem Rücken zur Wand oder ohne Fluchtweg treiben. Bauliche Details im Stall wie Fluchtmöglichkeiten für die betreuenden Personen können im Ernstfall lebensrettend sein. Auch vermeintliche Kleinigkeiten sollten beachtet werden. Senken Rinder beispielsweise beim Treiben den Kopf, kann es auch bedeuten, dass sie den Boden oder eine Pfütze zu untersuchen wollen, bevor sie darüber gehen. Schon kleine Schwellen sind für sie oft ein Hemmnis. Hier hilft es schon, ihnen ein wenig Zeit zu geben.

AdUnit Mobile_Pos4
AdUnit Content_3

Schnell zu Stress führt bei den Herdentieren soziale Isolation, was wiederum abrupte Reaktionen hervorrufen kann. Dies ist beispielsweise bei der Klauenpflege zu berücksichtigen. Gelindert werden kann der Stress, indem der Klauenpflegestand in der Nähe der Herde aufgestellt wird.

Grundsätzlich gilt: Wenn gefährliche Situationen erst gar nicht entstehen, ist das die beste Unfallverhütung. Mit diesen Kenntnissen lässt sich im täglichen Alltag im Milchviehstall Stress und Schlimmeres für Betreuer und Kühe vermeiden. Das heißt auch, dass alle Mitarbeiter im Umgang mit den Tieren geschult werden müssen. ble

AdUnit Footer_1
AdUnit Mobile_Footer_1